3. Fußball-Liga

Große Namen, kleiner Dorfklub: Großaspach startet in 3. Liga

Mit kleinem Etat, aber viel Herz will die schwäbische SG Sonnenhof Großaspach in der dritten Liga im Konzert der Traditionsclubs mithalten. Dabei hat der Aufsteiger prominente Unterstützer.

Schlagerstar und Fan Andrea Berg mit Ehemann und Vereinsgründer Uli Ferber 2025 bei Großaspachs DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Schlagerstar und Fan Andrea Berg mit Ehemann und Vereinsgründer Uli Ferber 2025 bei Großaspachs DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen.

Aspach (dpa) - Neulich war es wieder so weit: Schlagerstar Andrea Berg lud zu ihrem Open-Air-Wochenende «Heimspiel» ins Stadion im Aspacher Fautenhau - und wie jedes Jahr kamen rund 40.000 Fans zu der dreitägigen Veranstaltung. Das sind fast so viele Zuschauer, wie die SG Sonnenhof Großaspach dort in der gesamten kommenden Saison der 3. Fußball-Liga erwartet.

Andrea Berg, die Millionen von Tonträgern verkauft hat, ist wohl die bekannteste Anhängerin des selbst ernannten «Dorfklubs» aus der 8000-Einwohner-Gemeinde rund 50 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Er hat im Mai völlig überraschend den Durchmarsch innerhalb eines Jahres von der Oberliga Baden-Württemberg über die Regionalliga Südwest in die dritte Liga geschafft.

Klassenverbleib als «sehr herausfordernde Aufgabe»

Dort will die SG Sonnenhof mit einem Kader aus Halbprofis in einer Spielklasse mit Traditionsclubs wie MSV Duisburg, Fortuna Düsseldorf oder Hansa Rostock bestehen. «Die Klasse zu halten, wird eine sehr herausfordernde Aufgabe», sagt Sportvorstand Michael Ferber vor dem Start mit dem Heimspiel am Samstag (16.30 Uhr/Magenta Sport) gegen Mitaufsteiger Fortuna Köln. 

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Erreicht werden soll das Saisonziel mit Werten, die die eingetragene Marke «Dorfklub» symbolisiert: Viel ehrenamtliches Engagement, junge Spieler, die sich um den 30 Jahre alten Kapitän Volkan Celiktas versammeln, und großer Teamgeist sollen die finanziellen Nachteile gegenüber der oft namhaften Konkurrenz ausgleichen. «Vom Etat her sind wir bestimmt Letzter oder Vorletzter der Tabelle», meint Michael Ferber.

Im letzten Jahr im Pokal gegen Leverkusen, demnächst im Überlebenskampf der 3. Liga: Die Großaspacher Stoppel (l) und Aidonis (r). Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Im letzten Jahr im Pokal gegen Leverkusen, demnächst im Überlebenskampf der 3. Liga: Die Großaspacher Stoppel (l) und Aidonis (r).

Er ist der Sohn des ehemaligen Clubpräsidenten und früheren Spielerberaters Uli Ferber, der Stars wie Mario Gomez oder Joshua Kimmich betreute - und mit Andrea Berg verheiratet ist. Zudem betreibt die Familie Ferber das überregional bekannte Hotel Sonnenhof in Kleinaspach, woher die SG Sonnenhof ihren Namen hat. Die entstand 1994 aus einem Freizeitteam, das der heute 66-jährige Uli Ferber mit Freunden gegründet hatte. 2014 stieg der Verein schon einmal überraschend in die 3. Liga auf und hielt sich dort sechs Jahre lang.

Das Stadion als großes Plus

Einen Vorteil hat die SG gegenüber anderen Clubs aus der Provinz: das 10.000 Zuschauer fassende Stadion am Waldrand von Großaspach, wo auch die zweite Mannschaft des Bundesligisten VfB Stuttgart ihre Drittliga-Heimspiele austrägt. Denn sie erfüllt die Vorgaben des DFB. Die 2011 eröffnete Arena ließ Uli Ferber mit einer Investorengruppe bauen, zu der damals auch Ex-Nationalspieler Gomez gehörte.

Voll wird das Stadion nur bei ganz besonderen Spielen wie 2025 im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen - oder dank Andrea Berg. In der Liga aber geht der Verein von einem Schnitt von nur rund 2500 Zuschauern aus. Große Sprünge sind da finanziell nicht möglich - auch wenn Uli Ferber zwar nicht mehr operativ im Verein tätig ist, mit seinem Netzwerk aber etliche Sponsoren für die SG gewonnen hat. Dennoch hat die Mannschaft von Trainer Pascal Reinhardt ihre beiden Topoffensivspieler Mert Tasdelen und Michael Kleinschrodt verloren. 

Der Sportliche Leiter Julian Schieber setzt in der 3. Liga auf die Großaspacher «DNA». Foto: Ilkay Karakurt/dpa
Der Sportliche Leiter Julian Schieber setzt in der 3. Liga auf die Großaspacher «DNA».

Ein Stamm aus Oberligazeiten

Der Sportliche Leiter Julian Schieber, der einst für den VfB Stuttgart und Borussia Dortmund stürmte, hofft aber, dass sie durch die Neuzugänge Tim Rossmann (von Fortuna Düsseldorf) und Marlon Faß (Stuttgarter Kickers) gleichwertig ersetzt werden können. Beide stammen aus der Region. Beim Start gegen Fortuna Köln könnte es zudem sein, dass immer noch sechs Spieler aus Oberligazeiten in der Startelf stehen. Das zeige «den Weg und die DNA» der SG Sonnenhof, deren Kader eben sehr regional gedacht sei, meint Schieber. 

Michael Ferber sieht in der Zugehörigkeit zur dritten Liga denn auch eher eine «Außergewöhnlichkeit als eine Selbstverständlichkeit». Andrea Berg nahm sie zum Anlass, ihren Song «Ja, ich will» aus dem Jahr 2017 nach dem Aufstieg neu aufzunehmen - als «Dorfklub-Version» für die SG Sonnenhof.