Millionenprojekt: Die Sanierung der Langenbergschule in Birkenau ist abgeschlossen
Nach knapp vier Jahren Bauzeit ist aus der Langenbergschule in Birkenau die erste Clusterschule im Kreis Bergstraße geworden. Welchem Konzept die "Vorzeigeschule" nun folgt.
Birkenau. „Es ist ein historischer Tag für Birkenau und für den Schulträger Kreis Bergstraße“, sagte Landrat und Schuldezernent Christian Engelhardt am Freitag, als er in der nagelneuen Aula der frisch sanierten Langenbergschule stand. Und das hatte einen guten Grund: An diesem Tag wurde die Schule offiziell als erste Clusterschule im Kreis Bergstraße eingeweiht. „Es ist eine echte Vorzeigeschule. Und die Einweihung ist ein lang ersehntes Ereignis“ – und das für alle an der knapp vierjährigen Sanierung Beteiligten samt Schülern und Lehrkräften.
Die Generalsanierung der Langenbergschule:
Die grundhafte Sanierung der im Jahr 1973 eingeweihten Langenbergschule Birkenau gilt als Vorzeigeprojekt für die Zukunft der Bergsträßer Schullandschaft: Sie gilt nun als die erste Clusterschule im Kreis Bergstraße. Schulleiter Arndt Neumann und Stellvertreter Thomas Rech, der sich unter anderem bei Angelika Lietz, zuständige Projektleiterin beim Eigenbetrieb Schule und Gebäudewirtschaft, bedankte, blickten auf die Sanierungsjahre zurück.
Bereits im Jahr 2015 begannen die Planungen zum Umbau zur Clusterschule. Im Herbst 2020 starteten schließlich die vorbereitenden Maßnahmen für die grundhafte Sanierung und der Einzug der Schulverwaltung und der Klassen in zwei Übergangsgebäude. In der Zwischenzeit folgte Schulleiter Neumann auf seinen Vorgänger Bernd Brieskorn, den Neumann bei der offiziellen Einweihung als „Planer der ersten Stunde“ bezeichnete. Neumann dankte seinem Stellvertreter Rech für sein Engagement, der die Sanierung federführend begleitet hat.
Die Sanierungsmaßnahmen im ersten Bauabschnitt wurden im Frühjahr 2023 abgeschlossen und die Schüler zogen in die ersten fertiggestellten Cluster. Mit der Fertigstellung des ersten Gebäudes begannen die Arbeiten des zweiten Bauabschnitts, dessen Fertigstellung am Freitag in der neuen Aula bei der offiziellen Übergabe gefeiert wurde. Bereits im Januar 2025 bezogen die Schüler die neuen Cluster. Durch einen Personenaufzug ist zudem die Barrierefreiheit gesichert.
Gemeinsam mit zahlreichen Weggefährten aus Kreis, Gemeinde, Politik, Eigenbetrieb Schule und Gebäudewirtschaft, Architektenbüro, Gewerken und Schulgemeinschaft wurde das gefeiert, dessen erste Planungen bereits vor 15 Jahren begannen: ein Gebäude, das exemplarisch für den künftigen Bildungsweg steht, der das interdisziplinäre Lernen und das heterogenere Unterrichten fördert.
Stolz auf Birkenauer Standort
Bürgermeister Milan Mapplassary zeigte sich stolz darauf, dass Birkenau der Standort der kreisweit ersten Clusterschule ist. Er erinnerte daran, dass die Gemeinden im Kreis mit ihren Umlagen auch dazu beitragen, dass Bildung gefördert werde. Der Rathauschef bedankte sich nicht nur bei allen an der Sanierung Beteiligten, sondern auch bei den unmittelbaren Anwohnern für ihr Verständnis und wünschte den Schülern, dass sie die neuen Räume nutzen, um ihre Horizonte zu erweitern.
Stellvertretend im Namen der Schüler bedankten sich die Schulsprecherinnen Sofia Linke und Marlene Gehl für die nun neuen Möglichkeiten und ließen die vergangenen vier Jahre aus Schülersicht Revue passieren. Diese waren vor allem von Umzugskartons geprägt. Und ebendiese gestalteten die Schüler der einzelnen Jahrgänge um und präsentierten ihre Gedanken von der „Containerzeit“ bis zu „Good Vibes“ in den neuen Räumen.
