Bildung

Wie ein jüdisch-muslimisches Bildungswerk Feindbilder abbaut

Das Bildungswerk Maimonides setzt auf Gemeinsamkeiten von Islam und Judentum, um Grenzen zu überwinden. Was alles dafür getan wird und was der Hamas-Angriff auf Israel von 2023 bedeutet hat.

Bei vielen Veranstaltungen von Maimonides geht es darum, mehr über die Gemeinsamkeiten von Judentum und Islam zu erfahren. So sollen Feindbilder abgebaut werden. (Symbolfoto) Foto: Christoph Soeder/dpa
Bei vielen Veranstaltungen von Maimonides geht es darum, mehr über die Gemeinsamkeiten von Judentum und Islam zu erfahren. So sollen Feindbilder abgebaut werden. (Symbolfoto)

Ingelheim/Frankfurt/Main (dpa) - In Zeiten großer Spannungen im Nahost-Konflikt hat sich ein jüdisch-muslimisches Bildungswerk Feindbilder auf die Fahnen geschrieben, hierzulande Feindbilder abzubauen. Gelingen soll das unter anderem mit einer Wanderausstellung, die bereits durch Hessen tourt, für Rheinland-Pfalz laufen derzeit Planungen dafür. 

Dem Bildungswerk Maimonides, das im rheinhessischen Ingelheim sitzt, geht es vor allem darum, Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Judentum aufzuzeigen, wie Geschäftsführer Mustafa Cimşit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagt. So sollten falsche Bilder in Köpfen zerstört werden. In Workshops bewirke allein schon etwas, wenn ein Jude und ein Muslim gemeinsam vor einer Gruppe stünden und miteinander lachten. Das bringe einen «Aha-Effekt» bei jungen Muslimen und Juden.

Nachdenken über Gründe als Chance

Cimşit führt gemeinsam mit Manfred Levy, früherer Leiter des Bereichs Bildung am Jüdischen Museum Frankfurt, die Geschäfte des jüdisch-muslimischen Bildungswerks Maimonides. Vor allem christliche und säkulare jungen Menschen fragten bei Veranstaltungen oft, warum beide Religionsgruppen angesichts der vielen Gemeinsamkeiten sich so stritten. «Dann passiert das, was wir uns wünschen: ein Nachdenken über Gründe und darüber, dass es an der Religion wahrscheinlich nicht liegt.» 

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Maimonides gibt es seit 2019. Das Bildungswerk bietet eine ganze Reihe an Veranstaltungen und Workshops an. Es geht um Themen wie Verschwörungen, Gruppenhass, Konfliktlösungsstrategien, aber auch um Grundwissen über Islam und Judentum. Anfangs habe bei Maimonides vor allem im Fokus gestanden, gegen Hass und Hetze zu agieren. «Nach zwei Jahren haben wir gesagt, das kann so nicht weitergehen, wir werden ja krank», erzählt Cimşit. 

Geschäftsführer: Hamas-Angriff machte Initiativen kaputt

«Dann haben wir uns überlegt, wie können wir das Ganze auf eine gesunde Basis stellen, damit wir nachhaltig und langfristig schön und angenehm zusammenarbeiten.» Seitdem gehe es viel um Gemeinsamkeiten von Juden und Muslimen. Die beiden Religionen hätten eine lange Tradition, gemeinsame Glaubensinhalte und Wertetraditionen.

Einen herben Rückschlag für das Brückenbauen zwischen beiden Religionen habe der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 bedeutet. «Viele jüdisch-muslimische Initiativen und Freundschaften sind kaputtgegangen», sagt Cimşit, auch viele niedrigschwellige Kooperationen. Bei Maimonides ging es weiter. 

Seit Mai dieses Jahres tourt eine Wanderausstellung namens «Dialograum» durch Schulen in Hessen. Am 7. Dezember wird sie laut Maimonides etwa an der Frankfurter Liebigschule zu Gast sein. In Rheinland-Pfalz laufen Gespräche dazu, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums in Mainz sagte.