Dauerkrise

Heidenheim mit Applaus verabschiedet: «Das gibt es nirgends»

Am Trainer wird nicht gerüttelt, die Fans halten die Treue. Für Schmidt zeigt sich, warum Heidenheim außergewöhnlich ist. Immer mehr spricht dafür, dass der Club in Liga eins auf Abschiedstour ist.

Trainer Frank Schmidt muss in Heidenheim eine fast aussichtslose Situation moderieren. Foto: Harry Langer/dpa
Trainer Frank Schmidt muss in Heidenheim eine fast aussichtslose Situation moderieren.

Heidenheim (dpa) - Keine Pfiffe, kein lauter Abgesang von den Rängen - stattdessen Unterstützung. Vereint stehen die Fans trotz der aussichtslos scheinenden Situation hinter dem 1. FC Heidenheim. Nach dem 2:4 (0:2) gegen die TSG Hoffenheim wartet der Außenseiter im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga nunmehr seit einem Vierteljahr oder zwölf Spielen auf einen Sieg.

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Dass die 50.000-Einwohner-Stadt Mitte Mai nach drei Jahren wieder einen Zweit- statt Erstligisten hat, ist noch ein Stück wahrscheinlicher. «Es ist echt eine beschissene Situation, so erfolglos zu sein. In anderen Stadien wirst du wahrscheinlich wie eine Sau rausgetrieben - hier unterstützen dich die Fans noch», kommentierte Trainer Frank Schmidt bei Sky. Man werde trotz der nächsten Niederlage mit Applaus verabschiedet.

Wieder nur Enttäuschung beim 1. FC Heidenheim nach dem 2:4 gegen die TSG Hoffenheim. Foto: Harry Langer/dpa
Wieder nur Enttäuschung beim 1. FC Heidenheim nach dem 2:4 gegen die TSG Hoffenheim.

Schmidt erinnert an gemeinsamen Erfolgsweg der Vergangenheit

«Das gibt es nirgends anderes an keinem anderen Standort in so einer Situation», meinte Schmidt. Auch wenn alle zusammen gerade mehr falsch als richtig machen würden, zeige das doch, dass der FCH ein anderer Verein sei. «Dass man nicht vergisst, was wir alle zusammen nicht in einem oder zwei Jahren erreicht haben, sondern in fast zwei Jahrzehnten», erinnerte Schmidt, der seit mehr als 18 Jahren Trainer in Heidenheim ist und den Posten in der Oberliga übernommen hatte. Für ihn war es ein Moment, um an den langen, erfolgreichen Weg zu erinnern.

Schon vor der Partie hatte der Coach gesagt, dass selbst ein Wunder für den theoretisch noch möglichen Klassenverbleib nicht ausreichen würde. Es müssten schon zwei Wunder sein. Nun wird es vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt am kommenden Samstag noch mal schwieriger, 

Nur 14 Punkte aus 25 Spielen sprechen gegen diese Wunder. Die Defensive war auch gegen Hoffenheim zu anfällig, die Offensive in der ersten Hälfte erheblich zu ungefährlich. «Die Gegentore sind einfach zu leicht gefallen und dürfen so nicht fallen», fasste Mittelfeldspieler Luca Kerber zusammen, der mit seinen zwei Toren zwischenzeitlich hoffen ließ. 

Busch benennt Motto für die letzten Wochen der Saison 

Die Moral strich Schmidt - neben den Fans - als zweiten positiven Punkt heraus. Zwar hätte man nach dem zwischenzeitlichen 0:3 befürchten müssen, das Team werde «aus dem eigenen Stadion geschossen». 

Doch die Heidenheimer sammelten sich wieder. Es sei extrem wichtig gewesen, gezeigt zu haben, dass «die Mannschaft lebt», erklärte Rechtsverteidiger Marnon Busch. «Solange dieser Verein spielt, wird gekämpft. Das ist für uns alle ein gutes Motto, um in die letzten Wochen zu gehen.»