Ureinwohner

Indigene Stimme im Parlament: Australien plant Referendum

Die australischen Ureinwohner könnten im Parlament bald eine Stimme bekommen. Premierminister Anthony Albanese verkündete nun die Details zur geplanten Volksabstimmung - und war sichtlich gerührt.

Australiens Premierminister Anthony Albanese spricht bei einer Pressekonferenz im Parlamentsgebäude in Canberra. Foto: Lukas Coch/AAP/dpa
Australiens Premierminister Anthony Albanese spricht bei einer Pressekonferenz im Parlamentsgebäude in Canberra.

Canberra (dpa) - In Australien soll noch in diesem Jahr ein Referendum über eine Verfassungsänderung abgehalten werden, durch die die indigene Bevölkerung eine Stimme im Parlament erhalten soll. Der Plan für die Volksabstimmung unter dem Slogan «Voice to Parliament» ist schon länger bekannt - nun machte Premierminister Anthony Albanese bei einer emotionalen Pressekonferenz Details und die konkrete Fragestellung öffentlich.

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«Diese wird lauten: Ein vorgeschlagenes Gesetz zur Änderung der Verfassung zur Anerkennung der ersten Völker Australiens durch die Schaffung einer Stimme der Aborigines und der Torres-Strait-Insulaner. Stimmen Sie dieser vorgeschlagenen Änderung zu?», verlas Albanese am Donnerstag. Bei seiner Rede sprach er teilweise mit tränenerstickter Stimme. Auch viele anwesende Vertreter der Ureinwohner weinten. «Viele warten schon sehr lange auf diesen Moment», sagte Albanese.

Konkret geht es in der Verfassungsänderung darum, dass künftig ein Gremium indigener Australier die Regierung beraten soll, wenn es um Fragen zu den Ureinwohnern geht. Die Mitglieder sollen von Vertretern der Aborigines benannt werden und nicht von der Regierung. Das Verhältnis der Australier zur indigenen Bevölkerung ist in Down Under ein sehr sensibles Thema. Aborigines haben den roten Kontinent nach Angaben des Nationalmuseums schon vor 65.000 Jahren besiedelt.

Premierminister Rudd sprach 2008 Entschuldigung aus

Nach der Ankunft der Ankunft der First Fleet (ersten Flotte) in Sydney Cove am 26. Januar 1788 und der darauffolgenden Kolonisierung wurden viele Jahrzehnte lang Aborigine-Kinder ihren Eltern entrissen. Sie mussten in Heimen oder bei weißen Familien aufwachsen. Die Betroffenen werden in Australien als «gestohlene Generation» bezeichnet. Für das Leid der Ureinwohner gab es erst 2008 eine offizielle Entschuldigung durch den damaligen Premier Kevin Rudd.

Die Ureinwohner werden in der 1901 verabschiedeten Verfassung des Landes nicht erwähnt. Erst 1967 wurden ihnen überhaupt Bürgerrechte eingeräumt. Albanese hatte nach seinem Wahlsieg im Mai 2022 das «Voice Referendum» vorangetrieben. Zuletzt hieß es, die Befragung werde irgendwann zwischen Oktober und Dezember 2023 durchgeführt.