Kasseler Bibliothek zeigt wieder das Hildebrandlied
Nach neun Jahren Bauzeit ist die Murhardsche Bibliothek in Kassel wieder vollständig geöffnet. Welche bedeutenden Handschriften Besucher dort nun wieder sehen können.
Kassel (dpa/lhe) - Nach neun Jahren Bauzeit ist die Murhardsche Bibliothek in Kassel wieder vollständig geöffnet. Erstmals seit über einem Jahrzehnt werden dort wieder Kostbarkeiten wie das Hildebrandlied aus dem 9. Jahrhundert gezeigt. Schatzkammer des Gebäudes ist nach Angaben der Universität Kassel ein moderner Tresorraum. In ihm werden demnach bedeutende mittelalterliche Handschriften und andere kulturelle Zeugnisse von Weltrang präsentiert, die seit 2012 ausgelagert waren.
Darunter sind die Immenhäuser Gutenberg-Bibel, der Willehalm-Kodex aus dem 14. Jahrhundert und das auf zwei Pergamentblättern überlieferte Hildebrandlied. Diese Handschrift gilt den Angaben zufolge als besonderes literarisches Zeugnis und ist die einzige erhaltene schriftliche Überlieferung eines germanischen Heldengedichts in deutscher Sprache.
Teileröffnung im Jahr 2024
Die Murhardsche Bibliothek besteht seit 1905 und gehört zur Universität Kassel. Die Sanierung des Gebäudes begann 2017. Das Land Hessen nennt Gesamtkosten von 17,9 Millionen Euro. Der Neubau und der sanierte Kopfbau waren bereits 2024 teilweise eröffnet worden. Laut Universität umfasst das Haus nun unter anderem einen 210 Quadratmeter großen Tresorraum, ein Magazin, einen Lesesaal und hochmoderne Sicherheitstechnik.
«Die vollständige Wiedereröffnung der Murhardschen Bibliothek ist ein großer Gewinn für die Forschung und für die Öffentlichkeit», erklärte Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD). «Gerade in einer digitalen Welt brauchen wir Bibliotheken als Orte, die verlässliches Wissen vermitteln, Orientierung geben und den Austausch ermöglichen.»