Kultur

Sexstreik? Schauspielerin will Publikum verführen

Mit Charme und Überzeugungskraft will Gioia Osthoff die Zuschauer in Bad Hersfeld auf ihre Seite ziehen. Wer hat es beim Streik auf der Bühne schwerer: Männer oder Frauen? Die Antwort überrascht.

«Kein Friede - kein Sex» - In der antiken griechischen Komödie verweigern sich die Frauen ihren Männern, damit diese den Krieg beenden. Foto: Bad Hersfelder Festspiele
«Kein Friede - kein Sex» - In der antiken griechischen Komödie verweigern sich die Frauen ihren Männern, damit diese den Krieg beenden.

Bad Hersfeld (dpa) - Wer in diesem Sommer die Komödie «Lysistrata» bei den Bad Hersfelder Festspielen besucht, sollte sich auf einen ungewöhnlichen Verführungsversuch einstellen. Schauspielerin Gioia Osthoff will das Publikum für einen Sexstreik auf ihre Seite ziehen. Die 35-Jährige, die von Freitagabend an als Titelheldin auf der Festspielbühne steht, hat als Ziel, «die Zuschauer zu verführen, sich dem Sexstreik anzuschließen. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt.»

In dem mehr als 2.000 Jahre alten griechischen Stück verweigern die Frauen ihren Männern den Sex, damit diese den Krieg beenden. In der Bearbeitung der Festspiele steht die bekannte TV-Darstellerin Gesine Cukrowski Osthoff als Mitstreiterin zur Seite. 

Wer hat es in diesem Stück eigentlich schwerer: die Frauen, die
den Sexstreik durchhalten müssen, oder die Männer, die darunter
leiden? «Das Publikum natürlich, das entscheiden muss, auf welcher Seite
es steht», antwortet die Schauspielerin augenzwinkernd. Vor zwei Jahren erhielt Osthoff den Hersfeld-Preis für ihre Darstellung der Polly in der «Dreigroschenoper» bei den Festspielen.

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Impressum

«No equal pay? - No Sex!»

Einen Satz aus «Lysistrata» hält die Schauspielerin für besonders wichtig: «Wir alle haben gelitten und unser Leid ist nicht aufwiegbar.» Krieg verursache Leid auf allen Seiten, sagt sie. Protest sei deshalb nicht einfach, könne den Menschen aber Kraft geben.

Und wofür würde Osthoff heute selbst zu einem einen Sexstreik aufrufen? «Wie wäre es mit: «No equal pay? - No Sex!». Das wäre doch einen Versuch wert», antwortet sie. Allerdings gehe es um weit mehr als um gleiche Bezahlung. Frauen seien in vielen Bereichen noch immer nicht gleichberechtigt. Deshalb fügt sie hinzu: «Vielleicht sollten wir uns das mit dem Sexstreik wirklich überlegen.»