Zahl der Verkehrsverstöße auf neuem Höchststand
In Hessen wurden 2025 rund 1,51 Millionen Verkehrsverstöße registriert – ein neuer Rekordwert. Was hinter dem Anstieg steckt und wie die Behörden darauf reagieren.
Kassel (dpa/lhe) - Die Zahl der Verkehrsverstöße in Hessen ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Rund 1,51 Millionen Anzeigen gingen dem zuständigen Regierungspräsidium Kassel zufolge 2025 bei der Zentralen Bußgeldstelle (ZBS) des Landes ein. Das seien fast 40.000 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Zahl der zu bearbeitenden Verkehrsverstöße sei damit das dritte Jahr in Folge angestiegen und liege weiterhin auf einem hohen Niveau, erklärte die Behörde.
Der Anstieg zeige, dass die hessischen Verfolgungsbehörden ihre Tätigkeit in der Verkehrsüberwachung intensiv und konsequent wahrnähmen, sagte Regierungspräsident Mark Weinmeister laut Mitteilung bei der Vorstellung der Bußgeldbilanz in Kassel. «Dass die Verfolgungszahlen auch nach der Verschärfung des Bußgeldkatalogs weiter ansteigen, zeigt, dass wir hier nicht nachlassen dürfen und Verstöße weiter konsequent und, wo nötig empfindlich, ahnden müssen.»
Frankfurt hat eigene Bußgeldstelle
Mit 751.395 Anzeigen (minus 39.546 gegenüber 2024) entfielen laut ZBS 49,7 Prozent und damit etwas weniger als die Hälfte der Verkehrsverstöße auf den schwerwiegenden Bereich. 761.668 Anzeigen (plus 78.650) entfielen auf den geringfügigen Bereich. Nicht enthalten in der Bilanz ist die Stadt Frankfurt, die eine eigene Bußgeldstelle hat.
Zu den schwerwiegenden Ordnungswidrigkeiten gehören seit der Ende 2021 in Kraft getretenen Änderung der bundesweiten Bußgeldkatalog-Verordnung jene ab 60 Euro. Sie fallen seither in den Bußgeldbereich. Zu den geringfügigen Ordnungswidrigkeiten zählen Sanktionen bis einschließlich 55 Euro. Für deren Bearbeitung sind die örtlichen Ordnungsbehörden der Kommunen zuständig.
Am häufigsten Tempo überschritten
Besonders häufig waren mit knapp 75,2 Prozent aller verfolgten Verstöße Tempo-Überschreitungen. Als zweitgrößter Posten folgten mit rund 13,8 Prozent Halte- und Parkverstöße. Geringere Anteile hatten etwa Verfahren aufgrund von Unfällen (2 Prozent), des Fahrens über rote Ampeln und Überschreitungen der Frist zur Hauptuntersuchung (jeweils rund 1,3 Prozent) sowie Verstöße gegen das Handyverbot (0,95 Prozent).
Die ZBS erließ den Angaben zufolge 725.926 Bußgeldbescheide, davon 27.774 mit Fahrverbot. In 22.896 Fällen (3,15 Prozent) wurde Einspruch eingelegt. Die Behörde schloss rund 1,56 Millionen Verfahren ab (plus 74.737). 224.125 Verfahren wurden eingestellt, weil die verantwortliche Person nicht ermittelt werden konnte.
Gut 107 Millionen Euro Einnahmen
27.774 Führerscheine wurden von der ZBS entgegengenommen und zwischen einem und drei Monaten verwahrt. In 2.183 Fällen musste die Beschlagnahme des Führerscheins angeordnet werden, um die Betroffenen zur Abgabe zu bewegen.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Einnahmen der öffentlichen Kassen durch Falschparker und Temposünder um rund 4,01 Millionen Euro auf 107,28 Millionen Euro gestiegen. Das Einnahmeplus beträgt damit rund 3,88 Prozent. Das Geld fließt in den Landeshaushalt.