Arbeitsmarkt

Personalnot: Landtag öffnet Kitas für mehr Quereinsteiger

Jacken und Rucksäcke hängen in einer Kita im Flur. Foto: Caroline Seidel/dpa/Symbolbild
Jacken und Rucksäcke hängen in einer Kita im Flur.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Angesichts vieler fehlender Erzieherinnen und Erzieher hat Schwarz-Grün in Hessen die Kindergärten für Quereinsteiger weiter geöffnet. Künftig können dort bis zu einem Viertel der Fachkräfte aus anderen Berufsgruppen kommen, etwa Logopäden und Logopädinnen, Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen sowie Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen. Eine entsprechende Gesetzesänderung verabschiedete der Wiesbadener Landtag am Donnerstagabend mit den Stimmen der schwarz-grünen Mehrheit.

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Laut der SPD-Parlamentarierin Lisa Gnadl fehlen in Hessen rund 27.000 Kita-Plätze. Zahlreiche Redner betonten den eklatanten Personalmangel in Kindergärten. Claudia Ravensburg (CDU) sagte, Fachkräfte wie etwa Logopäden hätten oft schon Erfahrungen mit Kindergartenkindern. Quereinsteiger könnten den Alltag in Kitas bereichern.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) kündigte rund zweieinhalb Monate vor der hessischen Landtagswahl am 8. Oktober eine enge Begleitung der Neuregelung an: «Wir werden noch in diesem Jahr ein neues Landesprogramm "Starke Teams, starke Kitas" mit einem Mittelvolumen von rund 100 Millionen Euro auflegen.» Damit würden die Arbeit der «multiprofessionellen Teams» gefördert und die Erzieher entlastet. Klose ergänzte: «Die pädagogische Verantwortung in der Kindergruppe verbleibt bei den einschlägig qualifizierten Fachkräften.»

FDP-Fraktionschef René Rock kritisierte, die Neuregelung könne Kommunen dazu verleiten, lieber mehr fachfremdes Personal in Kitas einzusetzen, weil Quereinsteiger schlechter verdienten.

Das neue Bündnis für Frühe Bildung Hessen, bestehend aus Gewerkschaften, Kita-Fachkräfte-Verband-Hessen und politischen Parteien, sprach von Etikettenschwindel: «Auf dem Papier werden aktuell freie Stellen besetzt, allerdings mit fachfremdem oder sogar ungelerntem Personal.» Die Befürworter der Neuregelung hätten nicht in den Fokus gerückt, dass diese auch «jeder anderen Berufsgruppe, Studienabbrechern jeglicher Fachrichtung oder gar ungelerntem Personal den Zugang als Fachkraft in Kindertagesstätten» ermögliche.