Zwei Taten an einem Tag

Prozess um tödliche Messerangriffe in Kassel gestartet

Vor dem Landgericht Kassel müssen sich ein Mann und eine Frau wegen zweifachen Mordes verantworten. Die Angeklagte bestreitet, an den tödlichen Messerangriffen beteiligt gewesen zu sein.

Ein Paar soll für zwei brutale Morde innerhalb weniger Stunden verantwortlich sein. (Archivbild) Foto: Swen Pförtner/dpa
Ein Paar soll für zwei brutale Morde innerhalb weniger Stunden verantwortlich sein. (Archivbild)

Kassel (dpa/lhe) - Weil sie innerhalb weniger Stunden zwei Menschen erstochen haben sollen, stehen ein 38 Jahre alter Mann und eine 29 Jahre alte Frau seit heute vor dem Landgericht Kassel. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden unter anderem zweifachen gemeinschaftlichen Mord und schweren Raub vor. Als Motiv vermutet sie Streit um Drogen und Bargeld. Die Angeklagte räumte zum Prozessauftakt ein, bei den Taten dabei gewesen zu sein. Sie sei an den Morden aber nicht beteiligt gewesen. 

Erstem Opfer Kehle durchtrennt

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, ihre Opfer gemeinschaftlich aus Habgier und sonstigen niedrigen Beweggründen heimtückisch getötet zu haben. In der Nacht zum 20. März 2025 habe das Paar nachts den besten Freund des Angeklagten aufgesucht und um Drogen und Bargeld gebeten. Als der 44-Jährige ablehnte, soll der Angeklagte auf ihn auf offener Straße etliche Male mit einem Küchenmesser eingestochen haben, das er bei sich trug. Das Paar habe so an die Jacke des Opfers gelangen wollen, in der Hoffnung, dort Bargeld oder Drogen zu finden.

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Laut Staatsanwaltschaft erlitt der Mann unter anderem 20 Messerstiche. Zudem sei ihm die Kehle durchtrennt worden. Der 44-Jährige sei innerlich und äußerlich verblutet.

In den frühen Morgenstunden sollen die Angeklagten zur Wohnung des Getöteten gegangen sein. Dessen Lebensgefährtin habe den beiden die Tür geöffnet, so die Staatsanwaltschaft. Die Frau habe zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Tat gewusst. Ihr soll das Paar in einem unbeobachteten Moment das Portemonnaie mit Bargeld gestohlen haben.

Zweites Opfer einige Stunden später getötet

Einige Stunden später soll das Paar laut Staatsanwaltschaft dann das zweite Opfer aufgesucht haben, um von ihm Drogen zu bekommen. Als auch der 51 Jahre alte Bekannte der beiden das ablehnte, sollen sie ihn in seiner Wohnung gemeinsam mit einem dort liegenden Taschenmesser und dem mitgeführten Küchenmesser mit 30 Messerstichen getötet haben. Auch der 51-Jährige verblutete demnach innerlich und äußerlich. Nach der Tat soll das Paar die Wohnung des Opfers nach Drogen durchsucht haben. 

Die Angeklagte bestritt, an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Die 29-Jährige ließ ihre Verteidigerin eine Erklärung verlesen, in der sie die Beziehung zu dem Angeklagten als von Gewalt und Missbrauch geprägt beschrieb. 

Der 38-Jährige habe ständig Drogen konsumiert, sie nicht. Er habe sie unter anderem geschlagen, vergewaltigt und immer wieder mit dem Tode bedroht. Er sei paranoid gewesen, habe alle verdächtigt, Informanten der Polizei zu sein und ihn vergiften zu wollen - auch sie selbst und die beiden Opfer. Der 38-Jährige habe deshalb eine Todesliste geführt, auf der unter anderem die Namen der Opfer und ihr eigener Name gestanden habe. 

Angeklagte: «Bin nicht die Täterin»

Bei beiden Tötungen sei sie mit dem Angeklagten nur mitgefahren, weil sie faktisch sein Eigentum gewesen sei, das immer mitgehen musste. Andernfalls wäre sie getötet oder mindestens schwer verletzt worden. Der Angeklagte habe sie unter Kontrolle gehabt, habe ihr am Tattag permanent mit ihrer Tötung gedroht, wenn sie nicht mache, was er wollte. 

Sie habe den 38-Jährigen nicht in seinem Vorhaben bestärkt, seine Freunde zu töten. Sie selbst habe die Opfer nicht eingeschüchtert, bedroht oder angegriffen. «Es tut mir leid, was geschehen ist. Aber ich bin nicht die Täterin. Ich stand selbst auf der Todesliste», verlas ihre Verteidigerin die Worte der 29-jährigen Russin, die währenddessen unablässig weinte und zitterte. Sie bitte den Angeklagten, jetzt endlich die Wahrheit zu sagen.

Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht

Der Angeklagte selbst äußerte sich zunächst nicht. Seine Verteidiger behielten sich eine Erklärung vor. Der 38 Jahre alte Mann mit deutscher und kasachischer Staatsangehörigkeit saß flankiert von zwei vermummten Polizisten im Gerichtssaal und trug Fuß- und Handfesseln. 

Das Kasseler Landgericht hat in dem Verfahren bis zum 8. Juli zunächst zehn weitere Verhandlungstage angesetzt.