Nach Razzia

Polizist im ersten Mafia-Verfahren freigesprochen

Ein Stuttgarter Polizist bestellt einen Überfall bei der 'Ndrangheta – und wird freigesprochen. Wie das Gericht seine Entscheidung begründet und was dem Mann als Nächstes droht.

Der Polizist aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) war wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag an seinem Vorgesetzten vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt gewesen. Foto: Katharina Kausche/dpa
Der Polizist aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) war wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag an seinem Vorgesetzten vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt gewesen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Im ersten von mehreren laufenden Prozessen gegen mutmaßliche Mitglieder oder Unterstützer der italienischen Mafia ist ein Polizist in Stuttgart freigesprochen worden. Er hatte bei einem Freund und Unterstützer der kalabrischen Mafia unter anderem um eine «Abreibung» für seinen verhassten Chef gebeten - das hatten mitgeschnittene Telefonate bewiesen. 

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Der Polizist aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis), gegen den auch in einem weiteren Prozess verhandelt wird, war wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag an seinem Vorgesetzten vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt. Allerdings kamen Zweifel auf, ob der Mann zum Zeitpunkt des Gesprächs mit seinem italienischen Freund im Jahr 2022 tatsächlich erwartet hatte, dass dieser zur Tat schreiten und einen Killer anheuern würde. 

Auch Schuldunfähigkeit diskutiert

Es habe an «subjektivem Tatbestand» gefehlt, teilte das Gericht mit. Davon sprechen Juristen, wenn ein Angeklagter nicht absichtlich oder wissentlich gehandelt hat. In solchen Fällen gibt es meist einen Freispruch, da Schuld nicht nur an der Tat, sondern auch am Vorsatz hängt.

Verteidiger und Staatsanwaltschaft hatten zuvor auch einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit für möglich gehalten. Denn nach Überzeugung eines psychiatrischen Gutachters hatte sich der Polizist zum Zeitpunkt des Telefonats in einer manischen Phase befunden. 

Polizist steht zweimal vor Gericht

In einem weiteren Prozess wird dem Mann vorgeworfen, die 'Ndrangheta unterstützt zu haben. Er soll in Polizeisystemen zweimal interne Informationen abgerufen haben - und diese an seinen italienischen Freund weitergegeben haben. Nach Angaben seines Anwalts will sich der Mann in den kommenden Wochen zur Sache äußern.

'Ndrangheta: Weltweit aktiv – und tief in Baden-Württemberg

Die 'Ndrangheta ist eine der mächtigsten italienischen Verbrecherbanden – gefährlicher als Cosa Nostra oder Camorra. Sie dominiert den europäischen Kokainmarkt, ihr Spektrum reicht aber auch von Betrug bis zu Waffendelikten und Geldwäsche. Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) schätzt rund 170 Aktive – und geht von einer hohen Dunkelziffer aus.