Bildung

Millionenprojekt: Die Sanierung der Langenbergschule in Birkenau ist abgeschlossen

Nach knapp vier Jahren Bauzeit ist aus der Langenbergschule in Birkenau die erste Clusterschule im Kreis Bergstraße geworden. Welchem Konzept die "Vorzeigeschule" nun folgt.

Ein besonderer Anlass stand am Freitag auf dem Stundenplan der Langenbergschule: die Einweihungsfeier als erste Clusterschule im Kreis Bergstraße nach rund vier Jahren Bauzeit. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Ein besonderer Anlass stand am Freitag auf dem Stundenplan der Langenbergschule: die Einweihungsfeier als erste Clusterschule im Kreis Bergstraße nach rund vier Jahren Bauzeit.

Birkenau. „Es ist ein historischer Tag für Birkenau und für den Schulträger Kreis Bergstraße“, sagte Landrat und Schuldezernent Christian Engelhardt am Freitag, als er in der nagelneuen Aula der frisch sanierten Langenbergschule stand. Und das hatte einen guten Grund: An diesem Tag wurde die Schule offiziell als erste Clusterschule im Kreis Bergstraße eingeweiht. „Es ist eine echte Vorzeigeschule. Und die Einweihung ist ein lang ersehntes Ereignis“ – und das für alle an der knapp vierjährigen Sanierung Beteiligten samt Schülern und Lehrkräften.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Gemeinsam mit zahlreichen Weggefährten aus Kreis, Gemeinde, Politik, Eigenbetrieb Schule und Gebäudewirtschaft, Architektenbüro, Gewerken und Schulgemeinschaft wurde das gefeiert, dessen erste Planungen bereits vor 15 Jahren begannen: ein Gebäude, das exemplarisch für den künftigen Bildungsweg steht, der das interdisziplinäre Lernen und das heterogenere Unterrichten fördert.

Stolz auf Birkenauer Standort

Bürgermeister Milan Mapplassary zeigte sich stolz darauf, dass Birkenau der Standort der kreisweit ersten Clusterschule ist. Er erinnerte daran, dass die Gemeinden im Kreis mit ihren Umlagen auch dazu beitragen, dass Bildung gefördert werde. Der Rathauschef bedankte sich nicht nur bei allen an der Sanierung Beteiligten, sondern auch bei den unmittelbaren Anwohnern für ihr Verständnis und wünschte den Schülern, dass sie die neuen Räume nutzen, um ihre Horizonte zu erweitern.

Stellvertretend im Namen der Schüler bedankten sich die Schulsprecherinnen Sofia Linke und Marlene Gehl für die nun neuen Möglichkeiten und ließen die vergangenen vier Jahre aus Schülersicht Revue passieren. Diese waren vor allem von Umzugskartons geprägt. Und ebendiese gestalteten die Schüler der einzelnen Jahrgänge um und präsentierten ihre Gedanken von der „Containerzeit“ bis zu „Good Vibes“ in den neuen Räumen.

Die Feier wurde musikalisch von der Schulband unter der Leitung von Musiklehrer Günther Wahn bereichert, die mit vier Songs für Momente der Rührung und des Beifalls sorgte. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Feier wurde musikalisch von der Schulband unter der Leitung von Musiklehrer Günther Wahn bereichert, die mit vier Songs für Momente der Rührung und des Beifalls sorgte.

Der Schulelternbeiratsvorsitzende Sven Erdmann erläuterte die positiven Rückmeldungen von Schülern und Eltern auf das Lernen in Clustern, unter anderem die Verbesserung der Noten und das Lernen, sich selbst zu organisieren, und bedankte sich bei Lehrern und Schulleitung für die tollen neuen Möglichkeiten.

