Tarifabschluss im hessischen Einzelhandel steht
Nach mehreren Warnstreiks steigen die Löhne im hessischen Einzelhandel rückwirkend. Vorbild ist ein anderes Bundesland.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die rund 240.000 Beschäftigten im hessischen Einzel- und Versandhandel erhalten rückwirkend zum 1. Juli mehr Geld. Die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber einigten sich nach mehreren Warnstreiks und dem Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen auf einen entsprechenden Tarifvertrag, wie beide Seiten mitteilten.
Danach steigen die Entgelte zunächst um 3 Prozent und zum 1. April 2027 noch einmal um 2 Prozent. Der Vertrag soll eine Laufzeit bis Ende April 2028 haben. Im laufenden Jahr mussten die Beschäftigten zunächst drei Nullmonate ohne Erhöhung verkraften.
Tariflicher Mindestlohn 30 Cent über gesetzlichem Minimum
Für die untere Lohngruppe wird zum 1. April 2027 zudem ein neuer tariflicher Mindestlohn von 14,90 Euro vereinbart. Das sind 30 Cent mehr als der dann vorgesehene gesetzliche Mindestlohn - und bedeutet im kommenden Jahr überproportionale Lohnsteigerungen für Ungelernte, wie Verdi-Verhandlungsführer Marcel Schäuble erläuterte. Er sagte: «Für uns war dabei von zentraler Bedeutung, dass den Beschäftigten und deren Familien mit Blick auf die aktuellen Preissteigerungen schnell mit einer Anhebung der Entgelte geholfen wird.»
Der Handelsverband Hessen betonte die Planungssicherheit über zwei Jahre: «Eine Verbesserung der Konsumstimmung ist weiterhin nicht in Sicht. Deshalb ist es so wichtig, dass der hessische Handel durch den heutigen Abschluss Planungssicherheit erhält, um gemeinsam mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Fortbestand der Betriebe zu sichern», sagte Verhandlungsführer Nico Lehm.