Verkehr

Warnstreik: Stillstand im hessischen Bahnverkehr erwartet

«Warnstreik!» steht auf einem Schild. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild
«Warnstreik!» steht auf einem Schild.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Wegen eines großangelegten Warnstreiks werden am Montag voraussichtlich auch in Hessen kaum Züge fahren. Welche Züge und Linien konkret betroffen sein werden, konnte eine Bahnsprecherin in Frankfurt am Freitag zunächst nicht sagen. «Prinzipiell wissen wir das erst, wenn der Streik beginnt. Wir gehen natürlich von massiven Auswirkungen auch im Regionalverkehr aus.» Es sei damit zu rechnen, dass es auf Teilnetzen am Sonntag bereits ab 18 Uhr zu Auswirkungen kommen könne. Das sei etwa beim S-Bahn-Verkehr Rhein-Main der Fall.

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Es seien «gravierende Auswirkungen» auf der Schiene zu erwarten, sagte Andreas Güth, Geschäftsstellenleiter der EVG in Kassel, am Freitag. Auch Fern- und Güterverkehr werden demnach vom Streik massiv betroffen sein.

Laut Mitteilung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) werden in seinem Gebiet die meisten Regional- und S-Bahnlinien ausfallen. Zu den Ausnahmen gehört die Regionalbahn (RB) 12 zwischen Königstein und Liederbach. Auch soll der Schienenersatzverkehr auf der Strecke der Taunusbahn planmäßig fahren. Zudem rollen einige Züge der RB 15 zwischen Grävenwiesbach und Wehrheim für den Schulverkehr.

In Nordhessen fallen laut Mitteilung des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) voraussichtlich ab Sonntagabend Regionalzüge und Regiotrams aus. Vermutlich werde der gesamte Zugverkehr im NVV-Gebiet zum Erliegen kommen, hieß es. Ab Sonntag, 22.00 Uhr, bis Dienstag, 24.00 Uhr, entfallen demnach die Regionalzüge der Linien RT1 (Kassel–Hofgeismar-Hümme) und RT4 (Kassel–Wolfhagen). Am Mittwoch sollen die Bahnen regulär ab Betriebsbeginn wieder fahren. Die Buslinien des NVV sollen laut Mitteilung ohne Einschränkungen fahren, ebenso die Straßenbahnen und Busse der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH (KVG).

Andere Bahnunternehmen wie Vlexx erwarteten ebenfalls einen Stillstand auf der Schiene, da wegen des Streikaufrufs bei der DB Netz AG die Schieneninfrastruktur wohl nicht zur Verfügung stehe. «Wir gehen davon aus, dass wir nicht fahren können», sagte eine Sprecherin.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte die Beschäftigten am Donnerstag zum dritten Warnstreik in der laufenden Tarifrunde aufgerufen. Der Ausstand soll von Sonntagabend, 22.00 Uhr, bis Dienstagabend, 24.00 Uhr, dauern. Die Bahn entschied, in dieser Zeit den Fernverkehr komplett einzustellen. Auch bei DB Regio wird demnach kaum ein Zug fahren.

Die Tarifverhandlungen im Bahnsektor laufen seit Ende Februar. Es ist der dritte bundesweite Warnstreik, zu dem die EVG seither aufruft. Im März legte sie gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi große Teile des öffentlichen Verkehrs inklusive der meisten Flughäfen für einen Tag lahm. Der zweite Ausstand beschränkte sich im April auf einen Zeitraum von acht Stunden, sorgte aber ebenfalls für viele Ausfälle, vor allem im Fernverkehr.

Deutsche Bahn und EVG streiten aktuell noch um den gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro, den die Gewerkschaft in die Tariftabellen aufnehmen will, damit alle weiteren Verhandlungsergebnisse auf diesen Wert berechnet werden. Die Bahn hat das inzwischen zugesagt, will aber erst später in den Verhandlungen klären, ob sämtliche Tarifergebnisse dann bei diesen Beschäftigten ebenfalls als Erhöhungen in die Tabellen kommen oder etwa über Zulagen gezahlt werden. Die EVG bemängelte derweil, Löhne würden bei 13 Euro gedeckelt. Dies betreffe etwa Reinigungs- oder Sicherheitspersonal.