Stabil, aber ein «Spagat»: Hoffenheim vor der neuen Saison
Wie hat das österreichische Duo Christian Ilzer und Andreas Schicker die Hoffenheimer auf die neue Spielzeit eingestellt? Der Kader und das Umfeld versprechen einiges.
Zuzenhausen (dpa/lsw) - Oliver Baumann hat wahrlich schon andere Zeiten erlebt in seinen zwölf Jahren bei der TSG 1899 Hoffenheim. Vor der neuen Bundesliga-Saison sagt der Fußball-Nationaltorwart der Kraichgauer: «Ich nehme den Club aktuell als extrem ruhig und zielorientiert wahr. Wir haben eine Vision und ziehen unser Ding durch.»
Baumann darf darauf hoffen, dass sich der Club, der mit der Partie beim 1. FC Köln am Samstag (15.30 Uhr/Sky) startet, diese Spielzeit auf das Sportliche konzentrieren kann. Die Wechsel und Unruhen in der Geschäftsführung und an der Clubspitze in der vorherigen Runde haben nicht nur die Fans, sondern auch den Kapitän ziemlich genervt.
«Eines der größten Talente Europas» geholt
Der Tabellenfünfte der vergangenen Spielzeit und Europa-League-Teilnehmer hat zwar Flügelflitzer Bazoumana Touré (für rund 50 Millionen Euro zu Newcastle United) und den erfahrenen Mittelfeldmann Grischa Prömel (ablösefrei um VfB Stuttgart) verloren, den Kader aber vielversprechend verbreitert.
Zum Beispiel mit dem gerade einmal 18 Jahre alten Nathan De Cat, laut TSG-Geschäftsführer Andreas Schicker «eines der größten Talente Europas». Oder mit Rückkehrer Bambasé Conté, der bei der SV Elversberg glänzte, dem Ex-Bochumer Cajetan Lenz, dem Schweizer U21-Nationalspieler Alessandro Vogt und auch Patrick Wimmer. Der Ex-Wolfsburger erzielte beim 4:0-Erfolg im DFB-Pokal bei Erzgebirge Aue gleich mal zwei Tore.
Offensive doch noch mit Asllani
«Unser Weg ist nicht allein von Tabellenplätzen abhängig. Wir wollen den Weg, den wir letzten Sommer eingeschlagen haben, konsequent fortsetzen. Auch in diesem Sommer haben wir wieder ganz bewusst Talente mit großem Potenzial verpflichtet, die wir bei der TSG weiterentwickeln und die gemeinsam mit den Achsenspielern in allen drei Wettbewerben das Maximum rausholen wollen», sagte Schicker der dpa.
Zudem kann Hoffenheim auf ein lange verletztes Trio zurückgreifen: Valentin Gendrey, Koki Machida und Adam Hlozek. In der Offensive herrscht gar ein Überangebot, da der Wechsel von Torjäger Fisnik Asllani zu RB Leipzig platzte. Aufgrund von medizinischen Bedenken des Liga-Konkurrenten, die Hoffenheim im Detail nicht kommentierte. Sportlich sei das «alles andere als eine schlechte Nachricht», sagte Schicker. Allerdings verpasste der 24-jährige Asllani dadurch einen Großteil der Vorbereitung mit der Mannschaft.
Kramaric weiter ein Fixpunkt
Auch Stürmerstar Andrej Kramaric stieg nach WM-Teilnahme und Leistenoperation später ein, doch der 35 Jahre alte Kroate gilt nach wie vor als Fixpunkt - und ist gemeinsam mit Wouter Burger Stellvertreter von Baumann als Spielführer. Der Niederländer Burger verkörpert jene Riege von Neuzugängen 2025, die in der vergangenen Runde eingeschlagen haben und noch mehr Verantwortung übernehmen wollen. Dazu zählen auch Leon Avdullahu, Vladimir Coufal und Albian Hajdari.
Beim Pflichtspielauftakt im Pokal sah Trainer Christian Ilzer «im Detail schon sehr viel. Ob das jetzt Dinge sind, wie wir verteidigen, wie schnell wir Räume zukriegen, wie schnell wir Druck am Ball ausüben.»
Hohe Transferausgaben
Auf ein konkretes Saisonziel will sich Ilzer wie sein österreichischer Mitstreiter Schicker nicht festlegen. «Die Bundesliga ist unser sportlicher Alltag. Dort wollen wir konstant gute Leistungen zeigen und uns weiter stabilisieren. Gleichzeitig haben wir den Anspruch, im DFB-Pokal und international unsere Chancen gut zu nutzen und zu schauen, wie weit wir in diesen Wettbewerben kommen können», sagte der Manager. Er durfte mit etwa 68 Millionen Euro so viel in neues Personal investieren, wie es die TSG noch nie in einem Wechselfenster getan hat. Gleichzeitig hielt sich das mit den Einnahmen etwa die Waage.
Baumann verlangt «maximale Professionalität»
Baumann wurde da schon etwas konkreter. «Mein persönliches Ziel und mein Wunsch für den Verein ist, dass wir trotz der internationalen Partien wieder um die europäischen Plätze mitspielen», sagte der 36-Jährige. «Das wird ein Spagat. Wir wollen in der Europa League möglichst die Ligaphase überstehen und gleichzeitig in der Bundesliga wieder oben angreifen. Das verlangt maximale Professionalität von uns allen.»