«Zeckenproblem» in Hessen - eine Ärztin nennt die Gründe
Der Klimawandel bringt neue Zeckenarten in Hessen – und verlängert die Saison. Warum das aus der Sicht einer Ärztin ein Problem ist.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Zecken werden sich in Hessen nach Experteneinschätzung zunehmend ausbreiten. Wegen des Klimawandels wandern einerseits neue Arten ein, andererseits kommen heimische Arten wie etwa der Gemeine Holzbock besser über den Winter, wie die Ärztin und Zecken-Kennerin Adela Zatecky erläutert. «Zecken gehören zu den Gewinnern des Klimawandels. Das heißt, wir haben ein Zeckenproblem und wir werden es auch behalten.»
Wie verändern sich die Zecken-Populationen in Hessen?
Zecken zu zählen, ist schwer. Jedoch beobachten die Experten hierzulande vermehrt Arten, die eher in klimatisch wärmeren Gegenden vorkommen - wie etwa die Auwaldzecke (auch Wiesenzecke genannt) sowie die Schafzecke. «Das sind Zecken, die es früher bei uns kaum gab», ergänzt Zatecky, Zweite Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Mühlheim und Offenbach. Ob mit der Zunahme an neuen Zeckenarten auch die Gesundheitsgefahren wachsen, lässt sich nach den Worten der Medizinerin schwer abschätzen.
Für die typischen Erkrankungen wie Borreliose und FSME gelte nach wie vor der heimische Gemeine Holzbock als Hauptüberträger. «Aber die zugewanderten Arten können diese beiden Hauptkrankheiten auch übertragen - wenn auch mutmaßlich nicht ganz so effektiv», sagt Zatecky.
Was sind Borreliose und FSME?
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. 2025 wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums 25 FSME-Fälle in Hessen registriert. ein Jahr zuvor waren es noch zehn Fälle. FSME kann auch außerhalb der ausgewiesenen Risikogebiete vorkommen. Wesentlich häufiger ist die Borreliose, die unbehandelt zu Gelenk,- Herzmuskel- und Nervenentzündungen führen kann. Die bakterielle Infektion kann gut mit Antibiotika behandelt werden.
Warum zählen Zecken zu den Gewinnern des Klimawandels?
Auch ursprünglich heimische Zeckenarten profitieren davon, dass die Winter im Zuge des Klimawandels milder geworden sind. «Früher, wenn es mal so ein richtig harter Winter war, dann sind auch Zecken weg gefroren», erläutert Zatecky. Das drohe den Überlebenskünstler inzwischen kaum noch. «Eine natürliche Regulierung der Population durch harte Winter gibt es quasi nicht mehr», erklärt die Expertin. Die Aktivitätsphase der Zecken beginnt ab etwa acht Grad. Wird es also grundsätzlich milder, bedeutet dies für die Tiere mehr Zeit für die Vermehrung. «Und auch dadurch nehmen die Populationen zu.»
Was bedeutet die Zunahme für die FSME-Risikogebiete?
Früher waren Zecken ein Problem des Sommers. Inzwischen verschöben sich die Meldungen von Krankheiten, die von den Tieren übertragen werde, weiter nach vorn, erläuterte Zatecky. «Wir müssen davon ausgehen, dass mit dem Klimawandel das Zeckenproblem auch ein ganzjähriges Problem wird.» Die Expertin geht davon aus, dass es künftig nicht bei den südhessischen FSME-Risikogebieten bleiben wird, die vom Robert Koch-Institut ausgewiesen wurden und für die eine Impfempfehlung besteht.
In Hessen sind zehn Land- und Stadtkreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Dazu zählen die Städte Offenbach und Darmstadt sowie die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Groß-Gerau, Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf, Odenwald und der Kreis Offenbach. «In Richtung Norden und Nordosten haben wir bislang keine Risikogebiete ausgewiesen. Und das wird aber kommen.»
Was sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen?
«Wenn ich in die Natur gehe, dann muss es für mich selbstverständlich sein, dass ich einen Insektenschutz auftrage», sagt Zatecky. Zudem sollte man sich bei einem Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiete impfen lassen. Dies gelte etwa auch für Menschen, die zwar in Frankfurt wohnen, aber regelmäßig in den Odenwald und damit in ein Risikogebiet fahren. Nach einem Ausflug in die Natur sollte Kleidung, die man normalerweise im Schlafzimmer auszieht, eher im Bad ausgezogen werden, rät die Ärztin.
Um Klamotten ganz sicher von Zecken zu befreien, müssten sie mit 60 Grad gewaschen werden. Zudem sei es wichtig, den Körper sorgfältig abzusuchen. Während FSME direkt übertragen wird, wenn die Zecke zugestochen hat, lässt sich das Borreliose-Risiko nach den Worten der Ärztin deutlich senken, wenn die Zecke schnell entfernt wird.