Datenschutz

Wegen KI-Empfehlungen: Datenschützer von Anfragen überrollt

Die Zahl der Beschwerden beim hessischen Datenschutzbeauftragten ist 2025 ganz erheblich auf mehr als 6.000 Fälle gestiegen. Welche Rolle spielen KI-Chatbots wie ChatGPT bei dem Plus?

Landesdatenschutzbeauftragter Alexander Roßnagel: «Wir können inzwischen an der Sprache und Struktur der Argumentation erkennen, welcher KI-Chatbot im Einsatz war.» (Archivbild) Foto: Arne Dedert/dpa
Landesdatenschutzbeauftragter Alexander Roßnagel: «Wir können inzwischen an der Sprache und Struktur der Argumentation erkennen, welcher KI-Chatbot im Einsatz war.» (Archivbild)

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Zahl der Beschwerden beim hessischen Datenschutzbeauftragten ist 2025 sprunghaft gestiegen. In mehr als 6.000 Fällen sahen Menschen ihr Grundrecht auf Datenschutz verletzt und wandten sich an die Behörde, wie der Landesdatenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden sagte. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 3.840 Beschwerden gewesen.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Einen Grund für den deutlichen Anstieg sieht Roßnagel darin, dass die Menschen zunehmend Künstliche Intelligenz wie beispielsweise ChatGPT um Rat fragten - und dort den Tipp bekommen: «Du kannst Dich mit dem Problem an die Datenschutzbehörde wenden.» Auf Wunsch formuliere die KI dann auch direkt eine Beschwerde. «Wir können inzwischen an der Sprache und Struktur der Argumentation erkennen, welcher KI-Chatbot im Einsatz war.»

Freude über großes Interesse - Sorgen wegen Überlastung 

«Wir freuen uns grundsätzlich über den Zuwachs und das wachsende Interesse der Menschen am Datenschutz», betont Roßnagel. Die Menschen nähmen immer mehr wahr, dass die Datenschutzbehörde ihre Rechte vertrete - und dies kostenlos. Es sei zudem begrüßenswert, wenn eine KI den Menschen bei ihren Problemen hilft. In seiner Behörde bedeute der Anstieg allerdings eine zunehmende Überlastung. 

Ein Plus bei den Beschwerden sei über alle Themengebiete hinweg verzeichnet worden, erläuterte der Datenschützer. Überdurchschnittlich stark kletterten demnach die Zahlen bei Eingaben im Zusammenhang mit der Schufa: Diese verdreifachten sich binnen eines Jahres während die Zahl der Mitarbeiter gleich blieb. Die Auskunftei sammelt Daten zur Bonität von Verbrauchern. Zuletzt hatte es mehrere wichtige Gerichtsurteile zur Schufa gegeben.

Im laufenden Jahr zeichne sich bei den Beschwerden insgesamt keine Entspannung ab, sagte Roßnagel. «Unsere Zahlen für Januar und Februar zeigen, dass es so weitergeht.»