Freizeit

Kleiner Grusel-Kick kann Mut und Selbstwert stärken

Ein bisschen Halloween-Grusel bereitet vielen Kindern Vergnügen und kann auch stärken. Eltern sollten dabei im Blick behalten, dass der Spaß nicht in Angst umschlägt, empfiehlt eine Wissenschaftlerin.

Halloween weckt bei vielen Kindern die Lust am Gruseln. (Symbolbild) Foto: Ole Spata/dpa
Halloween weckt bei vielen Kindern die Lust am Gruseln. (Symbolbild)

Gießen (dpa/lhe) - Zu Halloween abends als Hexen, Gespenster oder Vampire verkleidet von Haus zu Haus ziehen und «Süßes oder Saures» fordern - daran haben viele Kinder auch in Hessen Spaß. Wenn sie altersgerecht verlaufen, können solche kleinen Grusel-Kicks den Mut und Selbstwert von Kindern stärken, sagt Naomi Werkmann vom Fachgebiet Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zusammen mit ihrer Kollegin Carolin Röse-Werkmann bietet sie im Rahmen der «Justus' Kinderuni» am 3. November eine Kindervorlesung zur Lust am Gruseln und anderen Gefühlen an.

Noch Grusel-Spaß oder schon Angst?

Ob Gruseln als angenehm empfunden wird, hänge von der Persönlichkeit von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen ab, sagte Werkmann. Während manche Menschen Spaß an Achterbahnfahrten oder Horrorfilmen hätten, sei das anderen viel zu viel. Dann kann aus Grusel Angst werden, und damit ein unangenehmes Gefühl. Auch frühere Erfahrungen und das momentane Sicherheitsgefühl seien entscheidend dafür, ob eine Situation als bedrohlich oder harmlos empfunden werde. Ein unheimlicher Film etwa lasse sich für viele Menschen mit anderen zusammen, in angenehmer Umgebung oder bei Tageslicht leichter anschauen, als etwa nachts alleine in einem abgelegenen Haus im Wald. 

Was bedeutet das speziell für Halloween? 

Die üblichen Rituale zu dem Gruselfest wie an Haustüren klingeln und Süßigkeiten sammeln seien für Kinder in der Regel unbedenklich, sagt Werkmann. Dazu gehöre das Bewusstsein, dass es «sicher» ist, von Haus zu Haus zu gehen, dass Vampire oder Monster nicht echt sind und einem nichts tun. 

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Wie können Eltern unterstützen?

Schwer einschätzbar und überfordernd kann das aber vor allem für jüngere Kinder sein, die Halloween-Feiernden mit Horrormaske begegnen oder heftig erschreckt werden. «Was Kindern sehr hilft, ist: Die Situation sollte vorhersehbar sein und sie nicht in eine Situation zu schubsen, in der sie gar nichts mehr verstehen», sagt Werkmann. Sie rät Eltern auch, ihre Kinder bei Halloween-Touren altersangemessen zu begleiten. Dabei sollten sie aber durchaus auch bedenken, dass kleine Mutproben Kindern auch guttun und sie stolz machen können - ganz abgesehen davon, dass mit den Süßigkeiten auch eine Belohnung winkt. 

Wofür sind Gefühle gut?

Bei der Kindervorlesung am 3.11. wollen die beiden Gießener Wissenschaftlerinnen auch verdeutlichen: Alle tendenziell unangenehmen Gefühle wie Angst, Wut oder Traurigkeit haben wichtige Funktionen und sind erst einmal okay und wichtig. Angst sei eine natürliche Schutzfunktion, die schon den frühen Menschen das Überleben sicherte - sie bewahre davor, sich etwa aus großer Höhe eine Klippe hinunterzustürzen oder verleihe die Energie, vor einer Gefahr davonzulaufen. 

Emotionen wie Wut und Traurigkeit könnten zudem dabei helfen, innere Spannungen abzubauen, belastende Erlebnisse zu verarbeiten, soziale Zugehörigkeit zu stärken und auch positive Verhaltensweisen hervorzurufen, sagte Werkmann. Ein Kind, das traurig ist oder weint beispielsweise, löse bei seinen Eltern den Impuls aus, es in den Arm zu nehmen. 

Zu viel Angst - wie wirkt sich das aus?

Was zu viel ist, ist zu viel - das gilt auch für Gefühle, wie Werkmann deutlich macht. Übersteigt etwa die Angst ein gewisses Level, kann sie zum Problem, zur Angststörung werden - ein Bereich, zu dem die Wissenschaftlerinnen schwerpunktmäßig forschen. Manche Leute hätten so viel Angst vor Spinnen, dass sie ihr Fahrrad nicht mehr aus dem Keller holen können, andere trauen sich nicht, frei zu sprechen, und können deshalb kein Referat in der Schule halten. «Dann steht mir die Angst ganz schön im Weg», sagte Werkmann.

Erwartet werden zu der Kindervorlesung etwa 30 bis 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Referentinnen wollen ihnen mit Filmausschnitten, Spielen und interaktiven Übungen die Welt der Gefühle näherbringen.