Hirschberg

Vorlesepatinnen fördern die Lesefreude bei Kindern

In Hirschberg, wo die Liebe zum Lesen und das Teilen von Geschichten tief verwurzelt ist, haben sechs Frauen eine Mission. Jetzt brauchen sie Verstärkung.

Sie wollen Kinder zum Lesen animieren. Um noch mehr in Grundschulen und Kindergärten anzubieten, suchen die Hirschberg Vorlesepatinnen neue Mitstreiter. Von links Ute Hein, Ilse Mroch und Monika Schmidhuber. Vorne sitzt die Initiatorin Marliese Bauer. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Sie wollen Kinder zum Lesen animieren. Um noch mehr in Grundschulen und Kindergärten anzubieten, suchen die Hirschberg Vorlesepatinnen neue Mitstreiter. Von links Ute Hein, Ilse Mroch und Monika Schmidhuber. Vorne sitzt die Initiatorin Marliese Bauer.

Sie lesen Kindern gerne vor. Und wenn die Knirpse über beide Ohren strahlen und Freude haben, sind dies für die sechs Frauen die schönsten Momente. Wer die Hirschberger Vorlesepatinnen Marliese Bauer, Ilse Mroch, Waltraud Mayer, Monika Schmidhuber, Ilse General und Uta Hein für Kindergarten oder Grundschule „bucht“, geht also auf Nummer sicher. „Wir wollen natürlich keine Pädagoginnen sein, sondern Anreize geben, damit die Kinder mehr lesen. Das Lesen zu fördern ist mir einfach eine Herzensangelegenheit. Das kann ich für alle Lesepaten sagen“, erzählt Marliese Bauer, als sich die WN mit den Vorlesepatinnen im Café des Seniorenzentrums am Turm trifft und diese ihre Erfahrungen schildern. Bauer gilt als Hauptinitiatorin der Projektgruppe „Vorlesepaten“, die im Rahmen der Zukunftswerkstatt „Wir in Hirschberg“ entstanden ist.

Einsatzort Grundschule

Uta Heins „Einsatzorte“ befinden sich in der Großsachsener Grundschule und im evangelischen Kindergarten „Das Baumhaus“. In der Grundschule werden Erst- und Zweitklässler zusammengefasst. Da warten schon mal 15 Kinder gespannt darauf, was Patin Hein heute mit ihnen anstellt. Zuletzt war es das Buch „Chamäleon“. „Vieles handelt von Freundschaft. Soziale und kindgerechte Themen sind mir sehr wichtig“, erzählt Hein, die früher in einer Bank im Bereich Marketing tätig war. Bei der Bücherauswahl stimmt sie sich mit der Schule ab. Bei der Patin ist es aber nicht nur das reine Vorlesen. Sie fragt nach und erkennt dadurch, ob die Kleinen die Texte verstanden haben.

Muslimischen Kindern vorlesen

Monika Schmidhuber liest in der Martin-Stöhr-Grundschule vor. „Ich bespreche die Bücher mit den Kindern. Wir haben da freie Auswahl.“ Na ja, nicht ganz, ihre drei Jungs favorisieren Bücher über Wale, Fische und Meerestiere. Mit den drei Mädchen „nimmt“ Schmidhuber gerade „Janosch“ durch. Bei den sechs Kindern handelt es sich um muslimische Kinder. Während die anderen Kinder in der Schule Religionsunterricht haben, ist Vorlesepatin Schmidhuber zur Stelle und hilft aus: „Wenn alles gut geklappt hat, spielen wir zum Schluss als Belohnung Memory.“ Kommt die Patin krankheitsbedingt mal nicht, sind die Grundschüler ganz traurig: „Die haben mich dann gefragt, wo ich war. Es wäre daher gut, wenn wir noch mehr Vorlesepaten hätten.“

Auch Ilse General ist in Leutershausen im Einsatz und geht in die Grundschule und den evangelischen Kindergarten „Storchennest“. Marliese Bauer, selbst fünffache Oma, ist einmal im Monat im evangelischen Kindergarten Leutershausen.

In der KÖB schmökern

Die ehemalige Lehrerin Ilse Mroch hat es einfach im katholischen Kindergarten in Leutershausen. „Montags komme ich vorbei und klappere die Räume ab. Wer Lust zu lesen hat, geht mit hoch in die Räume der Katholischen Bücherei.“ Zauberer, Hexen und so sind der Renner. „Ich achte darauf, dass es um soziale Themen wie Freundschaften geht. Wichtig ist auch, dass die Bücherei viele Illustrationen besitzt. Kindgerecht eben.“

Bei aller Euphorie gibt es ein kleines Problem: Fällt eine der Vorlesepatinnen krankheitsbedingt aus oder jemand wie Dr. Klaus Schmidt hört auf, entfällt die Aktion in Schule und Kindergarten. Das finden die fünf Frauen natürlich sehr traurig. Deshalb suchen sie Verstärkung. „Aufgrund der hohen Nachfrage, was an den gut besuchten Veranstaltungen zu erkennen ist, wollen wir das bestehende Angebote ergänzen. Ideen gibt es viele“, berichten die Frauen ganz stolz. Die Grundschulen haben bereits Interesse signalisiert. „In der Grundschule lesen Kinder auch den Erwachsenen vor. Für sie ist es besonders, dass eine erwachsene Person ihnen ganz alleine aufmerksam zuhört und empathische Rückmeldung gibt. Sehr schnell entsteht ein Vertrauensverhältnis, das zur Annahme von Empfehlungen und nachweisbaren Verbesserung der Lesefähigkeiten der Kinder führt“, weiß die Initiatorin Bauer aus Erfahrung zu berichten.

Eine Tradition in Hirschberg

Dass Vorlese-Aktionen in Hirschberg Tradition haben, zeigen die vielen Angebote der offiziellen Stellen wie Büchereien und Kindergärten. In der Vergangenheit gab es bereits in der Martin-Stöhr-Grundschule Vorlesestunden. Dort können die Kinder auch selbst vorlesen. Außerdem organisiert die Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) im katholischen Kindergarten Leutershausen einen Vorlesetag und die Gemeindebücherei veranstaltet einmal monatlich Vorlesestunden in Leutershausen für Kinder über vier Jahre und einmal für Kinder ab zwei. In Großsachsen wird bei „Kamishibai“ vorgelesen. Mit den Vorlesepaten kommen erfreulicherweise ergänzende Angebote hinzu. Diese sind im evangelischen Kindergarten Leutershausen, in der Schule und im Kindergarten Großsachsen. Dafür braucht es weiteres ehrenamtliches Engagement.

„Mit den richtigen Menschen hoffen wir, all unsere Ideen im Jahr 2024 verwirklichen zu können“, zeigt sich Bauer zuversichtlich. Die Gruppe organisiert sich übrigens privat, ortsübergreifend und begrüßt Menschen jeden Alters und Geschlechts. Ideale Voraussetzungen für einen Vorlesepaten sind Spaß an der Zusammenarbeit mit Kindern, eine gewisse Affinität zu Büchern und etwas Zeit übrig zu haben. Bei Fragen können sich Interessenten bei Marliese Bauer unter der E-Mail Vorlesepaten-Hirschberg@gmx.de melden.