Votum für Taubentötung

Tierschützer nach Votum für Taubentötung entsetzt

Tierschützer sind schockiert: Die Limburger haben mehrheitlich für eine Tötung von Stadttauben votiert, jetzt werden die Voraussetzungen geprüft. Beigelegt dürfte der Konflikt noch lange nicht sein.

Tauben sitzen auf einem Sims. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Tauben sitzen auf einem Sims.

Limburg (dpa/lhe) - Auch nach dem Mehrheitsvotum für eine Tötung von Stadttauben in Limburg wollen sich Tierschützer nicht geschlagen geben. Von dem Ausgang eines Bürgerentscheids, bei dem sich am Sonntag eine Mehrheit der Stimmberechtigten für die Umsetzung des Stadtverordneten-Beschlusses zur Dezimierung der Taubenpopulation ausgesprochen hatte, zeigten sich Vertreter des Stadttaubenprojekts entsetzt. «Uns fehlen im Moment einfach die Worte. Wir sind erschüttert», erklärten sie auf ihrer Facebook-Seite. Der Sonntag sei ein «ganz schlimmer Tag für das Tierrecht» gewesen.

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Im November vergangenen Jahres hatte die Limburger Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich entschieden, dass ein Falkner beauftragt werden soll, um die Taubenpopulation in der Stadt an der Lahn zu dezimieren. Im Gespräch war eine Tötung der Tiere per Genickbruch. Der Beschluss zog heftige Proteste von Tierschützern nach sich sowie eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, nach dem schließlich der Bürgerentscheid auf den Weg gebracht wurde.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, erklärte, die Mehrheit der Stimmberechtigten in Limburg habe mit ihrer Wahl «das Todesurteil für die Tauben besiegelt». Für den Fall, dass es tatsächlich zu einer Tötung der Tiere kommen sollte, kündigte er Strafanzeige an. Auch der Verband Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner sowie die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz drohten mit rechtlichen Schritten, da eine Tötung der Tauben aus ihrer Sicht rechtswidrig wäre. Dies habe auch ein rechtswissenschaftliches Gutachten ergeben. Man bemühe sich zugleich um konstruktive Lösungen, um eine Tötung der Tiere noch zu verhindern, erklärten die Organisationen.

Nach den Worten von Limburgs Bürgermeister Marius Hahn (SPD) haben die Bürger entschieden, «dass die Taubenpopulation in den kommenden zwei Jahren durch einen Falkner, der Tiere betäubt und tötet, reduziert werden soll». Zunächst stehe nun eine Prüfung an, machte Hahn deutlich. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof, auf den sich die Stadt berufe, habe mit einer Entscheidung von 2011 die Tötung von Tauben an verschiedene Bedingungen geknüpft. Dazu gehörten eine entsprechende Population, Gesundheitsgefahren oder Schäden an Gebäuden. Die entsprechende Gestattung des Landkreises zur Tötung von Tauben an zwei Falkner sehe dies ebenfalls vor.

Es sei daher «im Rahmen der Prüfung der Rechtmäßigkeit, insbesondere Verhältnismäßigkeit» auch zu prüfen, ob die entsprechenden Voraussetzungen vorlägen, wenn es zur Umsetzung komme. Nach Einschätzung eines Stadtsprechers wird diese Prüfung Monate in Anspruch nehmen. «Da befinden wir uns sicherlich im Spätherbst», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Anlass für die Debatte um die Limburger Stadttauben seien unter anderem Beschwerden von Anwohnern, Gastronomen und Marktbeschickern rund um den Limburger Neumarkt gewesen, die sich über Kotrückstände und weitere Belästigungen beklagt hätten. Eine Zählung hatte vor einiger Zeit ergeben, dass seinerzeit rund 700 Tauben in der Stadt an der Lahn lebten.

Die Vertreter des Limburger Stadttaubenprojekts wollen nun zunächst die Prüfung abwarten und derweil ihre ehrenamtliche Arbeit fortsetzen. Sie kümmern sich um verletzte Stadt- und Wildtauben, um Brieftauben, die den Weg in ihre Taubenschläge nicht mehr finden sowie um die Aufzucht von Küken. Die Tierschützer hatten sich für betreute Taubenschläge stark gemacht, in denen die Eier der Tiere durch Attrappen ersetzt werden. Mehr als ein Dutzend Menschen hätten sich in den vergangenen Monaten bereit erklärt, ehrenamtlich bei der Betreuung solcher Taubenschläge zu helfen, sagte eine Sprecherin des Stadttaubenprojekts.