Schule bestürzt nach rassistischen Gesängen auf Sommerfest
Nach rassistischen Rufen auf dem Sommerfest einer Stuttgarter Schule zeigt sich die Einrichtung bestürzt. Wie Schulleitung und Betroffene auf die Vorfälle reagieren.
Stuttgart (dpa) - Beim Sommerfest einer Schule in Stuttgart sind ausländerfeindliche Gesänge angestimmt worden. In der Schlussphase der Party habe der DJ auf Wunsch noch einige Lieder aufgelegt - darunter eines, bei dem es zu den rassistischen Rufen «Deutschland den Deutschen, Ausländer raus» gekommen sei, sagte der Schulleiter der Merz Schule, Frederik Merz, dem SWR. Der DJ habe das zwar sofort unterbunden, als er die Parolen gehört habe. «Aber so eine kurze Dynamik kam eben doch auf.» Auch andere Medien hatten berichtet.
Schülerinnen und Schüler sehr betroffen
Eine Person habe man direkt ansprechen können, der frisch gebackene Abiturient sei des Platzes verwiesen worden - er habe in den Tagen danach sofort Reue gezeigt und ihm sei der Vorfall extrem peinlich gewesen.
Auch Schüler mit Migrationshintergrund hätten mitgesungen. Schulleiter Merz sagte, er sei maximal erstaunt, dass es offensichtlich kein Gefühl mehr dafür gebe, was man mit solchen Aussagen anrichten könne und dass sie scheinbar zu einer Bagatelle geworden seien. Man habe sich gegenüber den Schülerinnen und Schülern sehr klar positioniert: «Diese Rufe passen überhaupt nicht zu uns als Schule mit dem internationalen Hintergrund, den wir haben.» In jeder Klasse seien Kinder mit Migrationshintergrund - in der Schülerschaft sei die Bestürzung daher groß gewesen, betonte der Schulleiter.
Er sei überrascht gewesen, dass die Rufe nicht strafrechtlich relevant gewesen seien und wünsche sich eine Debatte darüber, wo die Meinungsfreiheit aufhöre und der volksverhetzende Anteil beginne. Laut Polizei liegt bisherigen Erkenntnissen zufolge keine strafrechtliche Relevanz vor - «wenngleich das Ganze natürlich massiv geschmacklos ist», wie ein Polizeisprecher betonte.
Landesverband deutscher Privatschulen distanziert sich
Der Verband deutscher Privatschulen Baden-Württemberg e. V. (VDP BW) distanzierte sich ebenfalls von dem Vorfall - die Merz Schule ist eine Privatschule. «Für Diskriminierung und extremistisches Gedankengut ist an unseren Schulen kein Platz», hieß es in einer Stellungnahme. «Wenn Schülerinnen und Schüler rassistische Parolen oder Lieder anstimmen, verletzt das nicht nur Menschenrechte und Würde, sondern verlangt eine sofortige, konsequente Reaktion», betonte der Präsident des Landesverbandes, Michael Büchler.
Man sei überzeugt, dass der betroffene Schulträger in Stuttgart die Vorfälle lückenlos aufkläre. Rassistische und rechtsextremistische Entgleisungen spiegelten leider eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider, die auch vor den Schultüren nicht haltmache.
Geschehen erinnert an Skandal auf Insel Sylt
Das Geschehen erinnert an einen Vorfall aus dem Jahr 2024, der sich auf der Insel Sylt ereignet hatte. Damals hatten rassistische Gesänge zum Party-Hit «L'amour toujours» in einer Bar für einen Eklat gesorgt. Partygäste hatten dazu die Parole «Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!» gerufen. Die sich daran anschließenden Verfahren waren überwiegend eingestellt worden.