Katastrophe in Wales

60 Jahre Aberfan: Britische Royals gedenken Erdrutsch-Opfer

Ihr langes Zögern nach der Aberfan-Katastrophe mit 144 Toten 1966 gilt als einer der größten Fehler von Queen Elizabeth II. - ihr Sohn Charles versucht es zum 60. Jahrestag besser zu machen.

König Charles III. und Königin Camilla gedenken der verheerenden Katastrophe von Aberfan. Foto: Aaron Chown/Press Association/PA Wire/dpa
König Charles III. und Königin Camilla gedenken der verheerenden Katastrophe von Aberfan.

Aberfan (dpa) - «In besonderer Erinnerung»: Gemeinsam mit Überlebenden und Angehörigen gedenkt die britische Königsfamilie im walisischen Aberfan den Opfern der schweren Erdrutsch-Katastrophe vor 60 Jahren. 

144 Menschen verloren bei dem Unglück in der ehemaligen Bergbaugemeinde am 21. Oktober 1966 ihr Leben, darunter 116 Kinder. Schutt aus einer Kohlenzeche war ins Rutschen geraten und hatte eine Grundschule und mehrere Häuser unter sich begraben. Zum Jahrestag reisten König Charles III. (77), Queen Camilla (78) und Thronfolger Prinz William (44) in den rund eine Dreiviertelstunde nördlich von Cardiff gelegenen Ort.

Langes Schweigen der Queen

Für die Royals war die Katastrophe in der Vergangenheit eine heikle Angelegenheit. Die 2022 verstorbene Queen Elizabeth II. besuchte Aberfan erst acht Tage nach dem Unglück und nach einer großen Trauerfeier. Das wurde ihr als Gefühlskälte gegenüber den betroffenen Menschen ausgelegt. Ihre Entscheidung, nicht früher zu fahren, gilt als eines der größten Versäumnisse ihrer jahrzehntelangen Regentschaft. Im Laufe ihres Lebens kehrte sie - wohl aus Bedauern darüber - immer wieder an den Ort zurück.

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Acht Tage nach der Katastrophe besuchte die Queen das Dorf. (Archivbild) Foto: Press Association/PA Wire/dpa
Acht Tage nach der Katastrophe besuchte die Queen das Dorf. (Archivbild)

Die Katastrophe war an einem Freitagmorgen kurz nach neun Uhr Ortszeit geschehen, am letzten Tag vor den Herbstferien. Nach tagelangen Regenfällen war die 150.000 Tonnen schwere Halde in Bewegung geraten und hatte die direkt darunter liegende Schule und eine Reihe von Bergarbeiterhäusern unter sich begraben. 

Bergbaumaterial war zuvor über Jahre aufgetürmt worden, obwohl bekannt war, dass sich darunter Wasserquellen befanden. Trotz einer Untersuchung, bei der der Nachrichtenagentur PA zufolge erhebliche Versäumnisse festgestellt worden waren, wurde niemand strafrechtlich verfolgt. Die Kosten für die Räumungsarbeiten mussten aus einem Spendenfonds genommen werden, erst Jahrzehnte später wurde das Geld zurückerstattet.

König bewegt und demütig

In einer Ansprache an die Bewohner sprach der Monarch der BBC zufolge vom «traurigsten und tragischsten Tag, den man sich vorstellen kann». Die Berichte von Überlebenden und Angehörigen hätten bewegt und demütig gemacht. «Heute werden in unserem Land und auf der ganzen Welt die Gedanken zu euch in Aberfan wandern, Herzen weit entfernt von dem Tal werden mit euch leiden», sagte der König.

Im Gedenkgarten, der sich auf dem Gelände der ehemaligen Schule befindet, legte Charles zuvor gemeinsam mit Camilla, William und einer Lehrerin, die die Katastrophe überlebt hatte, Kränze nieder. «In besonderer Erinnerung» schrieb der Monarch auf einen mit Mohnblumen geschmückten Kranz, wie auf Bildern zu sehen ist. Wenig später traf Charles auf eine Frau, die eines ihrer Kinder bei dem Unglück verloren hatte.