Bildung

Integration: Tausende Flüchtlingskinder in Intensivklassen

Sprachdefizite in der Schule: Besondere Klassen sollen geflohenen Schülern den Einstieg in den deutschen Regelunterricht erleichtern. Für manche sind sie auch ein Schutzraum.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Flüchtlingskinder in Schulen einzugliedern kann ihrer allgemeinen Integration in Deutschland einen Schub geben: In Hessen sitzen inzwischen Tausende geflohene Schüler in Intensivklassen. Hinzu kommen hier etwa aus westlichen Ländern einwanderte Mädchen und Jungen mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Insgesamt sitzen rund 30.000 Schüler in den Intensivklassen. Diese bereiten sie auf den deutschsprachigen Regelunterricht vor. Noch nie - auch nicht während der immensen Zuwanderung 2015 und 2016 - gelangten nach früheren Angaben des Kultusministeriums in Wiesbaden in so kurzer Zeit so viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche nach Hessen wie im vergangenen Schuljahr 2022/2023.

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Der größte Teil der Schülerinnen und Schüler in den derzeit mehr als 1900 hiesigen Intensivklassen kommt aus der Ukraine (rund 13.500) - seit Februar 2022 führt dort Russland einen Angriffskrieg. Etwa 9300 Mädchen und Jungen stammen «aus Ländern außerhalb der EU mit hohem Flüchtlingsaufkommen wie Afghanistan, Syrien oder Somalia», wie das Kultusministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. In den Intensivklassen in Hessen lernen die jungen Menschen vorrangig die deutsche Sprache.

Die Jugendlichen aus der Ukraine bekommen laut Ministerium «neben dem verpflichtenden Unterricht in Intensivklassen bei Bedarf an den jeweiligen Schulen ein freiwilliges Ergänzungsangebot in ukrainischer Sprache». Vor den Sommerferien beteiligten sich hieran in Hessen insgesamt rund 2800 interessierte Mädchen und Jungen an 200 Schulen daran. Aktuelle Zahlen für das neue Schuljahr 2023/2024 gab es vorerst nicht. Darüber hinaus konnten nach den Sommerferien etwa 10.000 junge Flüchtlinge nach ihrem Deutschlernen in den Intensivklassen bereits in den Regelunterricht wechseln.

Eine ukrainische Lehrerin einer Intensivklasse einer Grundschule im hessischen Rheingau, die ihren Namen nicht nannte, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Die Kinder sind sehr motiviert, Deutsch zu lernen. Sie wollen schnell in den Regelunterricht kommen, auch wegen der Freundschaften mit anderen Kindern.» Die Zeitspanne bis zu diesem Wechsel ist laut der Lehrerin unterschiedlich lang je nach Lerntempo und persönlicher Situation der Flüchtlingskinder. Manche brauchten auch länger den Schutzraum der Intensivklasse. In ihrer Klasse säßen vor allem ukrainische Mädchen und Jungen, aber auch einige syrische Flüchtlingskinder.

Gegenwärtig unterrichten nach Angaben des Kultusministeriums fast 300 Lehrerinnen und Lehrer aus der Ukraine an Schulen in Hessen. «Es kommt weiterhin zu befristeten Einstellungen», ergänzte die Landesbehörde hierzu. Gelangten neue schulpflichtige Flüchtlingskinder hierher, würden sie «auch umgehend unterrichtet. Es gibt in Hessen keine diesbezüglichen Wartezeiten, nur vereinzelt vielleicht mal kurze Verzögerungen», teilte das Kultusministerium weiter mit.

Insgesamt sitzen in den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in dem Bundesland derzeit rund 798.000 Kinder und Jugendliche in den Klassen.