Hessen im All: Wo steht das Land bei der Raumfahrt?
Im Land gibt es eine Vielzahl von Raumfahrtaktivitäten. Diese sollen möglichst vernetzt werden.
Darmstadt/Frankfurt (dpa/lhe) - Kontrollzentren, Satellitensteuerung oder Forschung für eine Reise ins All: Hessen gehört zu den führenden Raumfahrtstandorten in Deutschland. Heute treffen sich Vertreter aus Raumfahrt, Forschung, Industrie und Politik in Frankfurt, auch um über weitere Vernetzungen bei Raumfahrtprojekten zu sprechen.
Warum ist Hessen so wichtig für die Raumfahrt?
Mit der europäischen Raumfahrtbehörde Esa und der europäischen Agentur für meteorologische Satelliten Eumetsat haben gleich zwei Raumfahrtagenturen ihre Kontrollzentren in Darmstadt. Von hier aus steuern sie Satelliten. Alleine bei der Esa sind dies nach Angaben des Leiters des Kontrollzentrums, Simon Plum, 25 und gut 20 weitere sind in Vorbereitung.
Welche Missionen werden von Hessen aus gesteuert?
Neben Erdbeobachtungssonden für bessere Wettervorhersagen und Klimamodelle fliegt die Esa auch Forschungssatelliten mit spektakulären Missionen zur Erkundung des Sonnensystems und für die Sicherheit unseres Planeten. Bei der Esa entsteht derzeit ein neues, hochmodernes Kontrollzentrum.
Noch in diesem Jahr soll die aus Darmstadt gesteuerte Sonde «Bebicolombo» am Merkur ankommen, um Daten über den am wenigsten erforschen Planeten im inneren Sonnensystem zu sammeln. Auch «Hera» soll noch in diesem Jahr an ihrem Bestimmungsort ankommen. Sie untersucht die Auswirkungen eines Satelliteneinschlags in einen Asteroiden und ist Teil der Asteroidenabwehr. «Juice» ist auf dem Weg zum Jupiter, unter anderem um an einem Mond des Gasriesen nach Spuren von Leben zu schauen.
«Eumetsat arbeitet mit Agenturen aus allen Teilen der Welt zusammen und sichert sich dadurch zusätzliche Satellitendaten für Wettervorhersagen und Klimaüberwachung», heißt es auf der Homepage der Agentur. Sie hatte erst kürzlich angekündigt, ihr Programm weiter auszubauen. Mit dem neuen Zentrum soll der Schutz von Satelliten, Bodenstationen und Kontrollsystemen vor äußeren Einflüssen gewährleistet werden.
Gibt es noch andere Aktivitäten?
Ja. Bei der Esa sitzt auch die Abteilung für Weltraumsicherheit. Sie beobachtet Asteroiden, die eine potenzielle Gefahr für die Sicherheit der Erde werden könnten. Ebenso behält sie den Weltraumschrott im Blick. Vergangenes Jahr wurde dort auch ein millionenschweres Zentrum für Cybersicherheit im Kontrollzentrum vorgestellt.
Beteiligt sich die Landesregierung an der Raumfahrt?
Ja. Seit 2021 ist der frühere Esa-Chef Johann-Dietrich Wörner Raumfahrkoordinator des Landes. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Koordination der raumfahrtbezogenen Aktivitäten der Landesregierung oder die Unterstützung bei der Ansiedelung weiterer entsprechender Unternehmen oder Forschungsinstitutionen.
Welche Forschung gibt es in Hessen zur Raumfahrt?
Die Technische Universität in Darmstadt bietet zum Beispiel einen Studiengang an, der sich mit Raumfahrt befasst. Dort haben unter anderem Studenten einen würfelförmigen Kleinsatelliten gebaut, der wissenschaftliche und technologische Missionen vereint.