Hemsbach

Lesepaten machen in Hemsbach Schule

Ein Viertel der Viertklässler in Deutschland ist nicht in der Lage, relevante Informationen aus einem Text zu erkennen. Der Verein Vogelnest in Hemsbach versucht zu helfen und hat bereits 20 Lesepaten an die beiden örtlichen Grundschulen vermittelt.

Werben für mehr Lesepaten: „Vogelnest“-Gründer Uli Vogel, Lesepatin Lucia Annoni und Hebelschulleiterin Isabelle Graf (von links). Foto: Stadt Hemsbach
Werben für mehr Lesepaten: „Vogelnest“-Gründer Uli Vogel, Lesepatin Lucia Annoni und Hebelschulleiterin Isabelle Graf (von links).

Die Mitte Mai veröffentlichte Internationale Grundschul-Leseuntersuchung, kurz IGLU, brachte es zutage: Die Grundschüler Deutschlands sind in Sachen Lesekompetenz gerade mal Mittelmaß. Ein Viertel der Viertklässler, so die Vergleichsstudie, ist nicht in der Lage, die relevanten Informationen aus einem Text zu erkennen. Die Folgen sind dramatisch: Ohne ausreichende Lesekompetenz wird der weitere schulische und berufliche Weg schwer. Dabei tauchen Kinder gerne in Geschichten ein – eine Erfahrung, die Lucia Annoni, Lesepatin an der Hebel-Grundschule, bestätigen kann. Ihr „Eisbrecher“ war das Buch „Der Superwurm“ von Axel Scheffler, dem Schöpfer des weltberühmten „Grüffelo“, und Julia Donaldson: ein Held wie aus dem Bilderbuch, stark, gerecht, hilfsbereit, allen Widrigkeiten trotzend. Den nimmt man sich als Kind gerne zum Vorbild.

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20 Lesepaten aktiv

20 Lesepaten sind inzwischen an der Goethe- und Hebel-Grundschule aktiv – ein Verdienst, den sich der Verein Vogelnest, der sich für die ehrenamtlichen Lesepatenschaften einsetzt, sie vermittelt und koordiniert, auf die Fahnen schreiben kann. Im Verein federführend in Sachen Schulkooperation ist Tanja Neuthinger-Gärtner, die in Kontakt mit den Schulleitungen steht und die Lesepaten je nach Bedarfen in die Schulen vermittelt.

Hebelschulrektorin Isabelle Graf weiß, was sie an den Lesepaten hat: „Lesepatenschaften sind sehr wichtig, und sie werden es bleiben“, sagt sie mit Blick darauf, dass das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“, das pandemiebedingte Lernrückstände kompensieren soll, im kommenden Schuljahr auf 50 Prozent reduziert wird. Und das, obwohl der Mehrbedarf nach wie vor da ist und noch eine ganze Weile bleiben wird. Bei dem für Ende Juli geplanten Treffen der Schulleitungen und aller Lesepaten, das vorwiegend zum gegenseitigen Kennenlernen gedacht ist, wird sie sicherlich für deren weiteren Einsatz werben.

Das Projekt Lesepatenschaften an den Grundschulen, Ende letzten Jahres mit dem Seniorenrat initiiert, wertet „Vogelnest“-Gründer Uli Vogel als großen Erfolg – der offenbar Schule macht: „Wir haben wegen den Lesepaten eine Anfrage aus Laudenbach bekommen, wo man ebenfalls eine solche Aktion starten und auf unsere Erfahrungen zurückgreifen möchte.“ Ganz wichtig jedenfalls sei dabei, dass die Lesepaten in die Schule kommen, also in die gewohnte, vertraute Lernumgebung, und die „Lesepaare“ oder „Lesegruppen“ beisammenbleiben, sodass eine vertrauensvolle Beziehung entstehen und über einen längeren Zeitraum individuell auf jedes Kind und seine Bedürfnisse eingegangen werden kann. Und natürlich lassen sich so auch entsprechende Fortschritte besser wahrnehmen.

Übers „Vogelnest“

Das Engagement des Vereins Vogelnest zielt auf mehr Bildungsgerechtigkeit: Der im Frühjahr 2022 gegründete Verein um Initiator und Ideengeber Uli Vogel will benachteiligten und bedürftigen Kindern und Jugendlichen zu besseren Startchancen verhelfen. Und das heißt konkret: in Zusammenarbeit mit den Schulen Unterstützung und Förderung anbieten, und zwar langfristig und nachhaltig: „Wir möchten mithelfen, die Rahmenbedingungen dauerhaft zu verbessern, damit die Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln und ausbilden können, statt schlimmstenfalls durchs soziale Netz zu rutschen“, so Vogel.

Sein Wunsch in Sachen Lesepatenschaften: „Es wäre schön, wenn es auch im nächsten Schuljahr weiterginge!“ Der Verein freut sich deshalb weiterhin sowohl über Spenden als auch über weitere Mitwirkende, damit die betroffenen Kinder zuverlässig und so lange wie nötig auf ihrem Weg begleitet werden, um diesen später dann selbst gehen zu können.

Wer Mitglied beim „Vogelnest“ werden und/oder sich aktiv einbringen möchte, kann sich gerne per E-Mail an info@vogelnest-hemsbach.de wenden. Auch Spenden sind willkommen an „Vogelnest Hemsbach e. V.“, IBAN DE28 8306 5408 0005 2492 79.