Schwarz-Grün will humusreiche Böden von Bauern fördern
Der hessische Landtag diskutiert, wie Äcker resistenter gegen Folgen des Klimawandels werden können. Beim Thema Ökobauern gehen die Meinungen auseinander. Ein Experte warnt Landwirte davor, mit falschen Entscheidungen den Ackerboden unter den Füßen zu verlieren.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Mit Blick auf die Klimakrise will Schwarz-Grün in Hessen humusreiche Böden von Bauern besonders fördern. Diese Flächen könnten gut Regenwasser und CO2 speichern, erklärte der Grünen-Abgeordnete Hans-Jürgen Müller am Mittwoch im Landtag in Wiesbaden. Bei der Neuauflage des Förderprojektes «Vielfältige Kulturen im Ackerbau» solle auch der Humusaufbau besonders berücksichtigt werden. Dieser sei eine zusätzliche Maßnahme für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wie lange Trockenheit und häufigerer Starkregen.
Lena Arnoldt von der CDU betonte, dass Bauern im übertragenen Sinne nicht nur «unser täglich Brot produzieren», sondern mit ihrem Boden-, Umwelt- und Klimaschutz auch «zum Erhalt der Schöpfung» beitrügen. Die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen hatten gemeinsam einen Antrag zur Landwirtschaftsförderung formuliert.
Heidemarie Scheuch-Paschkewitz von der Linken-Opposition kritisierte: «Die Ökolandwirtschaft in Hessen verharrt bei 16 Prozent, umweltschädliche Subventionen wurden nicht gestoppt.» Der Verlust der Artenvielfalt auf Äckern gehe weiter. Dabei solle der Anteil der Ökolandwirtschaft in Hessen bis 2025 laut schwarz-grünem Koalitionsvertrag auf 25 Prozent steigen. Zugleich gerieten Äcker ins Visier landwirtschaftsfremder Investoren. «Das lässt die Kauf- und Pachtpreise steigen, wodurch besonders kleine Betriebe in Existenznot geraten», sagte Scheuch-Paschkewitz und forderte ein Landesgesetz für den Schutz von Äckern «vor dem Zugriff von Spekulanten».
Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) versicherte, das Ziel von 25 Prozent Öko-Landwirtschaft bis 2025 könne weiterhin erreicht werden. Sie sei angesichts von Wasserknappheit und Bodenerosion dankbar für eine Aufnahme humusreicher Böden in die Agrarförderung.
Der oppositionelle AfD-Parlamentarier Gerhard Schenk monierte, die Landwirtschaft werde immer weniger auf die Nahrungsversorgung ausgerichtet - trotz wachsender Bevölkerung wegen der «Migrationspolitik». Denn es würden Blühflächen, Ausweitungen von Brachland und Einlagerungen von CO2 im Boden gefördert.
Wiebke Knell von der FDP-Opposition bedauerte das Sterben vor allem kleinerer Bauernhöfe. Sie kritisierte die «einseitig auf ökologische Betriebe ausgerichtete» Förderung des Landes: «Ökologische Landwirtschaft muss sich entlang der Nachfrage entwickeln, das Angebot darf nicht künstlich durch Subventionen getrieben werden.»
Außerhalb des Landtags erklärte Tim Treis von der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen, humusreichere Böden bedeuteten Stickstofflieferung durch natürliche Prozesse, längere CO2-Speicherung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Das wäre «ein großer Schritt in Richtung ressourcenschonender und klimafreundlicher Landwirtschaft».
Oliver Diehl von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Hessen erläuterte: «Humus trägt durch die Erhöhung der Stabilität der Bodenteilchen zur Minderung von Verschlämmung und Erosion bei.» Wer angesichts von Trockenheit und Starkregen «nicht die richtige Anbauplanung gemacht hat, riskiert buchstäblich den Ackerboden unter den Füßen zu verlieren».
Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz ergänzte: «Humusreiche Böden und vielfältige Kulturen sind Grundlage für die Artenvielfalt im Offenland.»