Datenauswertung

Studie: Kita-Personal in Hessen häufiger krank

In vielen Kitas fehlt es an Personal. Eine Auswertung zeigt nun: Erzieherinnen waren zuletzt deutlich häufiger krank als der Durchschnitts-Arbeitnehmer - auch in Hessen.

Personal in der Kinderbetreuung ist deutlich häufiger Krank als in anderen Bereichen. (Symbolbild) Foto: Christoph Soeder/dpa
Personal in der Kinderbetreuung ist deutlich häufiger Krank als in anderen Bereichen. (Symbolbild)

Wiesbaden/Gütersloh (dpa/lhe) - Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas sind 2023 auch in Hessen deutlich häufiger krank ausgefallen als Beschäftigte in anderen Berufen. So waren Angestellte im Bereich Kinderbetreuung und -erziehung im vergangenen Jahr im Schnitt an knapp 31 Tagen krankgeschrieben, wie aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Über alle Berufsgruppen hinweg lag die Zahl der Krankentage im selben Zeitraum bei knapp 21 Tagen. Bundesweit lag die Zahl der Krankheitstage in dem Berufsfeld bei 29,6 Tagen, gegenüber 20,1 Tagen im Schnitt aller Berufsgruppen. Damit lag Hessen leicht über dem Bundesdurchschnitt. 

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Die Stiftung stützt sich in der Auswertung im Wesentlichen auf Daten der Krankenkasse DAK, bei der bundesweit 12,2 Prozent der Beschäftigten in der Kinderbetreuung versichert seien. Auch der Stiftung vorliegende Zahlen anderer Krankenkassen bestätigten den Trend, hieß es.

Expertin: Überlastung der Beschäftigten

Bundesweit seien Ausfallzeiten von Erzieherinnen und Erziehern mit einem Plus von 26 Prozent bei den Krankheitstagen zwischen 2021 und 2023 stark angestiegen - vor allem auch aufgrund psychischer Belastungen. Rund 20 Prozent der Krankheitstage entfielen in der Kinderbetreuung in Hessen auf psychische Erkrankungen. 

«Viele Kitas stecken in einem Teufelskreis: Aufgrund der steigenden Krankenstände fallen immer mehr Fachkräfte aus, wodurch die Überlastung für die verbleibenden Beschäftigten weiter zunimmt», erklärte Anette Stein, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung. «An gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung ist vielerorts gar nicht mehr zu denken.» Die Stiftung forderte, es brauche eine gesetzlich verankerte Finanzierung für Vertretungen durch qualifiziertes Personal für alle Ausfallzeiten.

Kritik der Bildungsgewerkschaft GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betonte in Frankfurt: «Jetzt sind schnelle und gezielte Maßnahmen von Bund und Ländern notwendig, um den Personalengpass zu beheben.» Kinder hätten ein Recht auf ihre qualifizierte Betreuung, Bildung und Erziehung. Zugleich warnte die Bildungsgewerkschaft vor Tendenzen in einigen westlichen Bundesländern, nicht ausreichend qualifiziertes Vertretungspersonal einzusetzen: «Diese Entwicklung ist brandgefährlich.» Die nötige zusätzliche Anleitung durch Fachkräfte erhöhe deren Arbeitslast weiter und beeinträchtige die Qualität der Betreuung.