Bundesliga

Enttäuscht, aber hoffend: Schalke muss «noch einmal leiden»

Der Abstiegskampf bleibt ein Thriller. Schalke verpasst gegen Eintracht Frankfurt einen wichtigen Sieg, hofft aber weiter auf den Klassenverbleib. Nächste Woche geht's zu einem Top-Team.

Schalkes Kenan Karaman sitzt nach dem Schlusspfiff enttäuscht auf dem Rasen. Foto: David Inderlied/dpa
Schalkes Kenan Karaman sitzt nach dem Schlusspfiff enttäuscht auf dem Rasen.

Gelsenkirchen (dpa) - Der erhoffte Stimmungsschub im Abstiegskampf blieb für den FC Schalke 04 am Tag nach dem Fußball-Thriller gegen Eintracht Frankfurt aus - stattdessen gab es einen herben Dämpfer. Durch den 4:1-Sieg von Konkurrent VfB Stuttgart beim FSV Mainz 05 steht fest: Die Gelsenkirchener gehen auf dem vorletzten Tabellenplatz in den 34. Spieltag und können den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Schalke muss bei RB Leipzig punkten und auf Patzer der anderen bedrohten Mannschaften hoffen. Bochum auf dem Relegationsplatz und Stuttgart auf Rang 15 haben je einen Punkt mehr als S04, der VfB verfügt allerdings über die deutlich bessere Tordifferenz als die beiden Revierrivalen.

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Das hochemotionale und packende 2:2 gegen die Eintracht hatte Schalke-Profis und -Fans auch am Samstag noch lange nach dem Abpfiff aufgewühlt. Nachdem sich die Gelsenkirchener mit ihren Anhängern vor der Kurve auf das große Saisonfinale in Sachsen eingestimmt hatten, gerieten einige von ihnen mit den auslaufenden Frankfurtern aneinander und lieferten sich Wortgefechte.

Auf der Tribüne prügelten sich im Anschluss an die Partie Anhänger des Revierclubs und der Hessen. Erst als die Frankfurt-Fans nach minutenlangen Scharmützeln in ihren Gästeblock zurückkletterten, beruhigte sich die Situation etwas. Auch im Umfeld des Stadions kam es zu Auseinandersetzungen.

Die Rudelbildung auf dem Platz wollte Schalkes später Ausgleichs-Torschütze Sebastian Polter mit etwas Abstand nicht zu hoch hängen. Die Gelsenkirchener hatten sich von den auslaufenden Frankfurtern, die bis an den Strafraum vor der Schalker Fankurve trabten, provoziert gefühlt.

«Wir machen es auswärts auch nicht. Ich finde, man muss ein bisschen Fingerspitzengefühl haben», sagte Polter in den Stadion-Katakomben. Frankfurts Kapitän Sebastian Rode kommentierte die Szene so: «Ich war beim Interview und habe nur gesagt bekommen, dass unsere Spieler nicht hätten bis zum 16er laufen sollen und dass das die Schalker angeblich provoziert hätte - ja, spezielles Volk hier.»

Was die Schalker mit dem sportlichen Ergebnis anfangen sollten, wussten sie zunächst nicht so richtig. Die Emotionen pendelten zwischen Enttäuschung über eine verpasste Sieg-Chance nach früher Führung und Optimismus vor dem großen Saisonfinale. Nicht zuletzt das euphorisch gefeierte Polter-Tor zum 2:2 hielt den Glauben an ein weiteres Jahr Bundesliga aber intakt.

«Wir wissen alle, was auf dem Spiel steht - für den Verein, für die ganze Region. Wir haben am Ende den Schaden begrenzt», sagte Polter. Die Fans unterstützten die Mannschaft nach dem Spiel mit lauter Anfeuerung und eindringlichen Worten vom Vorsänger der Ultras. «Es sind immer besondere Worte, wenn das innere Leben der Fans nochmal zur Mannschaft getragen wird», sagte Polter. «Wir alle sitzen in einem Boot. Genau das hat er uns vermittelt: Dass wir alle nach Leipzig reisen werden und dort gewinnen werden.»

An einen Überraschungs-Coup beim Pokalfinalisten aus Sachsen glaubt auch Trainer Thomas Reis. «Wir wollten unbedingt gewinnen, jetzt fühlt es sich nicht ganz so gut an. Aber ab morgen geht der Blick wieder nach vorne», sagte er bei Sky und ergänzte: «Die Fans sind gigantisch, sie müssen leidensfähig sein. Sie müssen noch einmal leiden in Leipzig. Wir werden versuchen, da etwas zu erreichen, was uns nur ganz wenige zutrauen. Vielleicht wird es auch der Relegationsrang, den würden wir auch mitnehmen.»

Die Schalker könnten davon profitieren, dass der Red-Bull-Club die Qualifikation für die Champions League durch den Überraschungssieg beim FC Bayern bereits perfekt gemacht hat. So könnte Leipzig-Trainer Marco Rose mit Blick auf das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt eine Woche später Stammspieler schonen. Schalke hat allerdings Personalsorgen: Torjäger Simon Terodde und Innenverteidiger Moritz Jenz fehlen gelbgesperrt.