Handel mit Fake-Firma

Polizist aus Fellbach in Mafia-Prozess freigesprochen

Als Teil eines Mafia-Netzwerks, das Wirte erpresste, ist ein Mann in Stuttgart verurteilt worden. Sein Freund, ein Polizist, soll ihm geholfen haben. Warum er dennoch freigesprochen wird.

Die Anklage hatte dem Polizisten eine Verletzung des Dienstgeheimnisses vorgeworfen. (Archivbild) Foto: Katharina Kausche/dpa
Die Anklage hatte dem Polizisten eine Verletzung des Dienstgeheimnisses vorgeworfen. (Archivbild)

Stuttgart (dpa) - Im Prozess um Mafia-Vorwürfe vor dem Stuttgarter Landgericht ist ein Polizist aus Fellbach wegen einer möglichen psychischen Erkrankung zum Zeitpunkt der Tat freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, einem befreundeten Italiener Geheimnisse aus einem Polizeicomputer verraten zu haben. Dieser ebenfalls angeklagte Freund wurde unter anderem wegen Bandenbetrugs und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Er hatte mitgeholfen, italienische Firmen zu betrügen. 

Tarnfirma für Lebensmittelbetrug

Die Männer standen im Mittelpunkt eines Verfahrens, das sich um mutmaßliche Aktivitäten der italienischen Mafia im Raum Stuttgart dreht. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Italiener vorgeworfen, Kontakt zu einer sogenannten Basiseinheit der ’Ndrangheta gehabt zu haben. Zum innersten Zirkel der Mafia gehört er laut Gericht aber nicht. Die kalabrische Mafia-Gruppe gilt als eine der mächtigsten Verbrecherorganisationen der Welt.

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Impressum

Nach den Ermittlungen gründeten Mitglieder der Organisation 2019 in Fellbach ein Unternehmen zum Vertrieb von Lebensmitteln – ein klassisches Mafia-Geschäftsmodell. Unter der Tarnung eines seriösen Lebensmittelhandels sollen sie über einen Strohmann große Mengen Waren wie Olivenöl bestellt, jedoch nie bezahlt haben. Stattdessen sollen Restaurantbetreiber unter Druck gesetzt worden sein, die überteuerten Produkte abzunehmen.

Polizist hatte Dienstgeheimnisse verraten 

Der freigesprochene Polizist hatte vor fünf Jahren in polizeilichen Datenbanken nach Informationen gesucht und sie an seinen italienischen Freund weitergegeben. Dabei ging es um ein Autokennzeichen und Personendaten. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Informationen bei einem mutmaßlichen Erpressungsversuch gegen ein italienisches Restaurant eine Rolle spielten.