Neonazi-Gruppen

Polizeiaktion gegen mutmaßliche Neonazis auch in Frankfurt

Junge Neonazis im Fokus: Die Polizei durchsucht Objekte in mehreren Bundesländern, darunter auch Hessen. Es geht um Bildung oder Mitgliedschaft in kriminellen Vereinigungen.

Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland gab es Durchsuchungen. (Archivbild) Foto: Christoph Soeder/dpa
Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland gab es Durchsuchungen. (Archivbild)

Berlin/Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Bei einer bundesweiten Durchsuchungsaktion gegen mutmaßliche Rechtsextremisten sind die Ermittler auch in Hessen gegen einen oder mehrere Verdächtige vorgegangen. Insgesamt durchsuchten rund 600 Beamte 50 Wohnungen oder andere Gebäude in 12 Bundesländern, darunter in Hessen in Frankfurt.

36 Verdächtigen wird die Bildung oder Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in den rechtsextremistischen Gruppierungen «Jung und Stark» sowie «Deutsche Jugend voran» vorgeworfen, wie die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Es habe keine Festnahmen gegeben. Die beiden Gruppierungen bestünden seit Mitte 2024.

Die Beschuldigten werden verdächtigt, herausgehobene Mitglieder der beiden Gruppierungen zu sein, wie es in einer Mitteilung der Behörde heißt. Den meisten Beschuldigten werde Rädelsführerschaft zur Last gelegt. Gegen acht Beschuldigte werde auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Der jüngste Beschuldigte soll 16 Jahre alt sein. 

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Gewalttaten gegen politische Gegner

Die Gruppen seien bundesweit organisiert und hätten in den Ländern Regionalgruppen. «Deutsche Jugend voran» trete bisweilen unter dem Namen «Neue Deutsche Welle» auf. Die Mitglieder vernetzten sich sowohl über soziale Medien als auch bei regelmäßigen Treffen. Dabei werde zu Gewalttaten gegen politische Gegner sowie gegen vermeintlich Pädophile aufgerufen.

«Einige Beschuldigte sollen dementsprechend Angehörige der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und trugen nicht unerhebliche Verletzungen davon», hieß es.

Angriffe auf Paraden zum CSD

So gab es in den vergangenen Jahren etwa Störungen und Angriffe auf Paraden am Christopher Street Day, der den Rechten lesbischer, schwuler und anderer queerer Menschen gewidmet ist. 

Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärte Mitte 2025: «Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben.» Diese träten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung.

Die größte dieser Gruppen war damals nach Angaben aus Sicherheitskreisen «Jung und Stark» mit einer Anhängerzahl im mittleren dreistelligen Bereich. Die Anhängerzahl von «Deutsche Jugend Voran» wurde damals auf mehr als Hundert geschätzt.

Weitere relevante Vereinigungen seien «Der Störtrupp» sowie die Gruppe «Letzte Verteidigungswelle». Mutmaßliche Angehörige der «Letzten Verteidigungswelle» stehen derzeit in Hamburg wegen mehrerer Gewalttaten vor Gericht.