Kontrolle von Badeseen

Mit Kanu und Sonde: Über die Arbeit einer Badeseen-Prüferin

Leonie Breidenbach hat den Traumberuf gefunden - auch wenn sie mit Schwimmweste in Gummistiefeln arbeiten muss, während andere ihre Freizeit am Badesee genießen. Über die Arbeit als Badeseen-Prüferin.

Der Silbersee im Schwalm-Eder-Kreis ist ein beliebtes Freizeitgelände. Foto: Florian Wiegand/dpa
Der Silbersee im Schwalm-Eder-Kreis ist ein beliebtes Freizeitgelände.

Frielendorf (dpa/lhe) - Am Silbersee im nordhessischen Frielendorf herrscht an einem warmen Sommertag reger Betrieb. Schwimmer ziehen mit bunten Bojen ihre Bahnen, Ausflügler kurven auf Booten über das Gewässer. Mitten auf dem See ist der Arbeitsplatz von Leonie Breidenbach. Die Ökotoxikologin vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) nimmt vom Kanu aus Proben, begleitet wird sie von ihrem Kollegen Jona Schulze. 

Die beiden schauen unter anderem nach dem Nährstoffgehalt und der Sauerstoffkonzentration im See - den sogenannten chemisch-physikalischen Werten. Hygienisch relevante Parameter wie etwa eine mögliche Verunreinigung mit Darmbakterien werden von den Gesundheitsämtern erfasst und kontrolliert.

Auf einem See sind die Wasserkontrolleure vom HLNUG im Sommer teils der Sonne und Hitze ausgesetzt. Foto: Florian Wiegand/dpa
Auf einem See sind die Wasserkontrolleure vom HLNUG im Sommer teils der Sonne und Hitze ausgesetzt.

Labor untersucht Wasserproben

Gut geschützt mit Sonnenkappe und Schwimmweste paddeln die HLNUG-Mitarbeiter über das Gewässer. Die Probenentnahme läuft nach einem festen Muster: Zunächst wird die Sichttiefe bestimmt, dann lassen sie eine Sonde ins Wasser und messen im Abstand von einem Meter bis vor den Grund mehrere Werte. Die Experten schauen unter anderem, wie sauer oder basisch ein Gewässer ist und nach dem Sauerstoffgehalt. 

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Vor allem der Sauerstoffgehalt ist wichtig für Fische und andere Lebewesen im See. Anschließend werden aus bestimmten Tiefen mit einem Schöpfer Wasserproben genommen, in Fläschchen gefüllt und für das Labor beschriftet. Bei diesen Proben geht es etwa um den Nährstoffgehalt im Wasser. Für ihre Arbeit haben die beiden etliche Gerätschaften mit an Bord, in dem schmalen Kanu hat alles seinen Platz.

Die Proben werden im Labor weiter untersucht und ausgewertet. Foto: Florian Wiegand/dpa
Die Proben werden im Labor weiter untersucht und ausgewertet.

Neugierige Badegäste

Dass sie arbeiten muss, während andere um sie herum Urlaub oder Freizeit genießen, ist für Breidenbach kein Problem. «Ich würde dies nie gegen einen anderen Job eintauschen wollen», sagt sie. «Es ist super abwechslungsreich.» Besonders reize sie an der Aufgabe, dass man viel draußen unterwegs ist, betont sie. 

Manchmal dauere ein Termin länger als gedacht, weil sie von Badegästen angesprochen und befragt werde. Sie freue sich, wenn sich Menschen für ihre Arbeit interessierten, sagt Breidenbach. Sie verteile dann Postkarten mit der Internet-Adresse des HLNUG, wo die Menschen viele interessante Informationen nachlesen könnten - nicht nur über Badeseen. 

«Ich würde dies nie gegen einen anderen Job eintauschen wollen», sagt Breidenbach. Foto: Florian Wiegand/dpa
«Ich würde dies nie gegen einen anderen Job eintauschen wollen», sagt Breidenbach.

Kein Schatten auf dem See

Allerdings ist es im Boot nicht immer so angenehm, wie an diesem Sommertag im Juli. Große Hitze könne eine Herausforderung sein, da es auf den Wasserflächen keinen Schatten gebe, erzählt Breidenbach. Auch das Ein- und Ausladen von Kanu und Geräten sei dann deutlich anstrengender. Einmal zog während der Probennahme ein Gewitter auf. «Wir waren auf dem See und der Himmel wurde schwärzer und schwärzer», berichtet sie. Es sei aber alles gut gegangen. 

Die ersten Proben werden im März genommen, da kann es noch empfindlich kalt sein. «Auf der Diemeltalsperre waren meine Hände mal so eingefroren, dass ich kaum die Karabinerhaken meiner Ausrüstung aufmachen konnte», berichtet Breidenbach. Für solche Fahrten müsse sie auch aus Arbeitsschutzgründen in einen etwas unförmigen Trocken-Tauchanzug schlüpfen. 

Für ihre Messungen benötigen die Experten zahlreiche Gerätschaften. Foto: Florian Wiegand/dpa
Für ihre Messungen benötigen die Experten zahlreiche Gerätschaften.

Rutschige Ufer und schwere Ausrüstung

Bislang sei sie noch nicht ins Wasser gefallen, sagt Breidenbach lachend. Allerdings ist das Ein- und Aussteigen an den teils glitschigen See-Ufern nicht immer ganz einfach. Auch an heißen Sommertagen tragen die Probennehmer ihre Dienstgummistiefel.

Das HLNUG prüft jedes Jahr zwischen 15 und 20 Seen und nicht nur Badeseen. Dabei geht es auch um eine Einschätzung, ob das Gewässer möglicherweise mit Cyanobakterien belastet sein könnte. Diese werden auch Blaualgen genannt und können beim Menschen unter anderem Übelkeit und Erbrechen auslösen, wie der Gewässer-Experte Winfried Staudt vom HLNUG erklärt. Je nährstoffreicher ein See sei, umso höher sei die Tendenz, dass Cyanobakterien während der Badesaison auftreten können.

Sichttiefe ist für mögliche Rettungsaktion wichtiges Kriterium

Nach den Worten von Staudt ist jedoch die deutlich größere Gefahr, dass Menschen in Badeseen ertrinken. Zu den wichtigen Sicherheitskriterien zähle daher die Sichttiefe. Eine goldene Regel lautet: Wer bis zur Hüfte im Wasser steht und seine Füße nicht mehr sehen kann, sollte nicht baden gehen. Bei einem Notfall werde das Opfer nicht gut gesehen und könne deshalb nur schwer gerettet werden, warnt Staudt.

Der Experte koordiniert seit mehr als 17 Jahren die Zusammenarbeit zwischen HLNUG und anderen Behörden. Von den 61 bei der EU gemeldeten Badeseen in Hessen hätten fast alle eine ausgezeichnete Qualität, die übrigen eine gute Qualität, sagt Staudt. Da sei für jeden Badegast etwas Passendes dabei - von einem kleinen Gewässer im Wald bis zum großen See mit Infrastruktur am Ufer.