Schulleiter Arndt Neumann machte deutlich, dass die pädagogische Entwicklung zur Clusterschule mit Abschluss des zweiten Bauabschnitts der Generalsanierung noch nicht fertig sei, aber: „Der Abschluss des zweiten Bauabschnitts ist ein weiterer großer Meilenstein.“

Der stellvertretende Schulleiter Thomas Rech und Schulleiter Arndt Neumann führten die Gäste der Einweihungsfeier durch die fertiggestellten Cluster und Fachräume. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Der stellvertretende Schulleiter Thomas Rech und Schulleiter Arndt Neumann führten die Gäste der Einweihungsfeier durch die fertiggestellten Cluster und Fachräume.

Was versteht man unter einer Clusterschule?

Das Schulgebäude wurde von Grund auf saniert und von einer klassischen Flur- zu einer Clusterschule umgebaut. Während Flurschulen im Allgemeinen als eher unflexibel und nicht transparent gelten, da in einzelnen Räumen gelernt wird, sei die Kooperation der große Unterschied, erklärte Neumann. In einem sogenannten Cluster für jede Jahrgangsstufe werden die Unterrichtsräume, deren Türen stets geöffnet sind, und die gemeinsam aktiv genutzten Aufenthalts- und Lernbereiche zu einer Einheit zusammengefasst, was Vorteile für Schüler und Lehrer biete, da man sich auf die individuelle Förderung konzentrieren könne.

Das Lernen in Clustern fördere zudem die Zusammenarbeit sowohl der Lehrer, die über sogenannte Lehrerstützpunkte pro Cluster verfügen, als auch der Schüler, die sich in Kleingruppen zusammensetzen können.

Bei einem Rundgang stellvertretend durch die Cluster der Jahrgangsstufen sechs und zehn und für die Fachräume durch die Schulküche und einen EDV-Raum mit moderner Ausstattung wurde deutlich, dass sich das Innere des Schulgebäudes komplett geändert hat.

Inwiefern wirkt sich die neue Architektur auf die Pädagogik aus?

Mit der neuen Architektur geht auch eine neue Pädagogik einher, denn die offenen Lernbereiche fördern individualisierte Lernformen. Es wird mehr in Jahrgängen gedacht, als in einzelnen Klassen. „Mit dem Einzug in die Räume nach dem Abschluss des ersten Bauabschnitts im Jahr 2023 ging ein Prozess los, der das Gebäude als wertvollen Ort der Pädagogik nutzen wollte“, sagte Neumann.

Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie

Der Unterricht musste sich also verändern. Dieser Prozess erfordere viel Leidenschaft, Mut und gemeinsame Haltung und dauere weiter an. Die Transformation von einer Flur- zur Clusterschule sei ein großer Kraftakt, sagte Neumann. Möglichkeiten wurden entwickelt und man habe als Schule die „Hausaufgaben gemacht“ – und unter anderem diese abgeschafft, da Bildung hauptsächlich in der Schule stattfinden solle. Das Kollegium werde sich weiter produktiv und „hitzig streiten“, um den besten pädagogischen Weg für die Clusterschule zu finden.

Wie viel Geld wurde in die Sanierung der Schule gesteckt?

Bei der Sanierung der Langenbergschule handelt es sich um ein 29-Millionen-Euro-Projekt. Dieses sei als Teil eines Milliardenprojekts zu sehen, sagte Landrat Engelhardt. So werden in diesem Jahr 100 Millionen Euro in die Schulen des Landkreises investiert.

Laut Wirtschaftsplan seien rund 400 Millionen Euro im Laufe der nächsten Jahre eingeplant. Durch diese Investitionen wolle man die Individualität der Schüler fördern, auf die auch durch eine moderne und digitale Ausstattung eingegangen werden soll. „Und wir bauen gegen den Lehrermangel an“, sagte Engelhardt, indem sich Schule nicht nur als Lern- und Lehrort, sondern auch als Wirtschafts- und Standortfaktor einer Region präsentiere.

Ist die Sanierung der Langenbergschule nun komplett abgeschlossen?

Die Arbeiten des zweiten Bauabschnitts sind beendet. Nun schließt sich die Gestaltung des Schulhofs an. Die notwendigen Rodungsarbeiten sollen laut Landratsamt bis 28. Februar abgeschlossen sein.