Tasten statt Sehen

Rettungstaucher: «An eine Leiche gewöhnt man sich nicht»

Kälte, Dunkelheit und Ungewissheit: Ludwigsburger Rettungstaucher tasten sich nicht selten durch trübe Gewässer. Wie gehen Sie mit belastenden Einsätzen um?

Maier hält seine Signalleine in der Hand. Foto: Marijan Murat/dpa
Maier hält seine Signalleine in der Hand.

Ludwigsburg (dpa/lsw) - Kalt, dunkel und kaum Sicht: Für Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gehören schwierige Bedingungen in Flüssen und Seen zum Einsatzalltag. Achim Maier, dienstältester Rettungstaucher im Kreis Ludwigsburg, trainiert mit seiner Ortsgruppe regelmäßig im Neckar für den Ernstfall. Denn dann suchen Taucher in unbekannten Gewässern nach Vermissten - lebend oder tot.

Unter Wasser sind sie über eine Signalleine mit einem Helfer an Land verbunden. Durch Zupfen an der Leine verständigen sich beide. Weil die Sicht oft stark eingeschränkt ist, orientieren sich die Einsatzkräfte vor allem durch Tasten.

«Klare Sicht bis zur Brille»

«Wir stochern im Nebel», beschreibt es der 57-jährige Maier. Oft sei das Wasser kalt, es sei dunkel und der Taucher wisse nicht, was sich über, unter oder neben ihm befinde. «Wir haben glasklare Sicht bis zur Brille und ab da wird's trüb», sagt Maier.

Immer top informiert mit dem WNOZ-WhatsApp-Kanal!

Breaking News, spannende Hintergründe und Newsletter: Mit unserem WhatsApp-Kanal bleiben Sie stets über Weinheim, den Odenwald und die Metropolregion informiert.

Impressum

Nach belastenden Einsätzen spricht die Gruppe über das Erlebte. «An eine Leiche gewöhnen tut man sich nicht», sagt er. Besonders schwierig seien Einsätze, bei denen Kinder vermisst werden. Trotzdem will Maier weiter abtauchen. «Wir gehen immer mal von dem besten Fall aus, dass die Person noch überlebt hat», sagt er. «Wir gehen so lange davon aus, bis wir das Gegenteil bewiesen haben.»