Sommer-Freuden

Wie sich Grillunfälle vermeiden lassen

Wenn es wärmer wird, packen viele Menschen den Grill aus. Eine tolle Idee, wenn man es richtig macht. Ein Arzt weiß, wo die Gefahren lauern und was man bei einem Unfall tun sollte.

Würstchen gehören zu den Klassikern unter dem Grillgut. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa
Würstchen gehören zu den Klassikern unter dem Grillgut. (Archivbild)

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Grillen macht Spaß und das Ergebnis ist lecker - wenn man dabei nicht leichtsinnig wird. Denn der Umgang mit Feuer, Gas, Rauch und Fett ist nicht ungefährlich. Was bei einem Grillunfall schlimmstenfalls passieren kann, weiß Prof. Christoph Hirche, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Rekonstruktive Mikrochirurgie an der Berufsgenossenschaftlichen (BG) Unfallklinik Frankfurt. 

Typische Grillverletzungen betreffen meist Hände, Unterarme und Gesicht. Wer weiß, wo Gefahren lauern, kann Unfälle vermeiden. Prof. Hirche erklärt, worauf man achten muss und wie man sich richtig verhält, wenn doch etwas passiert.

Gefahrenquellen im Auge haben

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Kommt die Haut mit dem Rost oder dem heißen Grillgut in Berührung, kann eine sogenannte Kontaktverbrennung entstehen. Sie ist in der Regel nur klein und oberflächlich.

Anders sieht es aus, wenn eine Flamme die Haut verbrennt, weil die Verbrennung dann großflächiger ist. Besonders wenn Brandbeschleuniger eingesetzt werden, um das Feuer anzufachen. 

Auch spritzendes Fett kann größere Verletzungen auf der Haut verursachen. 

Bei Gasgrills kommt eine weitere Gefahrenquelle dazu: Die Gasflasche kann explodieren. Das ist zwar selten, falls es passiert aber unter Umständen tödlich.

Eine Rauchgasvergiftung ist an der freien Luft zwar selten, kann aber erschwerend hinzukommen. 

Kleidung aus Polyester kann mit der Haut verschmelzen und besonders schwere Schäden verursachen.

Bei Unfällen richtig reagieren

Was tun, wenn etwas passiert ist? Als Erstes sollte man die Gefahrenquelle aus dem Weg schaffen, wie Prof. Hirche sagt. Also den brennenden Grill löschen - mit Wasser oder indem man ihn abdeckt. 

Dafür tut es zur Not die Picknickdecke. Eine zusammengefaltete Löschdecke findet zwischen Grillgut, Tellern und Getränken aber auch gut Platz. Außerdem ist es ratsam, eine Wasserflasche griffbereit zu haben. 

Die Wunde richtig versorgen

Kleinere Verbrennung solle man kurzzeitig kühlen, rät der Experte. Kaltes Wasser hilft, die Schmerzen zu lindern. Bei großflächigen Verbrennungen kann eine Kühlung allerdings zum Auskühlen des ganzen Körpers führen. 

Schritt zwei ist die Desinfektion der Wunde. Schritt drei ein steriler Verband mit einer nicht haftenden Wundauflage, einer Kompresse und einem elastischen Wickel. Das schützt die Wunde vor Bakterien und reduziert Schmerzen. 

Wann man zum Arzt muss 

Wenn die Verbrennung größer ist oder nach ein paar Tagen nicht abheilt, sollte man zum Hausarzt oder in eine Spezialklinik. Gefährlich wird es, wenn mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. 

Behandlungsbedarf bestehe auch, wenn die Verbrennung besonders tief sei oder besondere Körperstellen betreffe wie etwa Genitalien oder die Augen, so der Arzt.

Die wichtigsten Verhaltenstipps vom Arzt

«Grillen mit Sicherheitsbewusstsein kann man auch als Mediziner vertreten», sagt Hirche, der selbst gern grillt. Seine wichtigsten Ratschläge:

  • Keine Brandbeschleuniger nutzen
  • Gasgrills regelmäßig warten
  • Abstand halten - das gilt besonders für Kinder
  • Alkohol nur in Maßen
  • Nie in geschlossenen Räumen grillen.

Die schlimmsten Fälle 

Einige Beispiele aus den vergangenen beiden Sommern zeigen, wie gefährlich das werden kann: 

2025 versuchte in Schotten im Vogelsbergkreis ein 25-Jähriger, einen Holzkohlegrill mit Benzin zu entzünden. Durch den Brandbeschleuniger geriet laut Polizei seine Kleidung in Brand. Ein Rettungshubschrauber flog ihn in eine Spezialklinik. Ein aufmerksamer Nachbar löschte das Feuer mit einem Feuerlöscher.

In Kassel endete 2025 ein Grillabend mit dem Brand eines Mehrfamilienhauses. Ein 60-Jähriger wollte auf seiner Dachterrasse mit einem Gasgrill grillen. Dabei strömte unkontrolliert Gas aus und entzündete sich. Beim Versuch, die Gasflasche von der Terrasse zu schaffen, verletzte sich der Mann schwer. Mit Verbrennungen an den Unterarmen kam er ins Krankenhaus. 

2024 schüttete ein 59-Jähriger in Groß-Gerau Spiritus auf den Grill - es kam zu einer Stichflamme, die auf einen 31-Jährigen übergriff, der neben dem Grill stand. Mit einem Rettungshubschrauber flog man ihn in eine Klinik. Die Polizei ermittelte wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.

Der «dümmste» Grillunfall, den Hirche erlebt hat, ereignete sich in der Fahrerkabine eines Lastwagens. Der Fahrer beschloss aufgrund des schlechten Wetters, seinen Gasgrill im Führerhaus anzuwerfen, wie der Chirurg berichtet. Es kam zu einer Verpuffung, der Fernfahrer erlitt schwerste Verbrennungen auf mehr als 70 Prozent der Körperfläche und zudem eine Rauchgasvergiftung.

Meist Bagatellen

Schätzungen gehen von rund 4.000 Grillunfällen pro Jahr in Deutschland aus. Genaue Zahlen oder Angaben für einzelne Bundesländer gibt es nicht. Meist sind es Bagatellen, mit denen die Menschen nicht zum Arzt gehen und die nicht gesondert erfasst werden. 

In der Frankfurter BG Unfallklinik gibt es laut Hirche pro Saison fünf bis zehn schwere Grillunfälle. Hochgerechnet auf Hessen schätzt er die Zahl «ganz grob» auf um die 30. 

Laut Deutscher Gesellschaft für Verbrennungsmedizin gibt es zwei Zentren für Brandverletzte in Hessen: das Zentrum für Schwerbrandverletzte am Sana-Klinikum in Offenbach und das Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder am Klinikum Kassel. Aber auch andere Kliniken wie die BG-Unfallklinik in Frankfurt behandeln Brandverletzungen.