Mit dem Spaten für die Zukunft: Neue Bäume braucht der Wald
Wie der Tag des Waldes Menschen motiviert, aktiv zu werden. Und wie ein selbst gepflanzter Baum die Sicht erweitern kann.
Hanau (dpa/lhe) - Glück muss man haben: Der Waldboden ist weich. Susanne und ihrem Sohn Alexander fällt es daher nicht schwer, mit ihren Spaten ein Loch auszuheben. «Ganz wichtig: Es muss groß genug sein, damit die Wurzeln der jungen Haseln Platz haben und gut anwachsen können», erklärt Försterin Sabine Scholl. Aus Anlass des Internationalen Tag des Waldes am 21. März werden im Hanauer Wildpark Fasanerie einige Tage zuvor neue Haseln gesetzt.
«Ich finde die Aktion toll», sagt Susanne (62), eine der freiwilligen Helferinnen und Helfer, die sich zu dem Projekttag in dem Wildpark eingefunden haben. «Es wird viel zu wenig für den Wald gemacht und viel zu viel abgeholzt.» Sie halte es für daher wichtig, einmal etwas Ehrenamtliches für den Wald zu tun.
Der eigene Reihenhaus-Garten ist zu klein für große Bäume
Mit Gartenarbeit kennt sich Susanne aus. «Aber unser Reihenhaus-Garten ist recht schmal, da kann man keine großen Bäume pflanzen. Da setze ich höchsten einmal einen Busch», sagt die Frau aus Erlensee (Main-Kinzig-Kreis).
Auch ihr Sohn sammelt hier neue Erfahrungen.«Das ist meine Premiere. Ich bin top motiviert», sagt Alexander (36). Beide haben sich vorgenommen, in Zukunft immer mal wieder in den Wildpark zu kommen, um nachzusehen, wie sich «ihre» jungen Haseln entwickeln.
«Bäume wichtig für unser Leben»
Ein paar Meter weiter steht Jann (30) aus Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) mit dem Spaten in der Hand und hebt ebenfalls ein Loch aus. «Es ist das erste Mal, dass ich an einer öffentlichen Pflanzaktion teilnehme. Ich bin zufällig bei einer Radtour durch einen Flyer darauf aufmerksam geworden», berichtet er.
Für ihn ist der ehrenamtliche Einsatz auch eine Frage der Zukunft. Bäume seien - gerade auch mit Blick auf den Klimawandel - wichtig für unser Leben. «Auch durch mein Studium erneuerbare Energien und Energiemanagement habe ich einen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit.»
Hasel kommt gut mit Trockenheit und Wärme klar
Der Wald verändere sich wegen des Klimawandels, erklärt Forstexpertin Scholl den freiwilligen Helfern. Wer mit offenen Augen durch den Wildpark gehe, könne sehen, dass die Altbäume, vor allem die Rotbuchen, in den Trockenjahren sehr gelitten hätten.
Die Haseln, die gepflanzt werden, seien zwar streng genommen keine Bäume, sondern Sträucher, erklärt Scholl. Die Strauchschicht, die sie bildeten, sei für einen gesunden Waldaufbau sehr wichtig. Die Hasel habe zudem den Vorteil, dass sie sehr gut mit Trockenheit und Wärme zurechtkomme.
Comic erklärt Kindern, wie es richtig gemacht wird
Besonders lebhaft geht es an einer anderen Stelle des Waldstücks zu: Eine Pfadfindergruppe aus Hanau-Steinheim ist mit gut einem Dutzend Kindern im Alter zwischen sieben und elf Jahren und mehreren Betreuern gekommen, um ebenfalls mitanzupacken. Bevor die Jungen und Mädchen loslegen, hat die Försterin kleine Broschüren an sie verteilt, in denen im Comic-Stil anschaulich erklärt wird, wie man einen Baum pflanzt.
Betreuer Julian achtet darauf, dass seine eifrigen kleinen Helfer die Haselnusstriebe richtig in die Erde stecken. «Wir wollen anlässlich des Tags des Waldes Haseln pflanzen, um unseren Wald angesichts der langanhaltenden Hitzeperioden klimaresistent zu machen», erklärt der 18-Jährige. «Uns Pfadfindern, die gerne so viel Zeit wie möglich draußen verbringen, liegt es ganz besonders am Herzen, dass der Wald geschützt und möglichst klimaresistent wird.»
Der 18-Jährige hat schon erste Pflanzerfahrungen gesammelt. «Ich habe einmal im Garten meiner Eltern eine Kastanie gesetzt - auch das ein relativ klimaresistenter Baum. Auf unserem Pfadfindergelände haben wir schon verschiedene Obstbäume gepflanzt.»
Kleine Pfadfinder merken, dass sie etwas Gutes bewirken können
Die Jüngsten in der Pfadfindertruppe seien mit Begeisterung dabei, berichtet Julian. «Die Kinder freuen sich sehr über diese Aktion. Sie verstehen vielleicht noch nicht die ganzen komplexen Zusammenhänge, aber sie wissen, dass der Klimawandel ein Problem für uns alle ist und dass der Wald die Lunge ist, damit wir atmen können.»
Der Aktionstag sei dafür da, dass der Wald erhalten bleibe, betont der Pfadfinder. Und die Kinder merkten durch ihre Teilnahme, «dass sie etwas Gutes bewirken können».
«Wer selbst Baum gepflanzt hat, entwickelt andere Beziehung»
Derartige Pflanzungen und ähnliche Aktionen rund um den Tag des Waldes sind nach Einschätzung des Landesbetriebs Hessenforst ein praktischer Beitrag zur Wiederbewaldung und zum Aufbau klimaresilienter Mischwälder in Hessen. «Wenn Kinder an Pflanzaktionen teilnehmen, sind sie ein wichtiges Instrument der Bildung für nachhaltige Entwicklung», sagt Sprecher Moritz Frey der Deutschen Presse-Agentur.
«Aber auch Erwachsene erfahren beim Pflanzen unmittelbar, was Waldumbau bedeutet, welchen Herausforderungen unsere Wälder durch den Klimawandel ausgesetzt sind und welche Baumarten die Wälder der Zukunft tragen sollen», betont Frey. Das schaffe Verständnis und Mitverantwortung für den Wald als gemeinsames Gut. «Wer selbst einen Baum gepflanzt hat, entwickelt eine ganz andere Bindung zum Wald und trägt diese Botschaft in sein persönliches Umfeld weiter.»