Mehr Tourismus, mehr Heimatgefühl? Zusatznamen von Kommunen
Kurort, Heilbad, Brüder-Grimm-Stadt - 66 hessische Kommunen haben bereits einen offiziellen Beinamen. Und es können noch mehr werden. Was halten Innenminister und Steuerzahlerbund davon?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Brüder-Grimm-Stadt Hanau, Kunigundengemeinde Kaufungen, Einhardstadt Seligenstadt: Immer mehr Kommunen in Hessen führen eine Zusatzbezeichnung - für den Tourismus und das Heimatgefühl. Innenminister Roman Poseck (CDU) teilt der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit: «Ein solches Qualitätssiegel tragen aktuell bereits 66 hessische Kommunen.» Insgesamt gibt es landesweit 421 Städten und Gemeinden.
Mit dem erst im Februar 2026 vom Landtag beschlossenen Kommunalen Flexibilisierungsgesetz («KommFlex-Gesetz») weitet Hessen auch die Vergabe von Namenszusätzen aus, die Gemeinden beantragen können, wenn sie die nötigen Voraussetzungen erfüllen. Poseck spricht von «großzügigeren» Regelungen auf Wunsch der Kommunen. «Schon jetzt gibt es weitere Interessenbekundungen», ergänzt der Minister. Er lade ausdrücklich zu weiteren Anträgen von Städten und Gemeinden ein.
Mit einem Namenszusatz bringen Kommunen laut Poseck ihren Markenkern bereits auf den Ortseingangsschildern zum Ausdruck. Das könne sich «positiv auf den Tourismus auswirken». Zugleich stärke dies «die kommunale Identität, schafft Stolz und Heimatverbundenheit bei den Bürgern».
Und was sagt der oft kritische Steuerzahlerbund Hessen zum finanziellen Mehraufwand etwa bei Ortsschildern? «Namenszusätze können – wenn sie klug gewählt sind – Kommunen Chancen für eine stärkere Profilierung und eine positivere Außenwahrnehmung bieten», teilt der Verband der dpa mit. «Wenn Städte und Gemeinden damit einen klaren Plan verbinden und es ihnen in der Folge gelingt, mehr Investitionen, Innovationen und Talente anzuziehen, kann sich der Einsatz von Steuergeld dafür lohnen.»
«Oft ein schmaler Grat zu teuer erkaufter Symbolpolitik»
Meist sei der konkrete Nutzen jedoch schwer zu beziffern. Gleichzeitig ist es laut dem Steuerzahlerbund «oft ein schmaler Grat zu teuer erkaufter Symbolpolitik und fragwürdigen Marketingmaßnahmen. Im Einzelfall kann das dann schnell den Verdacht von falscher Prioritätensetzung und Steuergeldverschwendung erwecken».