Der Schulelternbeiratsvorsitzende Sven Erdmann erläuterte die positiven Rückmeldungen von Schülern und Eltern auf das Lernen in Clustern, unter anderem die Verbesserung der Noten und das Lernen, sich selbst zu organisieren, und bedankte sich bei Lehrern und Schulleitung für die tollen neuen Möglichkeiten.
Schulleiter Arndt Neumann machte deutlich, dass die pädagogische Entwicklung zur Clusterschule mit Abschluss des zweiten Bauabschnitts der Generalsanierung noch nicht fertig sei, aber: „Der Abschluss des zweiten Bauabschnitts ist ein weiterer großer Meilenstein.“
Was versteht man unter einer Clusterschule?
Das Schulgebäude wurde von Grund auf saniert und von einer klassischen Flur- zu einer Clusterschule umgebaut. Während Flurschulen im Allgemeinen als eher unflexibel und nicht transparent gelten, da in einzelnen Räumen gelernt wird, sei die Kooperation der große Unterschied, erklärte Neumann. In einem sogenannten Cluster für jede Jahrgangsstufe werden die Unterrichtsräume, deren Türen stets geöffnet sind, und die gemeinsam aktiv genutzten Aufenthalts- und Lernbereiche zu einer Einheit zusammengefasst, was Vorteile für Schüler und Lehrer biete, da man sich auf die individuelle Förderung konzentrieren könne.
Tag der offenen Tür
Einblick in die neue Clusterstruktur der Langenbergschule kann man am Samstag, 8. Februar, beim Tag der offenen Tür erhalten. Von 10 bis 13 Uhr kann man die Schule inklusive der Fachbereiche erkunden.
Das Lernen in Clustern fördere zudem die Zusammenarbeit sowohl der Lehrer, die über sogenannte Lehrerstützpunkte pro Cluster verfügen, als auch der Schüler, die sich in Kleingruppen zusammensetzen können.
Bei einem Rundgang stellvertretend durch die Cluster der Jahrgangsstufen sechs und zehn und für die Fachräume durch die Schulküche und einen EDV-Raum mit moderner Ausstattung wurde deutlich, dass sich das Innere des Schulgebäudes komplett geändert hat.
Inwiefern wirkt sich die neue Architektur auf die Pädagogik aus?
Mit der neuen Architektur geht auch eine neue Pädagogik einher, denn die offenen Lernbereiche fördern individualisierte Lernformen. Es wird mehr in Jahrgängen gedacht, als in einzelnen Klassen. „Mit dem Einzug in die Räume nach dem Abschluss des ersten Bauabschnitts im Jahr 2023 ging ein Prozess los, der das Gebäude als wertvollen Ort der Pädagogik nutzen wollte“, sagte Neumann.
Der Unterricht musste sich also verändern. Dieser Prozess erfordere viel Leidenschaft, Mut und gemeinsame Haltung und dauere weiter an. Die Transformation von einer Flur- zur Clusterschule sei ein großer Kraftakt, sagte Neumann. Möglichkeiten wurden entwickelt und man habe als Schule die „Hausaufgaben gemacht“ – und unter anderem diese abgeschafft, da Bildung hauptsächlich in der Schule stattfinden solle. Das Kollegium werde sich weiter produktiv und „hitzig streiten“, um den besten pädagogischen Weg für die Clusterschule zu finden.
Wie viel Geld wurde in die Sanierung der Schule gesteckt?
Bei der Sanierung der Langenbergschule handelt es sich um ein 29-Millionen-Euro-Projekt. Dieses sei als Teil eines Milliardenprojekts zu sehen, sagte Landrat Engelhardt. So werden in diesem Jahr 100 Millionen Euro in die Schulen des Landkreises investiert.
Laut Wirtschaftsplan seien rund 400 Millionen Euro im Laufe der nächsten Jahre eingeplant. Durch diese Investitionen wolle man die Individualität der Schüler fördern, auf die auch durch eine moderne und digitale Ausstattung eingegangen werden soll. „Und wir bauen gegen den Lehrermangel an“, sagte Engelhardt, indem sich Schule nicht nur als Lern- und Lehrort, sondern auch als Wirtschafts- und Standortfaktor einer Region präsentiere.
Ist die Sanierung der Langenbergschule nun komplett abgeschlossen?
Die Arbeiten des zweiten Bauabschnitts sind beendet. Nun schließt sich die Gestaltung des Schulhofs an. Die notwendigen Rodungsarbeiten sollen laut Landratsamt bis 28. Februar abgeschlossen sein.