Härtetest in Karlsruhe

Kösslers Doppelpack: DFB-Frauen feiern 4:2 gegen Australien

Das Frauen-Nationalteam startet stark gegen die Matildas. Mittelstürmerin Melissa Kössler erlebt ihre Torpremiere, Toptalent Lisa Baum ihr Debüt.

Jubelt nach ihrem zweiten Tor: Melissa Kössler. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Jubelt nach ihrem zweiten Tor: Melissa Kössler.

Karlsruhe (dpa) - Mit wehenden Fahnen feierten die Fans auf den Stehrängen die deutschen Fußballerinnen. Voller Spielfreude und mit viel Schwung ist die DFB-Auswahl in die WM-Saison gestartet. Das Team von Bundestrainer Christian Wück setzte sich im Härtetest gegen Australien mit 4:2 (2:1) durch. Vor 26.352 Zuschauern im fast vollen Karlsruher Wildparkstadion überzeugten die DFB-Frauen über weite Strecken gegen den gewünschten nicht-europäischen Gegner auf dem Weg nach Brasilien 2027. «Man sieht, wie die Mädels brennen, wie sie auch jetzt schon harmonieren, und dass wir unheimlich viel Qualität auf dem Platz und auch auf der Bank haben», sagte Wück.

Dabei empfahl sich Melissa Kössler (25. und 30. Minute) mit ihren ersten beiden Länderspieltoren. Sam Kerr, Kapitänin und Star der Matildas, verkürzte kurz vor dem Pausenpfiff auf 1:2 (45.+2). «Das war ein unheimlicher Lehrmoment für uns, das darf uns nicht passieren», sagte Coach Wück. Wolfsburgs Innenverteidigerin Camilla Küver köpfte kurz vor Schluss zum 3:1 (83.) ein, ehe Australiens Holly McNamara (90.+3) und Sjoeke Nüsken (90.+4) in der Nachspielzeit trafen. 

«Wir können zufrieden sein. Wir haben uns taktisch bisschen was vorgenommen, wollten was ausprobieren und konnten das in großen Teilen gut umsetzen», sagte Doppel-Torschützin Kössler im ZDF. Die in den USA spielende Angreiferin, zuvor bei der TSG Hoffenheim und bei Turbine Potsdam, nutzte ihre Chance als Mittelstürmerin. Wenige Stunden vor Anpfiff hatte sich Wücks Ausfallliste noch verlängert: Die frühere Münchner Torjägerin Lea Schüller (Manchester United) musste wegen eines Infekts passen. 

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Sicherer Auftritt von Torfrau Ena Mahmutovic 

Unter anderem fehlte auch Kapitänin Giulia Gwinn vom FC Bayern nach ihrem Bänderriss. Stammtorhüterin Ann-Katrin Berger vom US-Club Gotham FC verzichtete auf die Duelle mit Australien und Japan am kommenden Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Bremen. Für sie stand wie angekündigt Gwinns Clubkollegin Ena Mahmutovic zwischen den Pfosten. Die 22-Jährige wirkte in ihrem dritten Länderspiel sicher, schoss allerdings einmal eine Gegenspielerin an.

Taktgeberin im Mittelfeld: Elisa Senß (r). Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Taktgeberin im Mittelfeld: Elisa Senß (r).

Für Rechtsverteidigerin Gwinn spielte Carlotta Wamser, die beim englischen Meister Manchester City einen guten Start hingelegt hat. Nach nur 44 Sekunden der erste Schreck für die DFB-Frauen: Kerr leitete eine flache Hereingabe mit der Hacke weiter - Mahmutovic stand jedoch richtig. Kurz darauf hatte das Gastgeber-Team die erste dicke Chance, als Cora Zicai auf Zuspiel von Klara Bühl den Ball weit übers Tor jagte.

Bühl und Zicai hatten zuletzt bei ihren Clubs FC Bayern und VfL Wolfsburg geglänzt. Gegen den WM-Vierten von 2023 machten die beiden Flügelspielerinnen immer wieder Druck. Die deutsche Auswahl gestaltete das Spiel zunehmend überlegen - und ging verdient in Führung: Nach einer Wamser-Flanke köpfte Franziska Kett Richtung langes Eck und Kössler drückte den Ball über die Linie.

Nüsken und Senß dominieren im Mittelfeld

Vor allem im Mittelfeld, wo Sjoeke Nüsken und Elisa Senß bestens harmonierten, dominierte das Wück-Team. Senß bestätigte auch, warum sie sich auf Anhieb bei Real Madrid durchgesetzt hat. 

Reingedrückt: Melissa Kössler erzielte die Führung für das DFB-Team. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Reingedrückt: Melissa Kössler erzielte die Führung für das DFB-Team.

Neben ihren Balleroberungen glänzte sie mit einem Steilpass, den Kössler aufnahm und flach zum 2:0 verwertete. Kerrs Anschlusstreffer per Kopf unmittelbar vor dem Wechsel fiel dann überraschend.

DFB-Elf vergibt klare Chancen

Ihr Debüt gab dann nach der Pause Toptalent Lisa Baum. Die 19-Jährige war im Sommer für die Rekordablöse von 650.000 Euro von RB Leipzig zum FC Arsenal gewechselt. Neben Baum brachte Wück auch die erfahrene Münchnerin Linda Dallmann im Mittelfeld und Marie Müller für Kett. Die deutschen Spielerinnen hatten Mühe, ihre Linie wiederzufinden - und Riesenglück: Clare Wheeler knallte den Ball an die Unterkante der Latte, da wäre Mahmutovic chancenlos gewesen. 

Baum traute sich gleich in einige Dribblings und an Eckbälle, blieb aber ohne große Wirkung. Dicke Chancen zum 3:1 verschenkten dann Nicole Anyomi, Dallmann und Zicai, ehe Küver traf. McNamaras Anschlusstor kam zu spät für Australien, zumal Nüsken direkt antwortete.