Zoojubiläum

Opel-Zoo wird 70: Geburten, Todesfälle und Millionenprojekte

Der einst von Georg von Opel gegründete Zoo entwickelt sich stetig weiter. Warum Panzernashörner jetzt für Gesprächsstoff sorgen und Flusspferde zu viel Mist machen.

Der Opel-Zoo wird im Jahr 2026 70 Jahre alt. Foto: Jennifer Brückner/dpa
Der Opel-Zoo wird im Jahr 2026 70 Jahre alt.

Kronberg (dpa/lhe) - Seit 70 Jahren ist der Opel-Zoo nicht nur ein Publikumsmagnet, sondern auch immer wieder für Schlagzeilen gut: Geburten und Todesfälle von Elefanten, Giraffen & Co. werden gemeldet, auch die Millionen-Investitionen in die weitläufige Anlage in Kronberg im Hochtaunuskreis sind gesprächswertig. «Man muss sich immer weiterentwickeln», erklärt der langjährige Direktor Thomas Kauffels anlässlich des Jubiläums, das an diesem Wochenende (11.-13. September) gefeiert wird.

Gegründet worden war der Zoo einst von Georg von Opel, Enkel des Opel-Werk-Gründers Adam Opel. Er legte damals direkt an seiner Villa in Kronberg einen Tierpark an, in dem unter anderem eine Elefantendame namens Opeline einzog. 1957 ließ er das erste Elefantenhaus bauen. Im Jahr 1971 starb der Zoogründer im Alter von nur 59 Jahren. 

Kein Geld vom Staat

Heute leben in dem Zoo rund 2.000 Tiere aus über 220 Tierarten, von Affen und Antilopen über Kamele, Kängurus und Kormorane bis hin zu Zebras und Zwergmangusten. Laut Kauffels ist er der einzige deutsche Zoo, der keine öffentlichen Zuschüsse erhält. Er finanziere sich ausschließlich durch Eintrittsgelder, Spenden und Erbschaften. 

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Als Kauffels im Juli 1998 seinen Job als Zoo-Direktor in Kronberg antrat, bestand für die charakteristischen Tiere des Zoos, den Elefanten, Giraffen und Flusspferden, nur noch Bestandsschutz. «Die Anlagen entsprachen nicht mehr den Anforderungen. Wenn ein Tier starb, durfte man es nicht ersetzen», erklärt der 67-Jährige. 

Riesenbaby

Seitdem hat sich viel getan. Zu den Meilensteinen in der Ära Kauffels gehören die Eröffnung der «Afrika Savanne» vor 20 Jahren, eine rund 10.000 Quadratmeter große Anlage, in der Netzgiraffen, Böhmzebras, Streifgnus und Impalas leben. Dort kam dieses Jahr unter anderem die Netzgiraffe Mumbi zur Welt. Sie war schon kurz nach ihrer Geburt stolze 1,73 Meter groß, ausgewachsen kann eine Giraffe laut Angaben des Zoos bis zu 5,80 Meter hoch werden. Sie sind damit die größten Landtiere und besetzen noch weitere Superlative: Kein anderes Säugetier hat so große Augen und einen so langen Hals wie Giraffen. 

Mit ihrer Größe überragen sie sogar die Bewohner des im Jahr 2013 eröffneten neuen Elefantengeheges, das laut Kauffels 13,7 Millionen Euro kostete. Diese Dickhäuter, die zu den Publikumslieblingen gehören, können rund vier Meter groß werden. Beeindruckend ist auch ihr Gewicht: Bis zu 7.000 Kilogramm kann ein Elefant wiegen. So brachte Elefantenbaby Kaja bereits fast 100 Kilogramm auf die Waage, als sie Ende 2025 auf die Welt kam. Es war der erste Elefantennachwuchs in Hessen seit 1968. Ihr zu Ehren legte der Zoo sogar eine Sonderbriefmarke und Postkarten auf. 

Tod von Tana

Flusspferde leben dagegen schon lange nicht mehr in dem Zoo - und werden auch nicht mehr einziehen. 2014 starb Tana im stolzen Alter von 54 Jahren als das wahrscheinlich älteste Flusspferd in Europa. Ihr Gefährte Max zog im Folgejahr in den Zoo Hannover und wurde dort Vater. «Jedes Flusspferd produziert im Wasser täglich zwischen 70 und 80 Kilogramm Kot», erklärt der Zoodirektor, warum keine Anlage für Flusspferde gebaut wird. Bei den benötigten vier Flusspferden kämen täglich rund 300 Kilogramm Kot zusammen, der aus dem Wasser entfernt werden müsste. 

Stattdessen werden Panzernashörner aus Indien einziehen, der Bau ihres Freigeheges ist bereits gestartet. Es wird ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Zoos werden, in dem sich letztes Jahr über einen Besucherrekord von fast 650.000 Menschen gefreut wurde. Für die Nashörner und weitere asiatische Tierarten sollen 18.000 Quadratmeter des Zoogeländes entsprechend umgebaut werden, geplante Kosten: knapp 21 Millionen Euro. Wenn alles gut läuft, können die Panzernashörner und ihre neuen Gefährten im Frühjahr 2028 einziehen. 

Kauffels geht

Zoodirektor Kauffels, der generell lieber große als kleine Tiere mag, ist ein Fan von Nashörnern. Doch wenn diese in den Opel-Zoo einziehen, wird er sich bereits in den Ruhestand verabschiedet haben, am 31. Juli 2027 ist sein letzter Arbeitstag. Wer sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird, steht bisher nicht fest, wie der 67-Jährige sagt. Er hat sein ganzes berufliches Leben im Zoo verbracht. Im Juli 1977 begann er im Zoo Krefeld eine Ausbildung zum Beruf des Tierpflegers, dann studierte er Biologie und arbeitete zunächst im Zoo in Wuppertal, bevor er in den Hochtaunuskreis wechselte. 

«Im Kronberger Zoo hatten die Tiere von Anfang an mehr Platz und ihre Gehege waren moderner als in anderen Zoos», blickt Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung in Laubach auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Generell wäre die Gesellschaft ohne Zoos ärmer, sagt er, sie dienten zudem der Arterhaltung von Tierarten, die es nur noch selten gebe. Außerdem würden Auswilderungsprojekte unterstützt. 

Wichtig sei es für die Zoos, auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen. Zwar habe sich deren Situation in den vergangenen Jahrzehnten verbessert: «Doch es ist noch längst nicht gut.» Eine artgerechtere Haltung in weitläufigen Anlagen und Versteckmöglichkeiten habe jedoch auch Konsequenzen für die Besucher: Sie könnten die Tiere unter Umständen nur vor weitem oder auch mal gar nicht sehen.