Weinheim

Verbaler Schlagabtausch mit Kain und Maser

In der Alten Druckerei in Weinheim werden Franz Kain und Manfred Maser bei der Premiere ihres Debüt-Programmes „Kumm, geh fort“ stürmisch gefeiert.

Auf der Bühne der Alten Druckerei treffen zwei Welten aufeinander. Franz Kain (links) und Manfred Maser sind ein „dischberdierfreudiges Duo“. Foto: Philipp Reimer Photography
Auf der Bühne der Alten Druckerei treffen zwei Welten aufeinander. Franz Kain (links) und Manfred Maser sind ein „dischberdierfreudiges Duo“.

Sie passen zusammen wie die Faust aufs Auge. Franz Kain (33 Jahre Spitzklicker), mitreißendes Temperamentbündel, begnadeter Komödiant, Schrägdenker und Darsteller mit Schwerpunkt „nervige Mitmenschen“. Manfred Maser (33 Jahre Odenwälder Shanty Chor), wortgewaltiger Philosoph, Meister des absurden Sprachspiels mit satirischem Weitblick auf den Sinn des Lebens. Die beiden Größen der regionalen Kabarettszene präsentierten jetzt ihr erstes gemeinsames Programm unter dem Titel „Kumm, geh fort“.

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Für Auswärtige mag die Redewendung ein sprachliches Paradoxon sein, beim Kurpfälzer gilt sie als Ausdruck des Zweifels. In der proppenvollen Alten Druckerei zweifelte wohl niemand daran, dass das Gemeinschaftsprojekt eine gute Idee war. Dass Kain und Maser zwei großartige Komödianten sind, war schon nach wenigen Minuten klar.

Obwohl Manfred Maser bei der Weinheimer Kabarettgruppe „Die Spitzklicker“ als Textschreiber stets im Hintergrund bleibt, verfügt er als Alphatier des Odenwälder Shantychores über jahrzehntelange Bühnenerfahrung, wenn er als kauziger „Professor Netwohr“ sein satirisches Seemannsgarn spinnt. Und jetzt mit Kain allein auf der Bühne, ein Schlagabtausch der Extraklasse!

Nachrichten mit Ekelfaktor

Maser schildert, wie er – der Freiberufler – zwischen 10 und 11 Uhr die Medien checkt und ihren Lärm um „nix“ hasst. Da würden ihm gerade die zweiminütigen Sprachnachrichten mit „Fortsetzungsandrohung“ von Freund Kain genügen. Prompt springt der von seinem gemütlichen Sessel auf und meldet sich mit geschulter Reporterstimme als der Mann mit dem Puschel-Mikrofon zu Wort: „Liebe Zuschauer „innen“, ich bin am Ort des Geschehens, wo noch nix passiert ist.“

Und wenn „nix“ passiert, ist man auch in den Redaktionskonferenzen ratlos. „Wie wär´s denn mal mit Schimmel hinterm Sofa“, schlägt Kain vor, „damit wird auch gleichzeitig der Ekelfaktor berücksichtigt“.

Es ist bewundernswert, mit welcher Rasanz das Duo von einem Thema ins andere gleitet. Schon steht Maser wieder hinter seinem Stehpult, und es geht der Werbung an den Kragen: von Seitenbacher-Müsli über nächtlichen Harndrang bis zum Duschgel, mit dem einem Mann mit Bauch die Frauen zu Füßen liegen. Dass Werbung Lüge ist, musste auch Kain erfahren, als er mit seinem „Sicher-auf-allen-Wegstrecken-SUV“ als Teststrecke den Spargelacker seiner Schwiegereltern durchpflügte.

„Dreifaltigkeit“ einmal anders

Doch der quirlige Kain ist an diesem Abend nicht nur der Spaßvogel vom Dienst. Als er bedächtig Stück für Stück von einem Papiermaßband abreißt, wird der 58-Jährige nachdenklich. Denn mit dem Reststück vergleicht er seine Lebenserwartung. Derweil denkt der Philosoph am Stehpult an jene Zeit zurück, als er noch nach dem Pestalozzi-Prinzip „Mit Herz, Hand und Hirn“ lebte. Dafür geht es heute um „Kopf, Beine, Po“, kurz die „Dreifaltigkeit“.

Und dann all diese neuen Erkenntnisse: zum Beispiel, dass das Wichtigste an der Ernährung das ist, was man weglässt. „Wir brauchen mehr Platz für Schweine“, meldet sich da Franz Kain und kalauert: „Ich habe mir größere Teller gekauft.“ Dann schlüpft er in seine Paraderolle, die des Wutbürgers, und nimmt mit seinen pantomimisch anmutenden Bewegungen die gesamte Bühne ein. Man sieht ihn förmlich, wie er im Supermarkt wütend vor einem acht Meter langen Kühlregal mit Joghurt steht. „Was heißt eigentlich rechtsgedreht?“, schimpft er. „Schon aus Protest reiß´ ich zuhause die Becher auf und rühre mit Absicht links herum“.

„Abrissbirne auf zwei Beinen“

Wenn dann auch noch der Flaschenautomat streikt, wird Kain zur „Abrissbirne auf zwei Beinen“. Da fehlen nur noch die Laktose-Intoleranten oder schlimmer noch „die Sakrotanapostel“. Das waren noch Zeiten, als man den Kaugummi freitags unter die Schulbank klebte, um ihn montags abzukratzen und weiterzukauen. Als das Publikum vor Lachen Schnappatmung bekommt, schlagen die beiden Schelme vor, wie man die leeren Gotteshäuser wieder füllen könnte: „Warum nicht Feuer unterm Altar machen und Steaks auf dem heißen Stein braten. Dazu sollte man Popsongs statt Kirchenlieder singen?!“ Prompt stimmt Manfred Maser mit seinem mächtigen Bariton „Morning Has Broken“ an. Und als wäre das noch nicht genug Entertainment, legen die beiden einfallsreichen Kirchenreformer einen synchronen Gotteshaus-Wilkommens-Rap aufs Parkett.

Am Ende werden sie für ihr hintergründiges, intelligentes und überaus humoriges Debütprogramm, bei dem Patricia Kain auf dem Regiestuhl saß, mit lauten Bravorufen bedacht. Der Wunsch, es möge nicht das einzige Gemeinschaftsprojekt der beiden sympathischen Satiriker gewesen sein, war des Öfteren zu vernehmen.

Weitere Aufführungen in der Alten Druckerei von „Kumm, geh fort“: am 12. und 20. Mai, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es bei den DiesbachMedien in der Weinheimer Friedrichstraße, Telefon 06201/81345.