Handkäs' und Dialekte: Die Marathon-Reise von Joyce Hübner
495 Marathons in 495 Tagen: Joyce Hübner läuft aktuell durch Hessen und Rheinland-Pfalz – und staunt über Dialekte, Mentalität und ungewöhnliche Willkommensschilder.
Wiesbaden/Mainz (dpa) - Mehr als die Hälfte ist geschafft, doch Lauf-Influencerin Joyce Hübner hat bislang nicht die Zielgerade im Kopf. «Ich denke in Etappen», sagt die Extremsportlerin, die aktuell durch Hessen und Rheinland-Pfalz läuft. Ihr Projekt «Joyce Städtetrip» umfasst 495 Marathons an 495 Tagen - ohne Ruhetag. Ihr Plan: alle statistisch erfassten deutschen Städte zu Fuß erreichen. Gestartet ist sie am 1. Juni im niedersächsischen Helmstedt, am 8. Oktober will sie in Berlin ins Ziel laufen.
Hügel statt Horizont
Die 37-Jährige erlebt die aktuellen Etappen vor allem über die Landschaft. Unterwegs im Taunus habe sie gedacht: «Das sieht schon wieder alles ganz schön hügelig aus». Und es bleibt anstrengend. Rheinland-Pfalz habe anspruchsvolle Passagen mit vielen Höhenmetern. Regionale Unterschiede nehme sie weniger über Landschaften wahr, erzählt die Berlinerin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Wiesbaden. Den eigentlichen Unterschied machten die Menschen. «Die Dialekte! Daran merke ich dann eigentlich meistens, wo ich gerade bin», sagt sie lachend.
Ein Schild, das in Erinnerung bleibt
Was bleiben, sind Begegnungen und kuriose Details. Eine Geschichte betrifft die offiziellen Willkommensschilder der Bundesländer. Auf dem rheinland-pfälzischen Schild ist eine fröhlich lächelnde Familie abgebildet. Bei ihrem ersten Lauf in das Bundesland sei ihr von einem Mitläufer erklärt worden, dass er die Familie über mehrere Ecken persönlich kenne. Als sie bei ihrem 290. Marathon weiter nach Hessen lief, hoffte sie auch hier auf ein besonderes Motiv. Stattdessen: Flagge und Schriftzug. Ein Familienbild hätte sie schöner gefunden, erzählt sie.
Kohlenhydrate ja, Handkäse na ja
Kulinarisch geht es auf ihrer Marathonreise pragmatisch zu. Wichtig seien Kohlenhydrate: Nudeln, Kartoffeln, Reis. Vom Handkäse sei sie nicht überzeugt, da habe sie bei der Erklärung keinen Appetit bekommen. In den kommenden Tagen wird sie laut Route mehrfach zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz unterwegs sein. Einen Wunsch richtet sie an Begleitläufer in Rheinland-Pfalz: «Ich würde mich freuen, wenn man den Dialekt nicht so ganz auslebt.» Sie wolle ihre Mitläufer nämlich gerne verstehen können.