Wolfswelpe gesichtet - was kann ihm gefährlich werden?
Welche Gefahren drohen dem gesichteten Wolfswelpen im Südwesten? Autos, Wildschweine oder auch Wolfstourismus könnten seine Überlebenschancen beeinflussen.
Baiersbronn/Forbach (dpa/lsw) - Die Aufnahme eines Wolfswelpen in einer Fotofalle weckt im Schwarzwald die Hoffnung, dass sich dort ein Wolfsrudel etablieren könnte. Das Jungtier war Mitte September in Baiersbronn im Kreis Freudenstadt entdeckt worden. Sorgen gibt es aber auch.
Vater, Mutter und Kind gelten bereits als Rudel, es ist das erste im Südwesten seit längerer Zeit. Ob der Welpe aber überlebt, ist noch längst nicht ausgemacht, wie Christoph Schmidt vom Alternativen Bärenpark Schwarzwald sagt. «Die Sterblichkeit junger Wölfe ist sehr hoch.» In dem Bärenpark leben auch Wölfe.
Vor allem Autos könnten dem Tier gefährlich werden. «Jungtiere sind unerfahren und neugierig, das kann ihnen durchaus auch zum Verhängnis werden.» Im Jahr 2023 war bereits der damals einzige Welpe auf einer Straße am Schluchsee gestorben und hatte Hoffnungen auf ein Rudel damit zunichtegemacht. Auch Wildschweine oder Luchse sind nach Worten Schmidts in der Lage, einen kleinen Wolf anzugreifen.
Der nun auf einer privaten Fotofalle abgelichtete Welpe entstammt mutmaßlich der Verpaarung des schon lange im Nordschwarzwald sesshaften Rüden GW852m und der dort seit kurzem ebenfalls sesshaften Wölfin mit der wissenschaftlichen Kennung GW4816f. Einen genetischen Nachweis dafür gibt es nach Angaben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg nicht. Auch sei nicht klar, welches Geschlecht das Jungtier hat und ob es weitere lebende Geschwister hat.
Ein Wolfswurf hat in der Regel zwischen vier und maximal acht Welpen, sagte Schmidt. Die Hälfte bis zwei Drittel des Nachwuchses sterben aber innerhalb der ersten zwei Lebensjahre.
Wolfstourismus könnte Gefahr sein
Gefahr droht dem Welpen laut Schmidt auch, wenn sich Menschen extra auf den Weg ins Enztal machen sollten, um das Tier zu Gesicht zu bekommen. Wölfe dürften keinesfalls angefüttert werden, sagte er. «Das aktive Aufsuchen von Wildtieren in ihrem natürlichen Lebensraum bedeutet immer eine Störung für die Tiere», so auch das Landwirtschaftsministerium. Das Anlocken etwa durch Futter sei verboten.
Umgekehrt muss sich nach Schmidts Worten aber niemand Sorgen machen, dass Wolfseltern etwa Wanderern oder Spaziergängern gefährlich werden könnten. Wölfe seien auch als Eltern scheu und griffen Menschen nicht an.
Lange war im Südwesten auf ein Rudel gewartet worden
Nachdem neben dem im Territorium Enztal schon lange ansässigen Rüden GW852m dort auch eine Fähe als sesshaft eingestuft wurde, war fest mit Nachwuchs gerechnet worden. Die mutmaßliche Mutter des Welpen war früheren Angaben von FVA-Wolfsexperten zufolge vermutlich im Februar oder März trächtig geworden, die Tragezeit beträgt um die 60 Tage.
Inzwischen dürfte der Nachwuchs der Wurfhöhle, in der Wölfinnen ihre Welpen zur Welt bringen, entwachsen sein. Etwa sechs Monate würden Welpen gesäugt, wie Schmidt sagte. Im Jahr nach ihrer Geburt zögen sie in der Regel noch mit ihren Eltern - und dann einem möglicherweise neuen Wurf - umher. Dann wanderten sie ab.
Rüde GW852m, der mutmaßliche Welpenvater, ist der am längsten im Südwesten sesshafte Wolf und hat die durchschnittliche Lebenserwartung eines Wolfes schon fast erreicht. Er kam wohl schon 2017 zur Welt. Seine Partnerin GW4816f ist noch vergleichsweise jung und wurde zwischen 2022 und 2024 geboren.
Es gab schon früher ein Rudel im Südwesten
In der Vergangenheit war die Zahl der sesshaften Wölfe im Land höher. Einige wanderten ab oder wurden überfahren. Ein Rudel aber hatte es nicht mehr gegeben, seit der einzig lebende Welpe Ende 2023 in der Nähe des Schluchsees überfahren wurde. Im April danach starb das Muttertier bei einem Auto-Unfall nahe Lenzkirch. Es war trächtig mit mehreren Welpen. Weibchen für möglichen Nachwuchs gab es danach länger nicht mehr im Südwesten.
Könnte es bald ein zweites Rudel geben?
Inzwischen wurde neben der Enztal-Wölfin zwar ein weiteres weibliches Tier im Südwesten nachgewiesen - im Juni im Territorium Schluchsee, wo sich bereits ein Rüde fest niedergelassen hat. Diese Fähe gilt im Gegensatz zur Enztal-Wölfin nach FVA-Angaben aber nicht als sesshaft. «Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine Bestätigung, dass es im Territorium Schluchsee zu einer Paarbildung geschweige denn zu einer Rudelbildung gekommen ist», sagte eine Sprecherin.
Im Südwesten sind mittlerweile fünf Wolfsterritorien mit insgesamt sechs sesshaften erwachsenen Wölfen bestätigt: Das Wolfsterritorium Enztal, wo das Wolfspaar und mutmaßlich der Welpe lebt, sowie die Territorien Hornisgrinde, Reichenbacher Wald, Ostbaar und Schluchsee mit jeweils einem Rüden.