Sicherheit durch Bodycams? - Kameras zunehmend im Einsatz
Deeskalationstrainings, Krisenhotline und nun vermehrt Bodycams: Wie die Verkehrsunternehmen in Hessen ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schützen wollen und welche Rolle die Finanzierung spielt.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Zahl von Attacken auf Bahnpersonal ist deutlich gestiegen - die Bundespolizei hatte für das erste Halbjahr in Hessen ein Plus von 40 Prozent bei den angezeigten Fällen gemeldet. Im August soll ein Fahrgast einen Zugbegleiter in Südhessen mit einem Teppichmesser bedroht haben. Gefasst wurde er aufgrund von Aufnahmen einer Bodycam.
Diese Kameras sind immer häufiger zu sehen. Nach der Deutschen Bahn nun auch bei Mitarbeitern der Frankfurter Verkehrsbetriebe, Pläne gibt es auch bei der Hessischen Landesbahn (HLB).
Die HLB habe in den vergangenen Jahren den Einsatz der Kameras mit einigen Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern an zwei Standorten erfolgreich erprobt, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Die Rückmeldungen seien überwiegend positiv gewesen, so dass geplant sei, den Einsatz ab dem kommenden Jahr sukzessive und auf freiwilliger Basis auszuweiten.
Vereinzelt Beleidigungen und Übergriffe
Wie andere Verkehrsunternehmen setzt die HLB zudem auf Deeskalationstrainings, es gibt auch eine Hotline zur psychologischen Erstbetreuung, an der Fachkräfte rund um die Uhr für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erreichbar seien. «Vereinzelt kommt es immer wieder zu Beleidigungen und Übergriffen gegenüber unserem Fahrpersonal. Ein akuter Anstieg dieser Vorfälle ist derzeit jedoch nicht zu verzeichnen», teilt der Sprecher mit.
Auch die Vias, die neben Hessen in anderen Bundesländern im Regionalverkehr unterwegs ist, sieht in Bodycams einen Mehrwert für die Sicherheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Zügen - die Finanzierung müsse aber noch geklärt werden, teilt ein Sprecher mit: «Die Sicherheit unseres Personals ist ein hohes Gut und entsprechend für uns ein sehr wichtiges Thema, wo wir aber auch Politik und Länder in der Pflicht sehen. Dies gilt vor allem für die Finanzierung von Sicherheitsinstrumenten wie eben Bodycams», erklärt ein Unternehmenssprecher.
Externes Sicherheitspersonal an Bord
«Auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind immer wieder Übergriffen ausgesetzt», teilt er mit. Man sei aber nicht überproportional betroffen, vielleicht auch, weil die Vias stark im ländlichen Raum unterwegs sei. Das Unternehmen setzte neben Deeskalationstrainings, Krisenberatung und eine App für Meldungen zu Vorfällen und Übergriffen auf externes Sicherheitspersonal, das auf bestimmten Linien mitfährt.
Im Bereich des Nordhessischen Verkehrsverbund NVV haben die Verkehrsunternehmen ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, wie eine Sprecherin mitteilt. So seien teilweise Zweierteams unterwegs, werde Sicherheitspersonal eingesetzt und sollen Trainings zur Deeskalation auf den Ernstfall vorbereiten. Bei der Kurhessenbahn (KHB) würden auch Bodycams eingesetzt. Auch der NVV verweist auf die Kosten dieser und weiterer Maßnahmen: Die Branche hoffe auf finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder, erklärt eine Sprecherin.
Aggression und Bedrohung auch mit Waffen
In Frankfurt sind seit Anfang des Monats Mitarbeiter des Ordnungsdienstes probeweise mit Bodycams unterwegs. Hintergrund sei zunehmende Aggression gegenüber den Mitarbeitern. «Diese äußern sich nicht nur in Beschimpfungen und Beleidigungen, sondern auch in Bedrohungen und Tätlichkeiten, zunehmend sogar mit Waffen und gefährlichen Gegenständen», teilt die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) mit.
Insgesamt seien 18 Kameras im Einsatz. Sie sind den Angaben zufolge in Brusthöhe an der Dienstkleidung befestigt, Aufnahmen erfolgen ohne Tonaufzeichnung. Das Unternehmen erhofft sich eine deeskalierende Wirkung - auch, weil sich Aggressoren im Display der Kamera wie in einem Spiegel selbst sehen. Gespeicherte Videos könnten zur Klärung des Sachverhalts und in Rechtsverfahren verwendet werden.
Auch die Deutsche Bahn erhöht den Anteil der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Bodycams tragen. Dies gilt nicht nur für die Züge: Auch im Bahnhofsservice in Frankfurt am Main sind die Geräte seit kurzem im Einsatz. Es gehe um eine präventive Wirkung, die Abwehr und Reduktion von Gewalttaten sowie Beweissicherung, erklärt das Unternehmen die Gründe.