IT-Panne - Hessen sieht sich bei Lehrerstellen gerüstet
Ein Software-Fehler ließ weitaus mehr als 1000 Lehrerstellen im benachbarten Baden-Württemberg lange unbesetzt. Könnte Ähnliches auch in Hessen passieren?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Angesichts von 1.140 versehentlich jahrelang nicht besetzten Lehrerstellen in Baden-Württemberg wohl wegen eines Software-Fehlers verweist Hessen auf gute Vorkehrungen gegen solche Pannen. «In Hessen hat es bisher keinen vergleichbaren Fall gegeben», teilte das Kultusministerium in Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur mit. «Das Kultusressort in Hessen ist grundsätzlich für den Bereich der Lehrerstellenzuweisung und -bewirtschaftung sehr gut aufgestellt.»
Hessen verfüge über eine eigenentwickelte IT-Lösung. Die Hochrechnung der Personalkosten und die Kosten für einzelne Lehrerkräfte etwa seien hier integriert. «Das Gesamtsystem ist in der Lage, neue Anforderungen schnell und flexibel aufzufangen», hieß es weiter. Das Ministerium kann hier nach eigenen Angaben leicht selbst zusätzliche Informationen berücksichtigen: «So wurden sehr gute Voraussetzungen für ein transparentes System, auf das Schulen, die staatlichen Schulämter und das Ministerium zugreifen können, mit einem sehr hohen Qualitätsstandard geschaffen.»
20 Jahre alter Ursprung eines Softwarefehlers im Südwesten
Die baden-württembergische Landesregierung hatte kürzlich eingeräumt, dass ein Softwarefehler, der bis auf das Jahr 2005 zurückgeht, zu den versehentlich 1.440 unbesetzten Lehrerstellen im Südwesten geführt hatte. In einem Personalverwaltungsprogramm waren die Stellen offenbar als belegt ausgewiesen worden, obwohl sie eigentlich frei waren. Dieser Fehler sei über all die Jahre unbemerkt geblieben.
In Hessen sind laut dem Kultusministerium in Wiesbaden in den vergangenen Jahren «kurz-, mittel- und langfristig wirkende Maßnahmen» für die strukturelle Versorgung der Schulen mit qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern auf den Weg gebracht worden.
«Die Zukunft braucht Dich. Werde Lehrerin oder Lehrer in Hessen.»
Zu den kurzfristigen Schritten zählten etwa Abordnungen von Lehrkräften von weiterführenden Schulen an Grundschulen. «Für die mittelfristige Lehrkräftegewinnung werden verschiedene Quereinstiegsprogramme angeboten.» Langfristig helfen sollen beispielsweise «der Ausbau der Studienkapazitäten im Grund- und Förderschulbereich seit 2017 um mehr als 50 Prozent und die Kampagne zur Lehrkräftegewinnung "Die Zukunft braucht Dich! Werde Lehrerin oder Lehrer in Hessen"».
Bildungsgewerkschaften, Landtagsopposition und Eltern haben in Hessen in den vergangenen Jahren immer wieder ausgefallene Schulstunden und Lehrermangel beklagt - bei allerdings auch gestiegenen Schülerzahlen.