Schauspiel Frankfurt: Weibliche Regiearbeiten prägen Saison
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Unter dem Motto «Zwischenräume» und mit einer starken Frauenquote geht das Schauspiel Frankfurt in die kommende Saison. Auf der großen Bühne werden nahezu ausschließlich Regisseurinnen ihre neuen Stücke zeigen. Dies begründe sich auf den tragfähigen und kontinuierlichen Arbeitsbeziehungen, die das Theater mit den Kolleginnen pflege und nicht auf einen Ausschluss männlicher Regisseure, sagte Dramaturgin Katja Herlemann am Dienstag bei der Präsentation des neuen Spielplans.
Eröffnet wird die Saison am 21. September mit Molières hochaktueller Komödie «Der Geizige» in der Regie von Mateja Koležnik. Johanna Wehner bringt mit Bram Stokers «Dracula» kurz darauf einen Vampir auf die Bühne, der laut dem Theater «die Zeit überdauert». Jessica Glause zeigt ab Ende Oktober Virginia Woolfs «Orlando». «Hier bewegt sich, was nur scheinbar festgelegt ist: die Rolle von Geschlecht, Macht und Status», hieß es.
Als Familienstück kommt im November Michael Endes «Momo» (Regie: Christina Rast) auf die Bühne, das das Geheimnis der Zeit behandelt. Im Frühjahr 2024 gibt es etwa Schillers «Don Carlos» in der Regie von Felicitas Brucker sowie Rainer Werner Fassbinders Nachkriegsdrama «Die Ehe der Maria Braun» (Regie: Lilja Rupprecht) zu sehen. Lediglich ein Stück der Dresden Frankfurt Dance Company läuft ab März unter männlicher Choreografie - nämlich von Ioannis Mandafounis.
«So vielfältig wie die Handschriften, so vielfältig sind auch die Stoffe, denen wir uns in dieser Spielzeit widmen», sagte Herlemann. Sie bezögen sich auf das Motto Zwischenräume und auf die «viel beschworenen Zeiten des Umbruchs». «Wie sich dieser Umbruch gestalten wird, kann auch im Theater niemand voraussagen», hieß es. Das Schauspiel suche daher nicht nach der Prognose, sondern nach den Zwischenstufen, nach dem Positiven im Zweifel.
Mit Blick auf die Zahlen konnte Intendant Anselm Weber schon mal eine positive Entwicklung vermelden: So erzielte das Schauspiel bis Ende April eine Auslastung von 85 Prozent. Das sei ein außerordentlicher Erfolg, sagte er. Das Publikum sei wiedergekommen, «das Vertrauen ist wieder da». Auch die Abonnentenzahlen seien wieder kräftig gestiegen, auch wenn sie noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht hätten.