Leitungssystem: Wo bleibt das Wasser?
In Hessens Trinkwassernetzen kommt es jährlich zu einem Wasserverlust von über 22 Millionen Kubikmetern. Warum nicht jede Differenz ein echter Verlust ist.
Darmstadt (dpa/lhe) - In Hessens Trinkwassernetze wird deutlich mehr Wasser eingespeist, als bei den Verbrauchern ankommt. Dies hat unterschiedliche Gründe, sie reichen von Leckagen in den Rohren bis zum Feuerwehreinsatz. Im Jahr 2024 betrugen die Rohrnetzverluste hessenweit mehr als 22,8 Millionen Kubikmeter Wasser, wie aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des fraktionslosen Landtagsabgeordneten Maximilian Müger hervorgeht.
Im Regierungsbezirk Darmstadt lag die Differenz zwischen Einspeisung und erfasstem Verbrauch bei rund 14 Millionen Kubikmetern. In Gießen und Kassel fiel sie mit etwa fünf beziehungsweise drei Millionen Kubikmetern geringer aus.
Nicht jede Differenz ist ein echter Verlust
Sebastian Exner, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz, erläuterte, dass die Wasserverlustquote zunächst eine statistische Sammelkategorie sei. Sie beschreibe die Differenz zwischen der Wassermenge, die in ein Netz eingespeist werde, und der Menge, die bei den Abnehmern gemessen oder anderweitig erfasst werde. Eine Rolle bei den Verlusten spielten unter anderem Wasser für Feuerwehreinsätze, Rohrnetzspülungen, Friedhofsbrunnen und der sonstige Eigenbedarf von Kommunen.
Tatsächliche Verluste im Leitungsnetz gebe es dennoch, betonte der Experte. Wasser könne durch Rohrbrüche, undichte Verbindungen oder kleinere Lecks austreten und im Boden versickern. Wie viel Wasser dabei verloren gehe, hänge unter anderem vom Material der Leitungen, der Zahl der Verbindungsstellen und dem Leitungsdruck ab. Auch die Topographie und die Beschaffenheit des Bodens spielten eine Rolle.
Versorger suchen nach Lecks
«Wasserversorger überwachen ihre Netze kontinuierlich. Sie vergleichen die eingespeiste Wassermenge mit den erfassten Entnahmen», beschreibt Exner. Falle die Differenz in einem Netzabschnitt ungewöhnlich groß aus, könne dieser Bereich gezielt untersucht werden. Dafür würden unter anderem Funkwasserzähler und akustische Verfahren eingesetzt. Die Geräusche von austretendem Wasser könnten helfen, eine Leckage einzugrenzen.
Ein Rohrbruch werde dadurch allerdings nicht automatisch sofort erkannt. Zunächst müsse es einen Hinweis oder eine auffällige Differenz geben, sagte Exner. Eine ungewöhnlich hohe Entnahme könne beispielsweise auch durch einen neu befüllten Pool oder eine andere zusätzliche Nutzung verursacht werden. Nicht jede Abweichung weise auf einen Wasserverlust hin.
Sanierungen kosten Geld
Nach Einschätzung von Exner sind die Sanierungsquoten in vielen Kommunen zu niedrig, um die Wasserinfrastruktur dauerhaft zu erhalten. Mehr Investitionen in die Leitungsnetze seien grundsätzlich sinnvoll. Die Wasserversorgung werde allerdings im Wesentlichen über Wasserpreise und Gebühren finanziert. Höhere Investitionen könnten deshalb zu steigenden Kosten für Verbraucher führen.
Wie viel saniert werde, sei daher nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Frage. Es müsse abgewogen werden, welche Kosten den Verbrauchern zugemutet werden könnten und welche Investitionen für eine sichere Versorgung notwendig seien.
Das Umweltministerium verwies unter anderem auf das Programm der Hessenkasse, das Kommunen für Investitionen in die Trinkwasserversorgung nutzen könnten.