Millionensumme für Modellprojekte gegen Wohnungslosigkeit
Von «Housing First» bis zu Hilfen für Ex-Häftlinge: Hessische Projekte sollen Wohnungslosigkeit verhindern sowie Betroffenen helfen. Wie möchte die Landesregierung das erreichen?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Schwarz-Rot will verstärkt gegen Wohnungslosigkeit in Hessen vorgehen. Die Landesregierung möchte nach Angaben von Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) im Wiesbadener Landtag von 2026 bis 2028 erstmals mit insgesamt 6,1 Millionen Euro entsprechende Modellprojekte fördern.
Es geht um Fachstellen zur Wohnraumsicherung, die etwa Vermieter von drohenden Kündigungen bei Mietschulden abzuhalten versuchen, sowie um sofortige Wohnmöglichkeiten («Housing First») mit anschließender weiterer Unterstützung. Auch besondere Angebote für Frauen ohne Dach über dem Kopf oder nach Abschluss eines Aufenthalts in einem Frauenhaus gehören dazu. Ebenso die Unterstützung für Ex-Gefangene, die eine Unterkunft suchen. Erfolgreiche Ansätze sowohl in Ballungsgebieten als auch auf dem Land sollen auf ganz Hessen übertragen werden.
Zehntausende Wohnungslose in Hessen
2025 galten laut dem Sozialministerium hessenweit fast 29.000 Menschen als wohnungslos. Hinzu kamen etwa Obdachlose, die permanent auf der Straße leben, und Menschen, die bei Freunden vorübergehend unterkommen – es gibt hier auch eine Dunkelziffer. Die Ursachen für Wohnungslosigkeit können Ministerin Hofmann zufolge vielfältig sein und beispielsweise von Jobverlust über gescheiterte Partnerschaften bis zu Gewalterfahrungen reichen.
Die Sozialdemokratin betonte, Wohnungs- und Obdachlosigkeit gehöre zu den härtesten Formen sozialer Not und Wohnen sei «die soziale Frage unserer Zeit». Ziel müsse sein, dies möglichst im Vorhinein zu verhindern. Diejenigen, die dennoch ihre Wohnung verlören, brauchten «Hilfe, die erreichbar, wirksam und auf ihre Lebenslage zugeschnitten ist».
Was kritisiert die Opposition?
Mirjam Glanz von der Grünen-Opposition forderte statt immer neuer Modellprojekte eine «echte Landesstrategie, die alle Bereiche der Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit mit- und zusammendenkt».
Der oppositionelle AfD-Parlamentarier Gerhard Bärsch betonte, Hessen brauche «mehr Wohnungen statt mehr Verwaltung: Bauland ausweisen, Vorschriften zurücknehmen, Genehmigungen beschleunigen».
Die Schaffung von mehr Wohnraum forderte auch Yanki Pürsün von der FDP-Opposition, anstatt «den Wohnraummangel mit übertriebener Koordinierung zu beantworten».