Bildung

Kretschmann bedauert schleppenden Ausbau der Ganztagsschule

In 15 Jahren Amtszeit hat ein Ministerpräsident mit vielen Themen zu tun. Nicht alle Plänen können umgesetzt werden. Wo sieht Winfried Kretschmann kurz vor dem Ruhestand Versäumnisse?

Den schleppenden Ausbau der Ganztagsschule hält Kretschmann für ein Versäumnis in seiner 15 Jahre dauernden Amtszeit. (Symboldbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Den schleppenden Ausbau der Ganztagsschule hält Kretschmann für ein Versäumnis in seiner 15 Jahre dauernden Amtszeit. (Symboldbild)

Stuttgart (dpa/lsw) - Dass in Baden-Württemberg noch immer nur wenige Kinder ganztags zur Schule gehen, hält Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Rückblick für ein großes Versäumnis in seiner 15-jährigen Amtszeit. «Bei der Einführung der verbindlichen Ganztagsschule, da waren wir wirklich nicht erfolgreich», sagte Kretschmann der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Es sei eines der großen Versäumnisse, dass man das nicht hinbekommen habe.

Man habe sich vorgenommen, dass 75 Prozent der Kinder in eine Ganztagsschule gehen sollen. «Da sind wir weit davon entfernt», sagte Kretschmann. Nach Angaben des Kultusministeriums gab es im vergangenen Schuljahr in Baden-Württemberg 483 öffentliche Grundschulen, die offizielle Ganztagsschulen waren. Das sind rund 20 Prozent aller öffentlichen Grundschulen im Land. 

Die geringe Nachfrage nach Ganztagsschulen erklärt sich Kretschmann mit Vorbehalten in der Bevölkerung. «Da gab es einfach enorme Widerstände innerhalb der baden-württembergischen Bevölkerung in der ersten Legislaturperiode», sagte Kretschmann.

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Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem neuen Schuljahr

Dass in Zukunft mehr Kinder auf eine Ganztagsschule gehen, hält der scheidende Ministerpräsident auch aus sozialen Gründen für wichtig. «Ich persönlich glaube, die große Lücke zwischen Bildungserfolg und Herkunft kann man anders nicht schließen.» 

Die geringe Zahl an Ganztagsschulen stellt die Politik ab dem kommenden Schuljahr auch wegen eines anderen Grunds vor Probleme. Zum Start des neuen Schuljahres haben alle Erstklässler Anspruch auf eine ganztägige Betreuung in der Schule. Bis 2029 wächst der Anspruch auf, sodass dann alle Grundschüler theoretisch einen Platz bekommen müssen. 

Sind die Schulen keine Ganztagsschulen, müssen die Kommunen entsprechende Angebote schaffen. Einer Berechnung zufolge fehlen in Baden-Württemberg Tausende Plätze. Wie das Institut der Deutschen Wirtschaft jüngst ermittelte, müssen im Südwesten bis 2029 mindestens 22.400 weitere Plätze in der Ganztagsbetreuung eingerichtet werden, um die voraussichtlichen Bedarfe der Eltern zu decken.