Warum ein Notaufstieg aus 80 Metern Tiefe kritisch ist
Nach dem Tod zweier Taucher am Bodensee stellen sich viele Fragen. Experten erklären, warum Tauchgänge in großen Tiefen nur mit spezieller Ausbildung möglich sind.
Überlingen (dpa/lsw) - Zwei Taucher sind nach einem Notaufstieg aus rund 80 Metern Tiefe im Bodensee gestorben. Eine 46 Jahre alte Frau verlor am Sonntag kurz nach dem Auftauchen an der Wasseroberfläche das Bewusstsein. Ihr 64 Jahre alter Begleiter war am beliebten Tauchplatz «Tennisplätze» bereits beim Auftauchen bewusstlos. Jede Hilfe kam zu spät. Ob und wann die Leichen obduziert werden, ist nach Auskunft des Polizeipräsidiums Einsatz unklar. Die Polizei ermittelt und prüft unter anderem, welche Ausrüstung die beiden Taucher bei dem Tauchgang nutzten.
Tauchgänge in dieser Tiefe gelten als sogenanntes technisches Tauchen und sind nach Angaben von Experten besonders anspruchsvoll. Dafür seien in der Regel eine spezielle Ausbildung, Erfahrung, die richtige Ausrüstung und hohe Konzentration erforderlich, erklärt das Tauchteam Bodensee in Überlingen.
Technisches Tauchen erfordert umfangreiche Ausrüstung
Taucher sollten in großen Tiefen mehrere voneinander unabhängige Atemgasvorräte dabeihaben, teilten die Experten mit. Zudem seien zusätzliche Flaschen mit Gasen für den Aufstieg und die Dekompression, mehrere Tauchcomputer sowie ein schriftlicher Notfallplan nötig. Dieser sollte laminiert und etwa am Handgelenk befestigt sein. Wichtig seien außerdem eine Hauptlampe, Ersatzlampen und eine Oberflächenboje. Die gesamte Ausrüstung wiege rund 50 Kilogramm. Im Wasser fühle sie sich nicht schwer an, sei aber hinderlich, sagt Thomas Wagenbreth vom Tauchteam.
Eine Sporttauchausrüstung und eine Sporttauchausbildung reichten für einen solchen Tauchgang nicht aus. Ausbildung, Ausrüstung, Planung und Tauchprofil unterschieden sich grundlegend. Technisches Tauchen lasse sich laut Wagenbreth zudem nicht allein über eine bestimmte Wassertiefe definieren. «Das Sporttauchen unterscheidet sich vom technischen Tauchen insbesondere dann, wenn Tiefen größer als 40 Meter geplant erreicht werden, ein direkter Aufstieg zur Oberfläche nicht mehr möglich ist, verpflichtende Dekompressionsstopps durchgeführt werden müssen und mehrere unterschiedliche Atemgase verwendet werden», heißt es vom Tauchteam.
Notaufstieg bedeutet akute Situation
Ein Notaufstieg ist laut dem Tauchteam die letzte verbleibende Möglichkeit in einer akuten Situation, die unter Wasser nicht mehr beherrscht werden kann. Während des Aufstiegs müssten bestimmte Tiefen eingehalten und teilweise lange Dekompressionsstopps durchgeführt werden. Ein direkter oder unkontrollierter Aufstieg könne zu schwersten Dekompressionsschäden, einer Gasembolie, Bewusstlosigkeit oder - wie im aktuellen Fall - zum Tod führen.