Politologe meint: Özdemir Idealkandidat, Hagel «zu blass»
Personen statt Parteien prägen immer öfter die Wahlkämpfe. Ein Politikwissenschaftler benennt Gründe für die Aufholjagd der Grünen kurz vor dem Urnengang im Südwesten.
Stuttgart (dpa) - Der Politologe Joachim Behnke sieht in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Spitzenkandidaten einen Hauptgrund für das Zulegen der Grünen in Umfragen kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. «Özdemir ist der ideale Kandidat der Grünen, weil er wie Kretschmann ist. Er kann wirklich als der legitime Erbe von Kretschmann auftreten, was für Wähler wichtig ist, die keine typischen Grünen-Wähler sind», sagte der Politikwissenschaftler an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen in einem Interview der «Schwäbischen Zeitung».
Politologe: Özdemir hat Amtsinhaberbonus geerbt
Überraschend sei, wie stark Özdemir den Amtsinhaberbonus von Ministerpräsident Winfried Kretschmann geerbt habe. Die CDU hingegen habe vor allem auf das Thema Wirtschaft gesetzt. «Sie hat es aber nicht geschafft, Manuel Hagel als Person stärker zu vermarkten. Er ist zu blass geblieben. Wir wissen, dass ein Großteil der Bevölkerung ihn gar nicht kennt», stellte Behnke fest und betonte zugleich, dass die Ausgangsposition des CDU-Fraktionsvorsitzenden schwierig gewesen sei: «Insofern glaube ich, haben sie schon das Wesentliche rausgeholt.»
Bei der Wahl am Sonntag wird über die Nachfolge von Ministerpräsident Kretschmann entschieden, der nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt. Für die Grünen geht der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir ins Rennen, für die CDU will Landes- und Fraktionschef Hagel neuer Ministerpräsident werden. Die letzte Umfrage sah beide Parteien mit 28 Prozent gleichauf.