Wetter

Klimaexperten warnen vor stärkerem Temperaturanstieg

Das Land muss nicht nur gegen den Klimawandel kämpfen - es muss sich auch für die Folgen wappnen. Wie sehr und wie schnell, das verdeutlicht ein neuer Bericht von Klimaexperten. Demnach ist der Südwesten stärker betroffen als der globale Durchschnitt.

Die Sonne scheint am Himmel. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild
Die Sonne scheint am Himmel.

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Südwesten muss sich nach Einschätzung des Klimasachverständigenrats auf einen deutlich stärkeren Temperaturanstieg als bislang gedacht einstellen. Bis zum Jahr 2040 solle es in Baden-Württemberg um drei Grad Celsius wärmer sein als zu Beginn des Industriezeitalters, berichtete der Südwestrundfunk (SWR) am Dienstag unter Berufung auf das Beratungsgremium mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte unterdessen in Stuttgart an, dass noch vor dem Sommer eine neue Fassung der Anpassungsstrategie des Landes an den Klimawandel vorgelegt werden solle.

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Mit einem Plus von drei Grad habe die grün-schwarze Landesregierung eigentlich erst im Jahr 2100 gerechnet, hieß es in dem Bericht. «Wir wollen mit dieser Analyse niemandem Angst machen, aber wir müssen einfach den Realitäten ins Auge sehen», sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Maike Schmidt, dem SWR. Baden-Württemberg sei vom Klimawandel stärker betroffen als andere Regionen, die Lufttemperatur ändere sich deutlich stärker als im globalen Durchschnitt.

Die Expertin forderte die Landesregierung auf, Maßnahmen zum Vorbeugen gegen Hochwasser und Dürren nun anzupassen. «Wir erwarten durch diese höheren Temperaturen ein deutlich häufigeres Auftreten von Extremereignissen», sagt sie dem Sender. So rechnen die Experten beispielsweise mit längeren Vegetationsperioden in Frühjahr und Herbst, einer eingeschränkten Entwicklung von Schneedecken im Winter und mit deutlich mehr und intensiverer Hitzebelastung im Sommer.

Die Klimasachverständige Schmidt sagte dem SWR weiter: «Wir hatten im Jahr 2022 in Baden-Württemberg eine mittlere Lufttemperatur von 10,6 Grad und damit das wärmste Jahr im Zeitraum der Aufzeichnung von 1881 bis 2022.» Allein in den vergangenen 40 Jahren sei die Temperatur im Südwesten um 1,6 Grad gestiegen.

Doch was genau will das Land nun tun? Der Kampf gegen den Klimawandel könne nur global erfolgreich sein, sagte Ministerpräsident Kretschmann. Man könne schließlich den Klimawandel in Baden-Württemberg nicht nur im Land bekämpfen. «Wir können nicht sagen: "Holla bei uns geht's schneller hoch und wir müssen mehr tun." Das ändert das Problem nicht», sagte der Grüne. «Worauf wir uns einstellen müssen ist die Anpassung an den Klimawandel - und das machen wir.»

Alle Ministerien seien aufgerufen, entsprechende Anpassungen vorzunehmen, sagte der Ministerpräsident. Die Anpassungsstrategie des Landes an den Klimawandel von 2015 werde fortgeschrieben und ein neuer Bericht solle noch vor dem Sommer vorgelegt werden. Dann lasse sich genauer sagen, was die verschiedenen Bereiche der Politik im Detail tun werden. Ein Beispiel für solche Anpassungen sei das Pflanzen klimaresistenter Baumarten in den Wäldern und Städten.

Viele Kommunen machen das bereits und probieren aus, welche Arten gut wachsen und gedeihen. Arten, die bislang beispielsweise eher im Mittelmeerraum heimisch sind und mit dem Klimawandel besser zurechtkommen - etwa die Traubeneiche und die Blumenesche.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Raimund Haser nannte den Bericht «alarmierend». Auch er betonte, die grün-schwarze Landesregierung müsse die Anpassungen an den Klimawandel nun verstärkt angehen, «bevor es zu spät ist», mahnte Haser. «Wir müssen unsere Trinkwasserversorgung durch kommunale Vernetzung und ein zweites Wasserwerk der Bodensee-Wasserversorgung für Dürren wappnen, die Kommunen zur Bewältigung von Starkregenereignissen und Hochwassern rüsten und Waldbränden durch das Anlegen von Waldstrukturen vorbeugen.»

Klimasachverständige Schmidt sagte dem SWR, es brauche mehr Investitionen in Trinkwasserversorgung, aber eben auch in klimaresistente Forst- und Landwirtschaft. «Die wichtigsten Handlungsfelder sind hier Wald und Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Boden, Naturschutz und Biodiversität, Wasserhaushalt, Tourismus, Gesundheit, Stadt und Raumplanung, Energiewirtschaft, aber auch die Wirtschaft generell.» Schmidt betonte außerdem, dass die bisherigen Pläne der Landesregierung bei weitem nicht ausreichten.