Zu wenig Regen - was das für die Parks in der Stadt bedeutet
Klimawandel, steigende Kosten und smarte Technik: Wie Hessens Städte ihre Parks grün halten – und warum trotzdem viele Bäume gefällt werden müssen.
Frankfurt/Wiesbaden/Kassel (dpa/lhe) - Besonders bei Hitze sind Parks in den Städten wichtige Zufluchtsorte. Sie bringen Menschen Abkühlung, die selbst keinen Garten haben. Doch Hitze und Trockenheit lassen auch den Aufwand für die Pflege der Grünanlagen immer weiter steigen - etwa in Frankfurt und Kassel.
Welche Pflanzen werden gewässert und welche nicht?
In Frankfurt werden ausschließlich junge Bäume gegossen, wie Christian Dienst vom Grünflächenamt sagt. Dies sind aktuell rund 8.000 auf rund 1.600 Hektar. «Ohne Wasser würden die Bäume nicht überleben», sagt Dienst. Sie bekommen pro Gießgang rund 200 Liter. Wie häufig sie gegossen werden, hängt vom Wetter ab.
Rasen und andere Pflanzen werden in Frankfurt überwiegend nicht gewässert. Ausnahme sind die Rasenflächen am Mainufer und einige Flächen an denkmalgeschützten Orten.
Wie hat sich der Aufwand in den vergangenen Jahren verändert?
Die Kosten der Bewässerung steigen immer mehr: In Frankfurt waren es 2021 187.000 Euro, 2022 bereits 361.000 und 2025 schon 447.000 Euro. «Hier zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels», erklärt Dienst.
Hintergrund ist auch, dass die Jungbäume nun bis zum fünften Jahr gegossen werden, früher reichten die ersten beiden Jahre. Ziel ist, dass so viel Wurzelwerk entsteht, damit der Baum sich aus tieferen Bodenschichten selbst bedienen kann.
So hält es auch Kassel. Wasser erhalten hier auch Kübelpflanzen. Die Stadt berichtet von einem erheblichen Anstieg des Bewässerungsbedarfs in den vergangenen Jahren. «Der Bewässerungszeitraum hat sich insgesamt vergrößert, sodass von April bis teilweise in den Oktober hinein gewässert werden muss. Die Anzahl der Mitarbeiter sowie Bewässerungsfahrzeuge musste verdoppelt werden», sagt ein Stadtsprecher.
Welchen Einfluss hat die Hitze - wie verändert sie die Abläufe?
Der Wasserverbrauch steige sprunghaft an, desto heißer und trockener es werde, sagt Dienst. Die Bäume müssen häufiger gegossen werden, damit sie die Hitzephasen überleben. «Sie kommen aus der Baumschule, das ist quasi ein Luxushotel», berichtet Robert Kreißl, ebenfalls vom Frankfurter Grünflächenamt.
Um sich an das Leben etwa an einer stark befahrenen Straße zu gewöhnen, brauchen sie Hilfe - bei hohen Temperaturen umso mehr. Im Straßenraum wirke sich Hitze besonders aus, bis zu 70 Grad könnten dort herrschen, Hitzeabstrahlung von versiegelten Flächen könne dies noch verschärfen. «Dazu kommt in der Frankfurter City, dass die Fenster der Hochhäuser das Sonnenlicht reflektieren», sagt Kreißl.
In Kassel rechnet man aktuell mit Schäden an der Vegetation und Verlust von Bäumen: «Es müsste eigentlich deutlich mehr gewässert werden, aufgrund fehlender personeller und finanzieller Ressourcen kann dies jedoch nicht erfolgen», sagt der Stadtsprecher.
Sterben mehr Bäume und was ist die Konsequenz?
Mehr als 1.000 Bäume müssen in Frankfurt pro Jahr gefällt und nachgepflanzt werden, manchmal sind es bis zu 1.800 Stück, unter anderem auch wegen Schädlingsbefalls. Nachdem es einige Jahre größere Ausfälle gegeben habe, seien die Zahlen seit einigen Jahren stabil.
Neue Sorten sollen sich als widerstandsfähiger erweisen. Kreißl nennt als Beispiel den Amerikanischen Amberbaum, der sowohl mit Hitze als auch mit Kälte auskommt.
Wird ausschließlich Trinkwasser eingesetzt?
In Frankfurt wird neben Trinkwasser auch sogenanntes Betriebswasser eingesetzt. Dieses stammt beispielsweise aus dem Main, ist gesammeltes Regenwasser oder Grundwasser. «Perspektivisch soll zur Bewässerung der Bäume und Grünanlagen hauptsächlich auf dieses alternative Wasser zurückgegriffen werden, um die Ressource Trinkwasser zu schonen», sagt Miriam Leistenschneider-Jacob vom Grünflächenamt. In Arbeit ist auch ein Projekt mit aufbereitetem Schwimmbadwasser.
Die Stadt setzt zudem auf Digitalisierung. Sensoren zeigen zum Beispiel, wie hoch der Bedarf in den einzelnen Bodenschichten und Stadtteilen tatsächlich ist. Bei der Datenauswertung wird auch Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt. Das Ziel: bedarfsgerechte Bewässerung.
In Kassel werden Zisternen gebaut, um Regenwasser zu nutzen. Wenn es allerdings trocken sei, stoße das an Grenzen und könne Trinkwasser nicht ersetzen, heißt es von der Stadt. Auch Betriebswasser wird eingesetzt.