Was der neue Luchsnachwuchs für Baden-Württemberg bedeutet
Erstmals seit 200 Jahren gibt es Luchsnachwuchs im Südwesten. In den vergangenen Monaten wurden vier Junge bei drei Weibchen nachgewiesen. Ein Fund im Südschwarzwald könnte auf Zuwanderung hindeuten.
Karlsruhe (dpa/lsw) - Seit Jahren wird versucht, die Situation der seltenen Luchse im Land zu verbessern. Nun gibt es weitere Erfolgsmeldungen. In Baden-Württemberg sind inzwischen insgesamt vier Luchsjungtiere nachgewiesen worden, wie die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg mitteilte.
Damit gibt es nach Angaben des Bestandsstützungsprojekts «Luchs Baden-Württemberg» erstmals seit rund 200 Jahren wieder Luchsnachwuchs im Land. Die Jungen gehören nach bisherigem Stand zu drei Weibchen.
Zuwanderung aus der Schweiz?
Ein Jungtier war bereits im Sommer der zuvor ausgewilderten Luchskatze Elisabeth zugeordnet worden. Die Luchskatze Verena wurde am 30. September mit zwei Jungen fotografiert, wie es weiter hieß. Zuvor sei nur ein Jungtier von ihr durch einen genetischen Nachweis bekannt gewesen.
Zudem meldete ein Beobachter im Südschwarzwald am 19. Oktober ein bislang unbekanntes Weibchen mit Jungtier. «Bei dem Nachweis handelt es sich um die erste dokumentierte Fortpflanzung einer selbstständig eingewanderten, wildlebenden Luchskatze im Land», teilte die FVA mit. Ein seltener Fall, weil weibliche Luchse bei der Suche nach einem eigenen Territorium meist kürzere Strecken zurücklegen als Männchen.
Auswilderung mit Erfolg
Elisabeth und Verena waren im Rahmen des Projekts «Luchs Baden-Württemberg» ausgewildert worden. Bei dem Weibchen im Südschwarzwald ist die Herkunft bislang unklar. Nach Angaben der FVA könnte es aus der Schweiz zugewandert sein. Das wäre ein großer Erfolg: «Ein Austausch zwischen den Schweizer und den baden-württembergischen Luchsvorkommen ist wichtig, um langfristig eine stabile Luchspopulation im Dreiländereck zu etablieren», teilte die FVA mit.
Das Projekt wird von der FVA geleitet, die auch das landesweite Luchsmonitoring im Auftrag des Landes durchführt. Dabei werden Hinweise auf die Anwesenheit von Luchsen systematisch erfasst, überprüft und nach einheitlichen wissenschaftlichen Standards bewertet. Auch der Landesjagdverband, der WWF Deutschland, der Zoo Karlsruhe und die Luchs-Initiative Baden-Württemberg sind am Projekt beteiligt. Die ausgewilderten Tiere stammen aus einem europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse.